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Am Frankfurter Flughafen stehen die meisten Flugzeuge am Boden.  

Klima

Nach Corona will Hessens Ministerin Hinz nachhaltigen Neustart

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Der Lockdown habe bewiesen, wie stark der Individualverkehr die Umwelt schädigt. Die Unternehmer sind gegen eine Verkehrsreduzierung.

Mehr Homeoffice und die Stärkung des Radverkehrs: Das sollte man aus der Corona-Krise mitnehmen, mahnt Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Auch den öffentlichen Nahverkehr gelte es zu fördern. Der Lockdown habe der Umwelt nur eine „kleine Atempause“ beschert. Die Rekordwärme im April und die Trockenheit erforderten weitere Anstrengungen in Umwelt- und Klimaschutz. „Es gibt keinen Anlass zur Euphorie“, sagte Hinz am Mittwoch in Wiesbaden.

Die Luftreinhaltepläne seien keinesfalls obsolet. Sollten die Bürger in ihrem Verkehrsverhalten zum Status quo der Vor-Corona-Zeit zurückkehren, drohten nach wie vor Fahrverbote. Im schlimmsten Fall könnte sich die Situation sogar noch verschlechtern. Aus Furcht vor Ansteckung etwa vermeiden in Peking viele Menschen Bus und Bahn, und steigen wieder ins Auto.

Bessere Luft

Sinkt der Autoverkehr in Hessen für sieben Wochen auf 40 Prozent, liegt das eingesparte Treibhausgaspotenzial bei rund 742 000 Tonnen.

Auf die Jahresemissionen bezogen entspricht dies einer einmaligen Einsparung von etwa fünf Prozent.

Das Dossier „Saubere Luft durch Corona“ vom HLNUG steht unter www.hlnug.de/?id=16738 jur

Der starke Rückgang des Verkehrs hat die Luftqualität in den vergangenen Wochen verbessert und den Ausstoß der klima-schädlichen Treibhausgase reduziert. Dazu nannte der Präsident des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), Thomas Schmid, die Messergebnisse: Demnach ging der Straßenverkehr um 30 bis 40 Prozent zurück, die Stickstoffdioxidwerte sanken im Mittel über alle verkehrsnahen Messstationen um rund 35 Prozent. „Das macht alle Diskussionen über einen Zusammenhang hinfällig.“

Der Mitte März eingebrochene Betrieb am Frankfurter Flughafen hat die Konzentrationen bei den ultrafeinen Partikeln gemindert. In Raunheim etwa liegt die Konzentration bei Wind aus Richtung Airport im Schnitt etwa 40 Prozent niedriger als sonst bei gleichen Windbedingungen. Für den Landesvorsitzenden des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), Jörg Nitsch, ist damit eindeutig bewiesen, dass der Autoverkehr maßgeblich zur Luftverschmutzung in den Städten und zu Treibhausgas-Emissionen beiträgt. „Diese Erkenntnisse müssen der Wendepunkt sein, um Verkehr und Mobilität neu zu denken.“ Anders die Position von Jochen Knake von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände: Verkehrsreduzierung sei der falsche Weg; Einschnitte in den Straßenverkehr führten zu noch mehr Staus.

Hinz kündigte mehrere konkrete Projekte an, mit denen die Landesregierung Nachhaltigkeit fördern will: Die Offenbacher Energieversorgerin EVO will in einem Pilotversuch Alternativen zum Steinkohlekraftwerk erforschen. Finanzielle Unterstützung soll es für Privatleute geben, die sich ein Lastenrad anschaffen, um ihre Einkäufe ohne Auto erledigen zu können.

Noch in diesem Monat begännen das Ministerium und der Naturschutzbund (Nabu) mit der Rekultivierung und Erweiterung von 60 Niedermooren in Hessen, kündigte Priska Hinz an. Denn: „Neben dem Wald sind Moore ein besonders wichtiger CO2-Speicher.“

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