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Museum Wiesbaden reagiert auf Energiekrise

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Von: Andrea Rost

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Das Landesmuseum an der Friedrich-Ebert-Allee in Wiesbaden.
Das Landesmuseum an der Friedrich-Ebert-Allee in Wiesbaden. © Michael Schick

Die stark gestiegenen Gaspreise bringen auch das Landesmuseum in Wiesbaden in Zugzwang. Um Kosten zu sparen, sollen 2023 die Öffnugnszeiten verkürzt und zwei Sonderausstellungen verschoben werden. Bei der Museumspädagogik werden keine Abstriche gemacht.

Genaue Zahlen kann Andreas Henning nicht nennen. Dazu seien die Unwägbarkeiten zu groß, sagte der Direktor des Museums Wiesbaden gestern bei einem Pressegespräch. Fest stehe jedoch, dass wegen explodierender Energiepreise im kommenden Jahr mit Mehrkosten in sechsstelliger Höhe für den Museumsbetrieb zu rechnen sei.

Das Landesmuseum an der Friedrich-Ebert-Allee sei komplett von Gas abhängig, berichtete Henning. „Die Fernwärmeleitung führt zwar an unserem Haus vorbei, aber wir sind nicht angeschlossen.“ Man werde versuchen, Energie einzusparen, mehr als zehn bis 15 Prozent seien aber wohl nicht drin.

Finanziell zu Buche schlägt vor allem die aufwändige Klimatisierung der Ausstellungs- und Depoträume. Die Kunstwerke bräuchten konstante Raumtemperaturen und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, sagte Henning. Die Temperatur solle nun von 21 auf 19 Grad abgesenkt werden. Dies entspreche den Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes. Die Luftfeuchtigkeit müsse jedoch konstant gleich bleiben. „Da können wir nichts verändern, sonst sind die Exponate in Gefahr.“ Bis September kommenden Jahres als Ausstellungsraum stillgelegt werde der sogenannte „Giraffensaal“ im Untergeschoss des Museums, wo die Klimatisierung aufgrund der gewaltigen Raumhöhe besonders teuer ist.

An der Stellschraube dreht das Museum Wiesbaden auch bei den Personalkosten. Um weniger Aufsichtskräfte eines externen Dienstleisters beschäftigen zu müssen, werden die Öffnungszeiten ab 1. Januar 2023 in den Randzeiten eingeschränkt. Beginn ist morgens erst um 11 Uhr statt um 10 Uhr. Schulklassen und Kitagruppen erhalten nach Voranmeldung aber schon um 9 Uhr Einlass. Dienstags und donnerstags schließt das Museum bereits um 19 Uhr und damit um eine Stunde früher als bisher.

Programm 2023

7. Februar bis 25. Juni 2023 Frank Brabant entdeckt Karl-Otto Hy

3. März bis 23. Juli 2023 Weltflucht und Moderne, Oskar Zwintscher in der Kunst um 1900

19. März bis 17. September 2023 Leben aus Lehm

16. Juni bis 24. September 2023 Anton Kokl, inner Colours

22. September 2023 bis 21. Januar 24 HAP Grieshaber, Form | Sprache

13. Oktober 2023 bis 18. Februar 24 Gemischtes Doppel – die Molls und die Purrmanns: Zwei Künstlerpaare der Moderne

29. Oktober 2023 bis 28. April 2024 Tierisch Rot

10. November 2023 bis 2. Juni 2024 Stephan Balkenhol, Zeitfenster

Verlängerung bis 14. Januar 2024 „Vom Wert des Wassers. Alles im Fluss?“

Bis 3. Februar 2023 läuft die Ernst-Wilhelm-Nay-Retrospektive

Am 19. Februar 2023 endet „Doch die Käfer. Kritze, kratze!“ aro

Der Eintritt kostet weiterhin sechs Euro. Wer Sonderausstellungen besucht, zahlt ab dem kommenden Jahr zwölf Euro statt bisher 10 Euro. Das Ausstellungsprogramm soll nicht wesentlich ausgedünnt werden. Lediglich zwei Sonderausstellungen zum Thema „Bienen“ in der kunst- sowie in der naturhistorischen Abteilung werden auf 2025 verschoben. Wegen der positiven Resonanz bis Januar 2024 verlängert wird dafür die Sonderausstellung „Vom Wert des Wassers“.

„Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, ein und dasselbe Thema parallel in Ausstellungen beider Abteilungen zu behandeln“, berichtete Andreas Henning. Als lupenreines Zwei-Sparten-Museum habe das Museum Wiesbaden eine Sonderstellung in ganz Deutschland. Deshalb solle die Verbindung zwischen Kunst und Natur in Zukunft weiter ausgebaut werden.

Was die Besucherzahlen betrifft, liegt das Museum Wiesbaden aktuell etwa 25 Prozent unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie, als zwischen 80 000 und 120 000 Menschen pro Jahr die Ausstellungen besuchten.

Für 2023 erhofft sich Andreas Henning neue Impulse, wenn das Museum Reinhard Ernst wenige Meter entfernt an der Wilhelmstraße eröffnet wird. „Es ist eine phantastische Ergänzung zu unserem Angebot und stärkt die Wiesbadener Museumsmeile“, ist er überzeugt.

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