Hessen

Mühsamer Digital-Unterricht in Hessen

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Hessischer Landtag debattiert über Herausforderungen für Schüler und Lehrkräfte. Die FDP fordert, dass auch nach der Corona-Zeit Phasen ohne Präsenzunterricht möglich sein sollen.

Lehrkräfte, Schüler und Eltern sind wegen der Corona-Krise in einem digitalen Unterricht gelandet, auf den sie in keiner Weise vorbereitet waren. Diese „Zeit des Improvisierens“ müsse vorbei sein, forderte der FDP-Schulpolitiker Moritz Promny am Mittwoch im Hessischen Landtag.

Spätestens bis zu den Sommerferien müsse das hessische Schulportal allen Schulen zur Verfügung stehen, verlangt die FDP. Außerdem müssten Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden, also etwa Laptops oder Tablets. Auch der SPD-Politiker Christoph Degen stellte fest: „Nicht alle haben einen Drucker zu Hause, nicht alle haben ein Endgerät zu Hause, nicht alle haben Eltern, die ihnen helfen können.“

Die Freidemokraten wollen, dass die Nutzung digitaler Lehr- und Lernsysteme ins Schulgesetz aufgenommen wird. „Insbesondere durch das Lernen in Zeiten der Corona-Pandemie sind jedoch auch Lernszenarien denkbar geworden, die auf einen Präsenzunterricht im Schulgebäude verzichten“, heißt es im FDP-Entwurf. Der ist nach Ansicht von CDU und Grünen nicht erforderlich, da das digitale Lernen schon im Gesetz verankert sei.

Allerdings warnte die Koalition davor, Unterricht in der Schule durch digitale Angebote zu ersetzen. Die Grüne Kathrin Anders betonte, Kinder und Jugendliche benötigten vor allem Gemeinschaft, Austausch und Beziehungen. Sie bräuchten „einen Ort zum Lernen, und das ist die Schule“. Nicht alle Schülerinnen und Schüler verfügten über leistungsfähiges WLAN, passende Geräte und eine Umgebung, die das Lernen zuhause ermögliche.

Auch Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hob hervor, dass das Lernen von zu Hause nur ein „Notbehelf“ sei. Er lege Wert darauf, „dass die persönlichen Lernräume keineswegs abgeschafft werden“, fügte Lorz hinzu. Er berichtete, dass vor der Corona-Pandemie 650 der 2000 hessischen Schulen am digitalen Schulportal angemeldet waren. Inzwischen seien es rund 1000.

FDP-Politiker Promny beklagte, dass sich Schulen derzeit nicht mehr anmelden könnten. Die Regierungsparteien CDU und Grüne räumten hier Nachholbedarf ein. „Ja, wir haben bei den Server-Kapazitäten noch Luft nach oben“, stellte der CDU-Bildungspolitiker Armin Schwarz fest. „Das Schulportal muss möglichst schnell allen Schulen zur Verfügung stehen“, sagte auch der Grünen-Abgeordnete Frank Diefenbach.

Der AfD-Schulpolitiker Heiko Scholz sieht das pessimistisch. So nutzten 650 Schulen die Plattform nicht für digitale Lerninhalte, sondern nur für organisatorische Fragen. Scholz beklagte zudem, der Digitalpakt von Bund und Land habe sich als „untaugliches Bürokratiemonster“ erwiesen. Schulen schreckten davor zurück, Anträge zu stellen, auch weil sie die „horrenden Folgekosten“ der Anschaffungen befürchteten.

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