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Nachholbedarf beim Radverkehr

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Von: Jutta Rippegather

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Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen, sagt, es fehle ein hessenweites Radnetz mit deutlich besseren Verbindungen zwischen Städten und Gemeinden und innerhalb der Ortschaften bessere, breite und durchgängige Radwege.
Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen, sagt, es fehle ein hessenweites Radnetz mit deutlich besseren Verbindungen zwischen Städten und Gemeinden und innerhalb der Ortschaften bessere, breite und durchgängige Radwege. © Roland Weihrauch/dpa

Bei Bus und Bahn schneidet Hessen im Mobilitätsbarometer gut ab. Doch beim Radverkehr muss die Politik noch nachlegen.

Beim öffentlichen Nahverkehr ist Hessen auf einem guten Weg: Drei von vier Hessinnen und Hessen sind mit der Anbindung an Bus und Bahn an ihrem Wohnort zufrieden. Bei der Infrastruktur für das Fahrrad hingegen besteht Nachholbedarf. So lautet das Ergebnis des ersten bundesweiten Mobilitätsbarometers - einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Allianz pro Schiene, des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats.

Demnach liegt Hessen beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Vergleich der Flächenbundesländer nach Thüringen und Nordrhein Westfalen auf dem dritten Platz und über dem Bundesdurchschnitt (70 Prozent). Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen, sagt, „hier ist Hessen auf einem guten Weg“.

Aber jede:r Dritte ist unzufrieden mit der Anzahl der Fahrten. Mehr als die Hälfte sagt, seit fünf Jahren gebe es nicht mehr Verbindungen. Für 15 Prozent hat sich die Taktung in dieser Zeit sogar verschlechtert. Nitsch erinnert an die Forderung der Initiative Verkehrswende Hessen, die beim Volksbegehren 70 232 Unterschriften für ein Verkehrswendegesetz gesammelt hatte: Zwischen 5 Uhr früh und 23 Uhr abends soll von jedem Ort aus einmal pro Stunde das nächste Mittel- oder Oberzentrum erreichbar sein. „Nur mit einem guten Angebot wird der ÖPNV zum Rückgrat der Mobilitätswende werden. Auch einheitliche und günstige Preise steigern die Attraktivität von Bus und Bahn.“

49-Euro-Ticket

Für den Hessischen Städtetag hängt der Erfolg des Deutschlandtickets davon ab, dass das Verkehrsangebot verbessert und seriös finanziert wird.

Bund und Länder müssten ausreichend Mittel für einen Angebotsausbau vorgesehen. Sich verpflichten, die realen Einnahmeverluste zu übernehmen. Dafür reichten die gedeckelten Mittel von drei Milliarden Euro für das Ticket sowie die zugesagten Regionalisierungsmittel nicht aus. jur

Die Umfrage zeigt, dass wesentlich mehr Anstrengungen in den Ausbau der Fahrradinfrastruktur vonnöten ist. Nur 42 Prozent der Befragten sagen, es stünden ausreichend sichere Radwege zur Verfügung. Für 31 Prozent ist das Sicherheitsgefühl seit fünf Jahren konstant, 40 Prozent fühlen sich heute unsicherer. Der Anteil derjenigen, die nie Fahrrad fahren, ist in Hessen mit 30 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt (21 Prozent). „Die Radinfrastruktur in Hessen muss weiter ausgebaut werden, um mehr Menschen sicher aufs Rad zu bekommen“, fordert Nitsch. Auch hier habe die Initiative Verkehrswende Hessen die richtigen Antworten: ein hessenweites Radnetz mit deutlich besseren Verbindungen zwischen Städten und Gemeinden und innerhalb der Ortschaften bessere, breite und durchgängige Radwege.

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ergänzte mit Bezug auf das Mobilitätsbarometer, 96,6 Prozent der Hessinnen und Hessen wohnten höchstens 600 Meter von der nächsten Haltestelle oder maximal 1200 Meter vom nächsten Bahnhof mit mindestens 20 Fahrtmöglichkeiten am Tag entfernt. „Trotzdem ist klar, der Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn geschieht nur, wenn der öffentliche Nahverkehr ein gutes Angebot bietet, bequem und bezahlbar ist.“ Darum fließen in Hessen in den nächsten Jahren so viele Bundes- und Landesmittel in den ÖPNV wie noch nie. Aber auch der Bund muss dafür sorgen, dass der Erhalt und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ausreichend finanziert wird.

Hessen arbeite seit Jahren an der Verbesserung der Rauminfrastruktur, „ob mit Radzählstellen, Beleuchtung an Radwegen, Qualitätsstandards oder Rekordmitteln für den Radwegeausbau“. Das brauche Zeit und Kommunen, die die Beratung und Förderprogramme des Landes in Anspruch nähmen. Allein in diesem Jahr stünden fast 26 Millionen Euro Landesmittel für den kommunalen Geh- und Radwegebau zur Verfügung. www.mobilitätsbarometer.de

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