Oberursel

Musikunterricht nicht erlaubt

  • Torsten Weigelt
    vonTorsten Weigelt
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Der Leiter der Oberurseler Musikschule ist verärgert über den verordneten Lockdown und die Einstufung als Freizeiteinrichtung.

Wir sind bestürzt und fassungslos“, schreibt der Leiter der Oberurseler Musikschule, Holger Pusinelli, in einem Elternbrief – und meint damit die seit Montag geltende Verordnung zur Schließung der hessischen Musikschulen. Besonders ärgern sich er und sein Team darüber, dass Musikschulen darin als „Freizeiteinrichtungen“ eingestuft sind – und nicht als Bildungsinstitute wie Volkshochschulen oder Büchereien, die geöffnet bleiben dürfen.

Hessen sei damit deutschlandweit eines von nur drei Bundesländern, in denen Musikschulen wegen der Corona-Pandemie erneut geschlossen worden seien, betont Pusinelli. Eine solche Ungleichbehandlung sei Schülerinnen und Schülern und deren Eltern nur schwer vermittelbar, sagt der Musikschulleiter. Für die Musikschulen bedeute es zudem einen „Imageschaden“, wenn ihnen der bildende Charakter abgesprochen werde.

Klar sei, dass der Staat angesichts der steigenden Zahlen von Corona-Infektionen nicht tatenlos zuschauen könne, räumt Holger Pusinelli ein. Doch das müsse „überlegt und mit Augenmaß“ geschehen. Er habe durchaus Verständnis dafür, dass Konzerte und sonstige Veranstaltungen im November nicht stattfinden könnten, auch wenn die Mitwirkenden sich darauf bereits intensiv vorbereitet hätten.

Kein Verständnis habe man jedoch für das Unterrichtsverbot. Gerade die hiesigen Musikschulen seien mit klaren und strengen Hygienekonzepten gut aufgestellt, den Unterricht sicher durchzuführen, betont das Team aus Oberursel.

Abstands- und sonstige Regeln akribisch befolgt

Alle hätten sich in den vergangenen Monaten akribisch an die Abstands- und sonstigen Regeln gehalten – ob Schülerinnen und Schüler, Lehrende oder Eltern. „Somit steht unser Haus für ein in den Zeiten der Pandemie sicheres Musizieren und Arbeiten.“

Dennoch müsse man nun den Präsenzunterricht für den November komplett einstellen, bedauert der Leiter der Musikschule. Noch unklar ist, ob auch die Kooperationsprojekte an den Grundschulen und weiterführenden Schulen von dem Lockdown betroffen sind. Das werde derzeit noch geprüft, sagt Pusinelli. Schließlich haben die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel vereinbart, dass die Schulen geöffnet bleiben sollen.

Ganz ausfallen wird der Musikunterricht aber nicht. Schließlich konnten Schüler und Lehrer im Frühjahr bereits einige Erfahrungen mit Onlineformaten über Plattformen wie Zoom, Skype oder Whats-App sammeln. Der Onlineunterricht sei immerhin eine Möglichkeit, Kontakt zu halten, sagt Holger Pusinelli. Wirtschaftlich sei er sogar überlebenswichtig. Schließlich sei die Musikschule ein gemeinnütziger Verein – und die meisten der Lehrerinnen und Lehrer arbeiteten freiberuflich. Dennoch seien die Onlineformate „kein adäquater Ersatz“ für den gewohnten Präsenzunterricht. Aktuell betreuen an der Musikschule Oberursel 85 Lehrende rund 2300 Schülerinnen und Schüler aus der gesamten Region.

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