Was sind die Alternativen beim RMV?
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Was sind die Alternativen beim RMV?

ÖPNV

Nach Corona ist die Pendler-Mobilität im Umbruch

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Wer künftig mehr zu Hause arbeitet, kann auf neue RMV-Tarifangebote hoffen.

Homeoffice, Kurzarbeit: Für viele Berufstätige hat die Pandemie den Arbeitsalltag geändert. Statt täglich zu pendeln müssen sie nur noch gelegentlich im Büro präsent sein. Da kann es sein, dass die Jahreskarte oder das Monatsticket sich nicht mehr rechnen. Doch was sind die Alternativen beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV)?

Aktuell kommt wohl nur die Tageskarte infrage. Denn die anderen Produkte sind entweder nicht zu haben oder noch nicht auf dem Markt. Es gibt zwar den Smart-Tarif, doch der läuft als Pilotversuch mit einer begrenzten Zahl von Teilnehmern. Laut RMV-Sprecher Maximilian Meyer ist der auch nicht geeignet, weil er für Gelegenheitsfahrer gedacht ist. Er empfiehlt die digitale Mehrfahrtenkarte, die allerdings noch in der Entwicklung ist.

Das neue Produkt soll Preisvorteile bei häufigen Fahrten bieten. Das Besondere daran: Der Nutzer muss sich weder auf eine bestimmte Strecke noch Zeit festlegen. Der digitale Vertriebsweg berge zwei Vorteile, so Meyer weiter: Es seien keine Investitionen in den Aufbau einer Entwerterinfrastruktur nötig. „Zudem können Kunden ohne Kontakt mit Vertriebs- oder Fahrpersonal an die passende Fahrkarte gelangen.“

Jeden Mittwoch während der hessischen Sommerferien gilt eine Erwachsenen-Tageskarte für zwei Erwachsene und bis zu fünf Kinder.

Jahreskarten-Inhaber können an Wochenenden allein durch das ganze Verbundgebiet fahren – unabhängig vom Gültigkeitsbereich ihres Tickets.

Die Jahreskarte, Preisstufe 7, ermöglicht einen 2-für-1-Gutschein.  

Für Heiko Nickel vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist die Frage attraktiver Tarife vor allem eine politische. Der RMV sei technisch weit fortgeschritten, biete alle Varianten an, sagt der Sprecher des Landesverbands. „Die Politik muss nur entscheiden, was sie will.“ Sie könnte etwa den Smart-Tarif für alle zugänglich machen, die ihn haben wollen.

Dabei richtet sich der Preis nach der Entfernung und nicht Tarifgrenzen. Das Angebot ging im Frühjahr 2016 an den Start. Drei Jahre sollte die Phase dauern, in der der RMV Erfahrungen sammeln wollte – und will, denn inzwischen ist der Probelauf um zwei Jahre verlängert. Das Angebot wurde ergänzt, die Zahl der Nutzer stieg um 10 000 auf 30 000. Die Chance dort hineinzukommen ist für Neulinge gering. Die Warteliste ist lang.

Nicht immer ist der Smart-Tarif der günstigste. Und nicht jeder kann oder will ein Smartphone besitzen. Deshalb legt VCD-Sprecher Nickel Wert darauf, dass auch die klassische Form des Ticketerwerbs erhalten bleibt: beim Busfahrer oder am Automaten. Er ist sich sicher: Das wichtigste Angebot bleibe die klassische Zeitkarte. „Hier fordern wir die Ergänzung der Semestertickets, Jobtickets, Schülertickets und Seniorentickets um ein 365-Euro-Ticket für alle.“ Die Mobilität der Menschen sei so vielfältig wie ihre Lebensumstände. „Vor Corona und nun erst recht.“

Wann sich die Zeitkarte lohnt

Die Zeitkarte lohne sich ja oft auch für Kunden, die nicht jeden Tag zur Arbeit pendeln, ergänzt RMV-Sprecher Meyer. Zumal sie täglich gilt und zu gewissen Zeiten die Mitnahme einer anderen Person ermöglicht. „Mobilitäts-Nachfragetrends, die nach dem derzeitigen Hochlaufen der Wirtschaft längerfristig bestehen bleiben, beobachten und bewerten wir“, versichert er. Eine größere Flexibilität bei Arbeitsbeginn könne sogar eine Chance sein.

Auch VCD-Sprecher Nickel hebt das Positive hervor: Die Pandemie habe gezeigt, dass in vielen Berufen die Fünf-Tage-Präsenz in der Firma nicht notwendig sei. Das vermeide Verkehr und spare Zeit. Eine Idee, die weiter verfolgt werden sollte. Frankfurter Banken etwa könnten Büros eröffnen, in denen die in der Region wohnenden Mitarbeiter arbeiten können. Seine Forderung: „Jede Firma sollte eine Mobilitätsstrategie erarbeiten.“ Dazu gehörten auch Job-Tickets und Standorte mit ÖPNV-Anbindung. „Corona hat gezeigt, dass es anders geht.“ Auch der VCD selbst habe dazu gelernt, sagt Nickel. Er werde in seinen Meetings künftig immer das Online-Zuschalten ermöglichen. Denn: „Man kann viele Tätigkeiten auch von zu Hause erledigen.“

Weitere Infos unter www.rmv.de.

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