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Es gibt Hoffnung, dass die Umstände des Mordes an Lübcke in dem Prozess umfassend aufgeklärt werden.

Rechtsterrorismus

Mordfall Lübcke: Verteidiger zu spät informiert

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Die Anwälte der beiden Angeklagten im Mordfall Lübcke kritisieren die Bundesanwaltschaft, weil ihnen die Anklageschrift zu spät vorlag. Unterdessen wird Hoffnung auf eine umfassende Aufklärung des Falles laut.

Nach der Erhebung der Anklage im Mordfall Lübcke kritisieren die Verteidiger der Angeklagten das Vorgehen der Bundesanwaltschaft. Die Inhalte der Anklageschrift habe er der Pressemitteilung der Behörde entnehmen müssen, moniert Frank Hannig, der Anwalt des Hauptangeklagten Stephan E., in einem Youtube-Video. Es sei ihm nicht möglich gewesen, das ihm verschlüsselt zugesandte Dokument zu öffnen.

Björn Clemens, der Verteidiger des Mitangeklagten Markus H., sagte der Frankfurter Rundschau, ihm habe die Anklageschrift erst am Donnerstag vorgelegen, einen Tag nachdem die Öffentlichkeit über die Anklageerhebung informiert wurde. So habe er sich als Verfahrensbeteiligter nicht einarbeiten können, das sei „mindestens mal schlechter Stil“, sagte Clemens. „Das geht doch einfach nicht.“

Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch vorm Oberlandesgericht Frankfurt Anklage gegen Stephan E. und Markus H. erhoben. Sie wirft E. vor, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) am 1. Juni vergangenen Jahres vor dessen Haus ermordet zu haben; H. muss sich wegen Beihilfe zu dem Mord verantworten.

Unterdessen wird die Hoffnung laut, dass die Umstände des Mordes an Lübcke in dem Prozess umfassend aufgeklärt werden. Olivia Sarma, Leiterin der hessischen Beratungsstelle „Response“, nannte es „erfreulich und wichtig“, dass die völkisch-nationalistische Gesinnung E.s in der Anklage klar als tatmotivierend benannt werde.

Aus dem hessischen Landtag kamen derweil erneute Vorwürfe an die hessischen Sicherheitsbehörden. Es müsse geklärt werden, wie Stephan E. aus deren Blickfeld geraten konnte, sagte Günter Rudolph, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD. Hermann Schaus, innenpolitischer Sprecher der Linken, sagte, es sei unbegreiflich, wieso E. und H. als „abgekühlt“ bewertet worden seien.

Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke jährt am 02.06.2020 sich zum ersten Mal. Während das Gedenken in Corona-Zeiten bescheiden ausfällt, wird der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter mit großer Spannung erwartet.

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