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Zwei Kinder passen auf die Verkehrsinsel an der B 43– aber zehn, zwanzig, dreißig?  

Mühlheim

Mühlheim: Kritik an gefährlichem Schulweg über Bundesstraße

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Gefährlicher Weg zur Rote-Warte-Schule: Die Verwaltungen von Mühlheim und Offenbach reagieren auf den Druck von Eltern, die Angst um ihre Kinder und Enkel haben.

Dass eine Grundschule in ein Industriegebiet verlegt wird, passiert nicht alle Tage. Für die 139 Schülerinnen und Schüler der Mühlheimer Rote-Warte-Schule ist das seit voriger Woche Realität: Ihre zuvor idyllisch am Waldrand gelegene Schule nutzt für mindestens drei Jahre ein Gebäude auf dem Werksgelände des Druckmaschinenherstellers Manroland an der Offenbacher Stadtgrenze. Die alte Schule in der Rote-Warte-Siedlung wird abgerissen und teils neu gebaut. Viele Angehörige sind mit dem Interimsstandort nicht glücklich: Sie kritisieren vor allem den Schulweg vom Wohngebiet dorthin als zu gefährlich, weil er an der Bundesstraße 43 entlangführt und die vielbefahrene Straße auch quert.

Hans-Peter Brehm ist mit seinen Facebook-Beiträgen einer der medial präsentesten Kritiker. Der Großvater eines Rote-Warte-Schülers empfindet den neuen Schulweg seines Enkels als „sehr gefährlich“ und ärgert sich über die in seinen Augen zähe Kommunikation mit Stadt und Kreis. Brehm kritisiert, dass auf Höhe der Senefelderallee, wo viele Kinder die B 43 kreuzen, eine Überquerung in einer Grünphase kaum möglich sei – viele Erst- bis Viertklässler müssten inmitten des Verkehrs auf einer zu kleinen Mittelinsel auf die nächste Grünphase warten. Dass die Ampelschaltung nach Monaten der Diskussion noch nicht geändert wurde, ärgert Brehm. „Es wird fahrlässig mit der Sicherheit unserer Kinder umgegangen“, stimmt ihm auf Facebook eine Mutter zu. „Einfach unverantwortlich“, schreibt ein anderer Nutzer.

Helfen
Wer als Schülerlotsin oder Schülerlotse helfen will, schickt eine E-Mail an verwaltung@rws-muehlheim.de.

Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) versucht im Gespräch mit der FR die Wogen etwas zu glätten. Er verweist auf einen mit großer Mehrheit gefassten Beschluss der Stadtverordneten vom Juni, in dem festgelegt wurde, dass die Kommune 5000 Euro in die Schulwegsicherung an der B 43 investiert. Die Liste der eingeleiteten Maßnahmen sei lang: So sei morgens die Ordnungspolizei vor Ort, und vorige Woche wurden zusätzlich sechs Eltern von der Jugendverkehrsschule zu Elternlotsen ausgebildet – sie können sich nun am frühen Morgen ebenfalls darum kümmern, dass die Kinder keinem Auto vor die Motorhaube laufen und den richtigen Weg nehmen. Man suche aber noch weitere Eltern, die helfen wollen. Den „Freiwilligen Polizeidienst“ habe man nicht einspannen können, sagt Tybussek; es habe sich niemand gefunden, der so früh am Morgen Dienst machen wollte.

Und: Rechtzeitig zum Schulbeginn ist nun auch der Schulweg als solcher zu erkennen: Verkehrswacht und private Akteure haben rund um die B 43 und das Manroland-Gelände gelbe Plastikfiguren aufgestellt, Banner aufgehängt und gelbe Füße auf den Boden gemalt, um die Kinder zu lotsen. Die Frage der Ampelschaltung ist aber weiterhin ungelöst. Antworten dazu gibt es bei der Stadt Offenbach, auf deren Gemarkung die Ampel gerade noch liegt: Die Schaltung so umzustellen, dass Kinder die breite Straße in einem Rutsch passieren können, sei leider nichts, was man „von heute auf morgen“ umsetzen könne, sagt der Sprecher der Stadt, Fabian El Cheikh. Noch diese Woche wolle man über das weitere Vorgehen entscheiden: „Entweder aufwändig neu programmieren oder die Anlage technisch aufrüsten“. Einen Zeitrahmen, wie lange so etwas dauert, kann El Cheikh nicht nennen.

Wer als Schülerlotsin oder Schülerlotse helfen will, schickt eine E-Mail an verwaltung@rws-muehlheim.de.

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