Der Hauptangeklagte Stephan Ernst (Mitte) vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.  
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Der Hauptangeklagte Stephan Ernst (Mitte) vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.  

Rechtsterrorismus

Mordfall Lübcke: Gericht zeigt zweites Geständnis

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Der Strafprozess im Mordfall Walter Lübcke wird in der kommenden Woche mit weiteren Videoaufnahmen von Vernehmungen des Hauptangeklagten Stephan Ernst fortgesetzt.

  • Der Strafprozess im Mordfall Walter Lübcke geht vor dem Oberlandesgericht Frankfurt weiter
  • Angeklagt ist der Neonazi Stephan Ernst, sein Kamerad Markus H. muss sich wegen Beihilfe verantworten
  • Am 30. Juni 2020 soll die Beweisaufnahme fortgesetzt werden

Mit gleich drei Verhandlungstagen wird in der nächsten Woche der Strafprozess im Mordfall Lübcke fortgesetzt. Der Neonazi Stephan Ernst ist vor dem Oberlandesgericht Frankfurt angeklagt, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) vor gut einem Jahr im nordhessischen Wolfhagen-Istha erschossen zu haben. Sein Kamerad Markus H. muss sich wegen Beihilfe verantworten. Zudem ist Ernst wegen eines Messerangriffs auf den irakischen Flüchtling Ahmad E. im Januar 2016 angeklagt.

Wie das Gericht mitteilte, soll die Beweisaufnahme am Dienstag, 30. Juni, mit der Vorführung des zweiten Geständnisses des Hauptangeklagten Ernst fortgesetzt werden. Am zweiten Prozesstag in der vergangenen Woche war das erste Geständnis gezeigt worden, dass der 46-Jährige nach seiner Festnahme im Juni vorigen Jahres abgelegt hatte.

Mordfall Walter Lübcke: Stephan Ernst hat seine Aussagen widerrufen

Darin hatte Ernst den Mord gestanden und dessen Ablauf detailliert beschrieben. Er habe allein gehandelt und Lübcke getötet, weil er ihn für eine drohende „Überfremdung“ Deutschlands und islamistische Terroranschläge in Europa verantwortlich gemacht habe, hatte Ernst gesagt. Mit Markus H. sei er sich zwar einig gewesen, dass „die Deutschen“ sich für einen drohenden Bürgerkrieg bewaffnen müssten, mit dem Mord an Lübcke habe sein Kamerad aber nichts zu tun.

Später hatte Ernst dieses Geständnis widerrufen und in einer zweiten Vernehmung einen anderen Ablauf des Tatabends angegeben: Markus H. und er seien gemeinsam zu Lübcke gefahren, um ihn zu bedrohen und einzuschüchtern. Der Schuss auf den Politiker habe sich nur versehentlich gelöst, die Waffe habe Markus H. gehalten. Dieses zweite Geständnis gilt wie das inzwischen widerrufene als zentrales Beweismittel in dem Verfahren.

Mordfall Walter Lübcke: Mehr als 30 Verhandlungstage sind angesetzt

In den weiteren Sitzungen am Donnerstag, 2. Juli, und Freitag, 3. Juli, sind die Vorführung einer weiteren Vernehmung von Ernst und die Verlesung von Urkunden geplant. Bisher sind in dem komplexen Gerichtsverfahren mehr als 30 Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt. Ob es bis dahin ein Urteil gibt, hängt von vielen Faktoren ab und ist noch nicht abzusehen.

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