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Justitia ist wachsam.

Mordprozess

Susanna hatte Angst vor Ali B.

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Zeuginnen beschreiben das Mädchen als herzensgut. Sie soll verliebt in Hadji B., den jüngeren Bruder des Angeklagten, gewesen sein - und hatte Angst vor Ali B..

Die im Mai 2018 erwürgte Susanna F. wird von ihren Freundinnen als herzensguter Mensch beschrieben, mit dem sie ihre Probleme besprechen konnten. Die Aussagen der drei minderjährigen Zeuginnen am sechsten Verhandlungstag im Mordprozess vor dem Landgericht Wiesbaden, stimmen auch darin überein, dass Susanna unglücklich verliebt gewesen sei: in Hadji, den jüngeren Bruder des Ali B. Letzterer steht vor Gericht, weil er Susanna vergewaltigt und ermordet haben soll. Hadji habe die Liebe jedoch nicht erwidert.

Möglicherweise ist der zum Tatzeitpunkt strafunmündige Hadji B. wieder in Deutschland. Diesen Verdacht äußerte Petra Kaadtmann, Anwältin der als Nebenklägerin auftretenden Mutter Susannas, indem sie die Mädchen danach fragte. Ein Unbekannter habe ihr am Telefon mitgeteilt, dass Hadji wieder da sei, sagte sie in einer Verhandlungspause auf Nachfrage. Die Zeuginnen sagten, sie wüssten davon nichts. Es sei aber herumerzählt worden, dass er kommen wolle. Der Fall Susanna hatte seinerzeit auch deswegen für Aufsehen gesorgt, weil sich der abgelehnte Asylbewerber Ali B. kurz nach der Tat mit seinen Eltern und Geschwistern in den Irak absetzte und von der Bundespolizei zurückgeholt wurde.

Zeuginnen stützen Mansoor Q.s Aussage

Ob es stimmt, dass Hadji wieder in Deutschland ist, bleibt zunächst unklar. Der Prozess gegen den 22-jährigen Ali B. ist geprägt von Gerüchten und Übertreibungen. Dass er nach der Tat in Paris einen Mann ermordet haben soll, wie der Hauptbelastungszeuge Mansoor Q. von B. selbst erfahren haben will, lässt sich nach Aussage der Staatsanwältin jedenfalls nicht bestätigen. Allerdings stützen die Schilderungen der jungen Zeuginnen die Version Mansoor Q.s aus der vorigen Woche.

Susanna hatte demnach Angst vor Ali B. und fand es widerlich, wenn er sie betatschte, was er wiederholt getan haben soll. Die 14-Jährige habe noch kein Interesse an Sexualität gehabt und sei kein Mädchen gewesen, das leicht etwas mit Jungs anfing. Die sexuellen Übergriffe habe Susanna jedoch nicht der Polizei melden wollen, aus Angst, auch Hadji zu schaden. Mansoor Q. steht in einem zweiten Prozess wegen Vergewaltigung einer Elfjährigen mit Ali B. vor Gericht.

Lesen Sie hierzu auch: Hauptzeuge gegen Ali B. hat Angst

Die Schwester der Elfjährigen zeichnete kein gutes Bild von Hadji. Sie sagte aus, der Junge, der sie oft geschlagen und Drogen genommen haben soll, habe ihre Schwester erpresst, damit sie nicht zur Polizei gehe. Er habe damit gedroht, Bilder und Videos zu verbreiten, die zeigen sollen, „was sie mit den Jungs macht“. Der Anklageschrift zufolge hat auch Hadji gemeinsam mit Mansoor Q. die Elfjährige zwischen Ende April und Mitte Mai 2018 in einem Wald vergewaltigt. Vor wenigen Tagen zeigte Ali B. bei einem Ortstermin den Tatort.

Die 15-jährige Schwester berichtet, die Elfjährige habe ihr einige Zeit vor Susannas Verschwinden unter Tränen anvertraut, dass Ali B. sich an ihr vergangen habe. Er habe sie in seine Wohnung in der Asylunterkunft gelockt, die Tür zugeschlossen und sie vergewaltigt, erzählt die 15-Jährige leise und stockend. Als die Familie schließlich zur Polizei ging, habe diese die Vorwürfe nicht glauben wollen.

Die Elfjährige habe sich Monate vor Susannas Verschwinden verändert, berichtet die Schwester. Sie sei oft weggelaufen, habe sich nichts mehr sagen lassen und häufig geweint. Dennoch habe sie an den Freunden gehangen und befürchtet, eine Anzeige bei der Polizei würde eine Abschiebung zur Folge haben.

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