Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Interview

Mutationen

Sebastian Gramss im FR-Gespräch über seine Band Underkarl, Johann Sebastian Bach und dessen Goldberg-Variationen.

Herr Gramss, was hat Sie als Jazzmusiker dazu gebracht zu sagen, ich möchte mich mit der Musik Johann Sebastian Bachs beschäftigen?

Ich habe mich immer schon für Musik generell interessiert, nie nur für das, was allgemein als Jazz gilt. Am Jazz fasziniert mich der Gedanke der Variation, der Improvisation, der Weiterführung. Aber mit welchem Material ich improvisiere, welches Material ich variiere, das ist nun doch inzwischen sehr offen. Und wenn mich also vor allem die Idee der Variation interessiert, ist der Weg zu den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach nicht mehr weit.

Die Musik von Underkarl spielte schon immer mit Geschichte. "20th Century Jazz Cover", so hieß eines Ihrer ersten Alben. Da musste die ganze Musikgeschichte als Materialsteinbruch herhalten: Vivaldi, Strawinsky, Ligeti, Louis Armstrong, Jimi Hendrix, Frank Zappa, Björk.

Und auch Bach. Wir haben damals schon zwei Goldberg-Variationen verarbeitet und weiter gedacht, aber eben nur als ein Mosaikstein unter vielen. Insofern bauen wir jetzt eigentlich nur das genauer aus, was wir schon vor mehr als zehn Jahren angefangen haben.

Wieso ausgerechnet die Goldberg-Variationen? Wirklich allein der Idee der Variation wegen oder weil es eben auch besonders erratische Musik ist? Auch dem, der überhaupt keine klassische Musik kennt, sind die Goldberg-Variationen, gespielt von Glenn Gould, ein Begriff.

Natürlich. Mit den Goldberg-Variationen bin ich aufgewachsen. Glenn Gould, das war der Standard schlechthin. Durch die Beschäftigung mit dem Material habe ich dann aber gemerkt, dass es ja auch ganz andere Aufnahmen gibt, die dem Original viel näher sind.

Zum Beispiel?

Wanda Landowska etwa, in den 30er Jahren auf dem Cembalo aufgenommen. Die Musik wirkt da ganz anders, nicht so schön, nicht so glasperlenartig. Rauer, abstrakter auch. Ich finde den Zugang heute sogar interessanter.

Wie haben Sie sich den Goldberg-Variationen überhaupt genähert, mit "Play Bach" hat das ja nichts zu tun?

Nee, die originale Partitur war nur das Ausgangsmaterial. Das denken wir subjektiv weiter. Es ging da auch nicht um Vollständigkeit. Ich wollte nicht enzyklopädisch arbeiten, sondern da eingreifen, wo ich einen Haken finden konnte.

Die Aria ist unverändert zu hören, genauso die erste Variation, wenn auch erst ganz in der Mitte des Stücks. Ihre eigenen Bearbeitungen nennen Sie dann nicht mehr Variation, sondern Mutation. Was ist das, eine Mutation?

Für mich ist eine Mutation eine Extremvariation. Ich möchte damit auch den Abstand zum Original ausdrücken, was mutiert, ist etwas anderes geworden. Die grundsätzliche Idee aber, die Idee der Variation, des Weiterdenkens, ist die gleiche. Sie ist nur zugespitzt, in unsere Zeit übertragen.

Interview: Tim Gorbauch

Sebastian Gramss' Underkarl, 24.8, 11 Uhr, Innenhof des Historischen

Museums, Frankfurt, Saalgasse / Römerberg, Tel. 0 69 / 40 58 95 20

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare