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Edgar Freund aus dem Umweltministerium kennt sich mit Müll bestens aus.

INTERVIEW

Nach Tonne abrechnen

In manchen Städten wird der Müll gewogen und nach Menge abgerechnet, andernorts zahlen alle das gleiche, egal, ob die Tonnen voll oder leer sind. Welches System ist das gerechtere? Die FR sprach mit Edgar Freund, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft im Hessischen Umweltministerium.

Frankfurter Rundschau: Was sind gerechte Müllgebühren?

Edgar Freund: Wenn jeder so viel bezahlt , wie er durch seine Abfallmenge zu den Kosten beiträgt. Gleichzeitig sollte aber auch darauf geachtet werden, dass die Gebühren sozial gerecht sind.

Nehmen wir eine Familie mit zwei Kindern. Die produziert bestimmt mehr Müll als ein Alleinstehender. Soll sie dann auch entsprechend mehr zahlen?

Man kann die Gebühr über die Tonnengröße steuern. Wenn die Familie konsequent Müll trennt, wird sie mit der kleinsten Tonne auskommen - und dann muss sie auch nicht mehr zahlen als der Single.

Der eine hat fast nichts in der Tonne drin, die anderen machen sie randvoll, beide zahlen aber das Gleiche? Das ist doch nicht gerecht.

Das ist nur auf den ersten Blick ungerecht. Auf den zweiten Blick sieht man, dass die Kosten der Müllentsorgung nicht unmittelbar von der Müllmenge eines Haushalts abhängen. Der Anteil der Kosten, der von der Menge des Abfalls abhängt, beträgt im allgemeinen lediglich 20 Prozent der Gesamtkosten. Der große Rest muss für Anlagen, Fahrzeuge, Personal aufgewendet werden, unabhängig davon, wie viel in einer Tonne tatsächlich drin ist.

In manchen Orten wird Abfall gewogen und nach Gewicht abgerechnet. Ist das gerecht?

Das kann man schon machen. Aber dabei darf die Gefahr nicht verkannt werden, dass dann Einzelne ihren Müll in die Tonne des Nachbarn werfen, in den gelben Sack stecken oder gar im Wald illegal entsorgen. Deshalb haben sich solche Systeme seither nicht flächendeckend durchgesetzt. Eine Stadt oder ein Kreis kann damit nicht viel gewinnen. Mit Blick auf die tatsächliche Kostenstruktur sind sie eben auch nicht gerechter als ein pauschales System nach Tonnengröße.

Interview: Peter Hanack

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