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Mit Wasser gegen die Flammen.

Einsatz

Waldbrand unter Kontrolle, Explosionsgefahr hält an

Die Löscharbeiten nahe einem Munitionsdepot bei Münster gehen trotz Explosionsgefahr weiter.

Mitten im Wald von Münster-Breitefeld im Kreis Darmstadt-Dieburg geht es für Radfahrer nicht mehr weiter. Sieben Kilometer sind es noch bis Messel, 16 Kilometer bis nach Darmstadt. Es riecht streng nach verbranntem Holz. Ein Feuerwehrfahrzeug versperrt Radlern den Waldweg. Vor dem Fahrzeug liegen neongelbe und beigefarbene Wasserschläuche, die einige wenige Löcher haben, aus denen kleine Wasserfontänen sprühen. Eine Polizistin weist verdutzte Radler freundlich darauf hin, dass der ausgeschilderte Radweg wegen eines Waldbrands und Explosionsgefahr nicht befahren werden kann.

Seit Sonntagmittag sind mehrere hundert Feuerwehrleute aus ganz Südhessen im Einsatz, um den Waldbrand bei Münster-Breitefeld zu löschen, der sich inzwischen auf einer Fläche von acht Hektar ausgebreitet hat. Vorsorglich war die Bevölkerung am Sonntag mit der Aktivierung der Warn-App Katwarn dazu aufgerufen worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Am Montagmittag berichtet Matthias Maurer-Hardt, der stellvertretende Kreisbrandinspektor des Kreises Darmstadt-Dieburg, an der Einsatzleitstelle, dass der Brand inzwischen unter Kontrolle sei. Am Sonntag waren laut Maurer-Hardt bei fast 40 Grad rund 325 Einsatzkräfte in die Löscharbeiten eingebunden gewesen. Am Montag habe man die Zahl der Einsatzkräfte – die überwiegende Mehrzahl freiwillige Feuerwehrleute, die sich bei ihren Arbeitgebern abgemeldet oder ihre Urlaube unterbrochen haben – auf rund 120 Einsatzkräfte reduzieren.

Feuer verkohlt Bäume im Gemeindewald

Das Feuer hat etliche Bäume im Gemeindewald verkohlt. Offene Flammen sind nicht mehr zu sehen, weil der Brand weiterschwelt. Brisant ist, dass sich die Schwelherde nach Auskunft des stellvertretenden Kreisbrandinspektors in der Nähe der früheren Munitionsanstalt Muna befinden. Das Areal kann aufgrund von Munitionsresten im Boden nicht gefahrlos betreten werden. Daher können die Feuerwehrleute nur von den Wegen und Schneisen das Feuer mit Wasser bekämpfen.

Das Szenario aus der Luft.

Bürgermeister Gerald Frank (SPD) sagt, erschwerend komme hinzu, dass im vergangenen Jahr der Herbststurm „Fabienne“ viele Bäume entwurzelt habe und bislang im Boden verborgene Munitionsreste an die Oberfläche befördert habe. Seit Sonntag gab es in dem Waldstück bereits einige Explosionen. Die Ursache des Waldbrandes ist bislang nicht bekannt. Vielleicht detonierte in der Hitze Munition. Oder es wurde achtlos eine Zigarette von Fußgängern weggeworfen. Oder es lag eine Glasscherbe im Wald und durch den gebündelten Sonnenstrahl wurde der Waldboden in Brand gesetzt. Aber das sind alles nur Spekulationen.

Auf die geplante teilweise Erschließung des Muna-Geländes für die Schaffung eines naturpädagogischen Angebots soll der Brand nach Auskunft von Meike Mittmeyer-Riehl, der Sprecherin der Gemeindeverwaltung von Münster, keine Auswirkungen haben. Bürgermeister Frank und auch Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) waren am Sonntag und Montag mehrfach an der Einsatzleitstelle und im Wald, um sich über die aktuelle Lage zu informieren. Frank sagte, er danke allen Einsatzkräften aus Münster sowie den umliegenden Kommunen und Kreisen für ihr „großartiges Krisenmanagement und ihren unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten“.

Feuerwehr baut Wasserversorgung auf

Nach Angaben der Mediengruppe der Feuerwehr sei am Sonntagmittag der Einsatzleitung sehr schnell klar gewesen, dass die Dimension des Feuers einen enorm hohen Kräfteansatz erfordern würde. In schneller Reihenfolge seien daher Feuerwehren aus den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Offenbach, Bergstraße, Odenwald und der Stadt Darmstadt zum Einsatzort alarmiert worden. Im weiteren Verlauf kamen auch Sonderfahrzeuge der Werkfeuerwehren von Merck und Evonik sowie ein Flugfeldlöschfahrzeug der Fraport-Werkfeuerwehr zum Einsatz.

Mit einem ferngesteuerten Raupenfahrzeug der Darmstädter Evonik-Werkfeuerwehr gelang es am Montagnachmittag den Einsatzkräften, einen Wassernebel einige Dutzend Meter weit in ein bereits verkokeltes Waldstück zu sprühen, um die Schwelbrände zu bekämpfen. „Je mehr Pfützen hier entstehen, um so besser“, sagt ein Feuerwehrmann.

Neben den umfangreichen Löscharbeiten waren die Feuerwehrleute am Sonntag stundenlang damit beschäftigt gewesen, auf den Waldwegen und -schneien eine ausgeklügelte Wasserversorgung aufzubauen. Die Wasserzufuhr erfolgte aus dem Hydrantennetz, offenen Gewässern und mit einem Pendelverkehr. Um das Wasser zu transportieren, wurden neben Feuerwehrfahrzeugen auch Vakuumfässer von Landwirten und Tanklastwagen von Privatunternehmen eingesetzt. Zudem wurden um das Brandareal zahlreiche Faltbehälter platziert, die als Wasserpuffer dienen.

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