+
Der Angeklagte Ali B. in Wiesbaden vor Gericht.

Mordprozess

Mordfall Susanna: Hauptzeuge gegen Ali B. hat Angst

  • schließen

Das Gericht schließt den mutmaßlichen Täter vorübergehend von der Hauptverhandlung aus, weil er  einen Zeugen einschüchtern könnte.

Zweimal soll der wegen Mordes angeklagte Ali B. sein späteres Opfer Susanna Tage vor der Mordtat gegen ihren Willen unsittlich angefasst haben. Dies habe das Mädchen aufgebracht seinen Freunden erzählt, worauf diese die 14-jährige Mainzerin vor Ali B. hätten beschützen wollen. So berichtet es Mansoor Q. am Donnerstag vor dem Wiesbadener Landgericht. Der Plan der Freunde ging nicht auf. Doch auch am fünften der insgesamt zwölf Verhandlungstage bleibt rätselhaft, wieso Susanna in der Nacht auf den 23. Mai 2018 mit ihrem späteren Mörder mitging. Sie habe Angst vor ihm gehabt und ihn gehasst, sagt Mansoor Q.

Der nach eigenen Angaben 14 Jahre alte Afghane ist einer der Hauptzeugen in dem Prozess gegen den abgelehnten irakischen Asylbewerber Ali B., der die Schülerin Susanna laut Anklage im Mai 2018 in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet haben soll. Zum Prozessauftakt hatte B. gestanden, das Mädchen getötet zu haben.

Mansoor Q. gehörte zum engeren Freundeskreis des Opfers und kennt Ali B. über dessen jüngeren Bruder Hadji. In einem weiteren Verfahren, bei dem es um die Vergewaltigung einer Elfjährigen geht, sitzen B. und der Zeuge gemeinsam auf der Anklagebank.

Mansoor Q. berichtete erst so ausführlich, nachdem der Angeklagte den Saal verlassen hatte. Sein Mandant habe Angst vor Ali B. erklärte Q.s Rechtsanwalt Michael Harschneck, worauf Richter Jürgen Bonk den Angeklagten die Vernehmungen in einem anderen Raum per Videoübertragung verfolgen ließ, um mögliche Einschüchterungen zu verhindern. In der Tat hatte der 22 Jahre alte Ali B. den Zeugen am Morgen mit durchdringendem Blick von der Anklagebank aus beobachtet und gegrinst, als dieser von einer Messerattacke B.s auf ihn im Wiesbadener Kurpark erzählte. Mansoor Q. antwortete auf die Fragen des Richters nur zögerlich, und seine Aussagen widersprachen den polizeilichen Vernehmungen im Vorfeld.

Gewalttätiger Angeklagter

Danach beschrieb Mansoor den Angeklagten als gewalttätigen Mann, der gerne das Verbotene tat. B. habe auch andere Mädchen vergewaltigt und vergewaltigen wollen. Aufhorchen ließ, dass Ali B. ihm von einem weiteren von ihm begangenen Mord in Paris erzählt haben soll, wohin er nach der Tat in Wiesbaden geflohen war. Ali B. habe Wodka „wie Wasser“ getrunken und eine Pistole besessen. Seine Brüder hätten ebenfalls Pistolen gehabt und Drogen verkauft, ließ der Zeuge den Dolmetscher übersetzen, obwohl er manchmal dem Richter spontan auf deutsch antwortete. Zudem habe ihm Ali einmal gesagt, Susanna habe „einen geilen Körper“, und er werde sie umbringen, wenn sie nicht mit ihm schlafe.

Einen Tag nach dem Mord habe Ali B. ihm bei einem zufälligen Treffen auf der Straße erzählt, er habe „die Schlampe“ umgebracht. Dies muss er ausführlich beschrieben haben, denn Mansoor Q. konnte vor Gericht den Ablauf des Verbrechens genau schildern. Er selbst, versicherte er, habe Susanna nicht tot gesehen. Weder sei er bei der Tat anwesend gewesen noch habe er B.s Forderung Folge geleistet, beim Vergraben der Leiche zu helfen.

Mansoor Q. war 2015 mit seinen Eltern und sechs Geschwistern nach Deutschland gekommen und lebte seit Februar 2016 in Wiesbaden. Er hatte der Polizei nach Susannas Verschwinden den entscheidenden Hinweis über den Verbleib des Mädchens gegeben hatte. Harschneck erinnerte daran, dass sein Mandant aus Furcht erst zur Polizei gegangen war, nachdem Ali B. samt Familie in den Irak ausgereist war.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare