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Ein Jahr Nachhilfe ist für einkommensschwache Familien oft kaum zu bezahlen.

Chancenstiftung

Mit Nachhilfe zum Erfolg

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Die Chancenstiftung unterstützt seit zehn Jahren Schüler aus finanzschwachen Familien.

Seit zehn Jahren bezahlt die in Frankfurt ansässige Chancenstiftung Kindern und Jugendlichen die Nachhilfe, deren Eltern sich das nicht leisten können. Wichtigste Voraussetzung: Die Schülerinnen und Schüler müssen wirklich lernen wollen. Das Konzept hat Erfolg.

Ein Jahr lang Nachhilfe, das ist für einkommensschwache Familien oft kaum zu bezahlen. „Wenn wir das übernehmen, erzielen wir mit einem vergleichsweise geringen Aufwand einen großen Effekt“, sagt Stiftungsleiterin Cornelia Wolff. Es sei mitunter nur ein kleiner Anstoß, der den gesamten Bildungsweg der geförderten Kinder und Jugendlichen positiv beeinflusse.

Immerhin 1400 Stipendiaten haben davon bereits profitiert. „Der Bedarf ist hoch“, sagt Wolff. In den Schulen seien oftmals die Klassen zu groß, als dass sich die Lehrerinnen und Lehrer um jede oder jeden Einzelnen ausreichend kümmern könnten. Und in den Familien müssten sich nicht selten mehrere Kinder ein Zimmer teilen, seien die Eltern häufig alleinerziehend oder beide berufstätig – alles in allem also die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schulabschluss nicht gerade die besten.

Eine gute Bildung für alle zu ermöglichen, das sei eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen, sagt Christoph Börsch, Gründungsstifter und Vorstand. Der Ärztliche Leiter und Geschäftsführer eines von ihm gegründeten Labors für Molekularbiologie in Frankfurt sieht die Aufgabe der Chancenstiftung darin, bürgerschaftliches Engagement von Einzelpersonen und Firmen zu wecken, um für diese Kinder die Chancen auf ein erfolgreiches Leben und Erwerbsleben zu verbessern.

Rund 250 000 Euro an Spenden sammelt die Stiftung laut Wolff jährlich etwa ein, „Geld, das wir gleich wieder ausgeben“, wie die 42-Jährige sagt, die 2015 zur Stiftung kam. Einen „Anschub“ geben soll die von der Stiftung finanzierte Nachhilfe – ein Konzept, das offenbar aufgeht.

Stipendium

Für 1400 Kinder und Jugendliche hat die Chancenstiftung die Kosten der Nachhilfe bereits übernommen. Jährlich profitieren zwischen 100 und 150 Schülerinnen und Schüler von der Unterstützung.

Bezahlt werden jeweils 90 Minuten Unterricht pro Woche, maximal für ein Jahr. Die Eltern müssen einen monatlichen Eigenbeitrag von 20 Euro leisten. Förderer der Stiftung sind Privatpersonen und Firmen. Jährlich kommen rund 250 000 Euro an Spenden zusammen.

Wer sich bewerben kann, wie man Förderer wird und was man für ein Stipendium tun muss, steht auf chancenstiftung.de. Erreichbar ist die in Frankfurt ansässige Stiftung per E-Mail unter info@chancenstiftung.de oder telefonisch unter der Rufnummer 069/130 256 840.

Rund zwei Drittel der Stipendiaten haben sich innerhalb des Jahres um mindestens eine Note verbessert, wie eine Evaluation aus dem Jahr 2015 belegt. Mathematik, Deutsch und Englisch sind die am häufigsten gewählten Fächer. Die Stipendiaten kommen etwa zu je einem Viertel von der Grundschule, dem Gymnasium und der Realschule. Der Rest besucht die Hauptschule oder andere Schulformen. Die meisten stammen aus dem Rhein-Main-Gebiet, die Stiftung fördert Kinder und Jugendliche allerdings auch bundesweit.

Mädchen vor Jungen

„Bei manchen setzt sich in der Nachhilfestunde zum ersten Mal jemand neben sie und hilft ihnen beim Verstehen“, sagt Wolff. Besonders deutlich verbessert haben sich vor allem die Mädchen und Kinder mit vielen Geschwistern. Keine messbaren Unterschiede dagegen gibt es bei den Leistungsveränderungen von deutschen Schülern und jenen mit Migrationshintergrund, die etwa 40 Prozent der Stipendiaten ausmachen.

Eigentlich soll das Bildungs- und Teilhabepaket von Land und Bund Kindern und Jugendlichen aus finanzschwachen Familien ermöglichen, Nachhilfe in Anspruch zu nehmen oder den Beitrag zu einem Sport- oder Musikverein zu bezahlen.

„Doch selbst jetzt, wo das Antragsverfahren vereinfacht wurde, scheint es für viele immer noch zu kompliziert zu sein“, berichtet Wolff. Die Nachfrage nach dem Stipendium der Chancenstiftung habe trotz des staatlichen Angebots nicht spürbar abgenommen. „Da gibt es keinen Einbruch“, sagt sie.

Ein Ziel, da ist sich Wolff sicher, wird die Stiftung wohl nie erreichen: sich selbst überflüssig zu machen.

Einladung zum Benefizkonzert zugunsten der Chancenstiftung: Marc Pierre Toth (Klavier) und Aleksander Zhibaj (Violoncello) spielen Beethoven. Donnerstag, 5. Dezember, 19.30 Uhr, Dr. Hoch’s Konservatorium, Sonnemannstraße 16, Frankfurt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig, um eine Spende wird gebeten.

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