Will sich um den Nachwuchs kümmern: Anna Schoeppe, die Neue an der Spitze der Filmförderung.
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Will sich um den Nachwuchs kümmern: Anna Schoeppe, die Neue an der Spitze der Filmförderung.

Personalie

Nach dem Fall Mendig: Schoeppe übernimmt Hessens Filmförderung

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Nach einem Treffen mit AfD-Chef Jörg Meuthen musste der Geschäftsführer der hessischen Filmförderung seinen Posten räumen. Nun ist klar, wer seine Nachfolge antritt.

Nach den Turbulenzen um die Trennung von Hans Joachim Mendig steht die hessische Filmförderung demnächst unter neuer Leitung. Neue Geschäftsführerin der Hessen Film und Medien GmbH wird die 35-jährige Anna Schoeppe, die zurzeit als Direktorin des Kuratoriums junger deutscher Film in Wiesbaden tätig ist.

Das gab Kunstministerin Angela Dorn am Montag in Frankfurt bekannt. Die Grünen-Politikerin amtiert als Vorsitzende des Aufsichtsrats der Hessen Film und Medien, der sich einstimmig für Schoeppe entschieden habe. Am Montagabend sollte die neue Geschäftsführerin bereits in Berlin der bundesweiten Filmszene bekannt gemacht werden – beim Hessen-Empfang zum Filmfestival Berlinale. Schoeppe tritt ihren Posten zum 1. Mai an.

Ihr Vorgänger Hans Joachim Mendig war im September durch einen einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrats von seinem Posten abberufen worden. Als Grund nannte Ministerin Dorn den Vertrauensverlust in der Filmbranche, nachdem Mendig sich mit dem AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen getroffen hatte. Übergangsweise übernahm Günter Schmitteckert aus Dorns Ministerium die Leitung der Hessen Film und Medien. Dorn berichtete, dass die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung mit Mendig noch im Gang sei. „Weiterer Austausch läuft über unsere Anwälte“, erklärte die Ministerin.

Dorn bezeichnete Anna Schoeppe als „ideale Besetzung für die Aufgabe“. Die Germanistin und Historikerin war zuvor unter anderem an der European Film Academy in Berlin und der Filmakademie Baden-Württemberg tätig. Schoeppe kündigte an, dass sie besonders den Nachwuchs im Filmbereich fördern wolle. „Ich will Nachwuchsfirmen und -projekte nach Hessen holen“, sagte sie. Das betreffe Regisseurinnen und Regisseure, Autorinnen und Autoren ebenso wie Produzentinnen und Produzenten.

Auf bestimmte Projekte fokussieren

Ministerin Dorn räumte ein, dass Hessen nicht zu den „größten Ländern“ in der Filmförderung zähle. Gerade deswegen solle sich die GmbH auf bestimmte Projekte fokussieren. „Vielleicht ist der Nachwuchsbereich einer, den wir hier besonders gut machen können“, sagte sie.

Für das laufende Jahr hat die schwarz-grüne Koalition das Budget für die Filmförderung auf 10,8 Millionen Euro aufgestockt, von denen das Land 9,8 Millionen beisteuert. Gegenüber dem vorigen Jahr gibt es zusätzlich 200 000 Euro, die gezielt für die Nachwuchsförderung und für nachhaltige Produktionen zur Verfügung stehen, und 225 000 Euro zur Förderung von Filmfestivals. Außerdem fließen 50 000 Euro, um „Wanderkinos in den ländlichen Raum“ zu bringen, wie Angela Dorn formulierte. Dabei trete man den Sorgen der Kinobetreiber entgegen, dass mit staatlichen Mitteln eine neue Konkurrenz entstehen könne. Die „Wanderkinos“ sollten in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kinos entstehen.

Schoeppe zeigte sich offen für weitere Aktivitäten. „Ich möchte Impulse aus der Branche aufgreifen“, kündigte sie an.

Die Hessen Film und Medien hat zwölf Beschäftigte und sitzt in Frankfurt in der Nähe des Hessischen Rundfunks. Im Jahr 2018, für das ein Geschäftsbericht vorliegt, unterstützte sie zehn Großproduktionen, die mehr als 1,5 Millionen Euro an Kosten aufbringen mussten, und 22 Produktionen mit geringeren Kosten. Außerdem gab es Geld für 30 Hochschulabschlussfilme und für eine Reihe weiterer Arbeiten.

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