Lübcke-Prozess: Markus H. im Gerichtssaal.
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Markus H. im Gerichtssaal.

Mordfall Lübcke

Markus H als „Einzelgänger und Waffennarr“

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Im Lübcke-Prozess sagt die Ex-Partnerin des Mitangeklagten Markus H als Zeugin aus. Sie schildert ihn als manipulativen Rassisten, muss aber auf Nachfrage auch ihre eigene Vergangenheit in der Neonazi-Szene einräumen.

Immer wieder klingt die Zeugin resigniert, wenn sie über ihren früheren Lebensgefährten spricht. „Er ist, wie er ist“, sagt sie dann oder „soll er machen“. Lange habe sie sich Hoffnung gemacht, dass ihr Partner sich ändern würde. Aber im Laufe der Zeit habe sie eingesehen, dass man mit ihm keine Beziehung führen könne. Auch bei seinen Tiraden über die „Überfremdung“ und einen drohenden Krieg habe sie irgendwann nur noch weggehört. „Das ist nicht mein Leben“, sagt die Zeugin.

Lisa D., die am Donnerstag im Strafprozess zum Mordfall Walter Lübcke aussagt, ist nicht irgendeine Zeugin. Die 31-Jährige war gut zwei Jahre mit Markus H. zusammen, der vorm Oberlandesgericht Frankfurt wegen Beihilfe zum Mord angeklagt ist. Der 44-Jährige soll den Hauptangeklagten Stephan Ernst darin bestärkt haben, den Kasseler Regierungspräsidenten zu töten.

Kennengelernt habe sie Markus H. im Internet, berichtet D. Sie habe auf einem Flirtportal nach hundeaffinen Männern gesucht und sein Profilbild gemocht. Lange habe man gechattet, er habe ihr von seinen Hobbys erzählt, von Flohmarkt und Schützenverein. Im Frühjahr 2015 sei dann eine Partnerschaft entstanden. An H. habe sie fasziniert, dass er „der Alleinbestimmer seines Lebens“ gewesen sei, sagt Lisa D. „Er wollte nicht mit der Masse schwimmen.“ Bis zum Sommer 2017 führten beide eine Fernbeziehung, 2016 wurde ihre Tochter geboren. Bis heute streiten beide um das Sorgerecht.

Ihren Ex-Partner schildert D. als Einzelgänger und Waffennarr. Markus H. sei narzisstisch, gefühlskalt und manipulativ, habe eine grundsätzliche Abneigung gegen Frauen und sei zu echten Bindungen kaum fähig. Sein Interesse habe vor allem seinen Waffen gegolten, um die er sich penibel gekümmert habe. Eine Behandlung bei einem Psychologen habe H. abgebrochen, weil der eine manisch-depressive Störung vermutet und H. befürchtet habe, man könne ihm seine Waffenbesitzkarte entziehen.

Seine politische Einstellung habe H. mit Stephan Ernst geteilt, den sie als seinen einzigen engeren Freund kennengelernt habe, sagt D. Beide hätten Ausländer gehasst und seien davon überzeugt gewesen, dass die deutsche Bevölkerung durch Flüchtlinge ersetzt werde. „Wir Deutsche müssen uns bewaffnen“ habe es oft geheißen – und „Merkel ist an allem schuld“. Einmal habe Markus H. ihr gesagt, wenn er unheilbar krank wäre, würde er sich einen Sprengstoffgürtel basteln und „so viele Kanaken wie möglich mit in den Tod reißen“.

Mit Stephan Ernst sei H. sehr vertraut gewesen, sagt die Zeugin. Sie bestätigt ihre Einschätzung aus einer früheren Vernehmung, dass Ernst H. von einer geplanten schweren Straftat sicher erzählt hätte. D. berichtet auch, dass Markus H. ihr das Video von der Bürgerversammlung in Lohfelden gezeigt habe, bei der Walter Lübcke gesagt hatte, wer nicht für die Werte des Grundgesetzes eintrete, könne das Land verlassen. H. sei deshalb „außer sich“ und „kaum zu halten“ gewesen, sagt D. Einmal sei auch der Satz gefallen, man solle Lübcke „aufhängen“.

Gegen Ende der stundenlangen Vernehmung erfährt das Gericht immer mehr über die politische Vorgeschichte der Zeugin. Auf hartnäckige Nachfrage räumt sie ein, dass sie selbst rechts sei, mit Ernst und H. eine AfD-Demonstration besucht und sich als Jugendliche in der Neonazi-Szene bewegt habe. Gewalt habe sie aber immer abgelehnt, beteuert D. Dennoch muss sie einräumen, dass sie früher ein großes Hakenkreuz auf den Oberschenkel tätowiert hatte – und auf der Schulter den Spruch „Meine Ehre heißt Treue“, den Wahlspruch der SS. Dieser Slogan, sagt Lisa D. treuherzig, habe für sie persönlich aber immer nur für eins gestanden: für die bedingungslose Treue ihrer Hunde.

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