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Körner, die es in sich haben

Auf Amaranth sei er gestoßen, erzählt Gerhard Heinrich, weil sein Söhnchen eine Sämaschine als Spielzeug besessen habe und diese natürlich auch in Betrieb

Auf Amaranth sei er gestoßen, erzählt Gerhard Heinrich, weil sein Söhnchen eine Sämaschine als Spielzeug besessen habe und diese natürlich auch in Betrieb nehmen wollte. Zunächst habe er es mit Hirse versucht, deren Körner sich jedoch als zu dick erwiesen. Im Hofladen habe er daraufhin nach Samen zu gesucht, die noch kleiner als Hirse waren, und so sei er dazu gekommen, sich mit Amaranth zu befassen. "Der ist wunderbar gewachsen, hat geblüht und auch Körner gekriegt", erinnert sich Heinrich. "Da hab' ich mir gedacht, was bei dem Bub' im Blumenkasten geht, müsste auch bei mir auf dem Acker gehen."

Ganz so einfach ist es mit der Pflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse jedoch nicht; sie braucht ihre Zeit, damit die Samen reifen können. Das tun die Körner nicht gleichzeitig und müssen deshalb von Hand gepflückt werden. Durch Züchtung wird aber versucht, die Reifung so zu vereinheitlichen, dass man Amaranth mit Maschinen ernten kann. Heinrich arbeitet mit dem österreichischen Züchter Leopold Posch zusammen. Amaranth zählt zu den ältesten vom Menschen kultivierten Pflanzen.

Amaranth hat sehr große, leuchtend rot gefärbte Fruchtstände und wächst innerhalb eines halben Jahres bis zu zwei Meter hoch. Der Geschmack erinnert an frische Nüsse, die Körner sind leicht, nur senfkorngroß, aber es wohnt ihnen ein weit höherer Eiweiß- und Mineralstoffgehalt als den traditionell angebauten Getreidesorten inne, Kohlenhydrate und Ballaststoffe sind in gleich hohen Mengen vorhanden. Beim Dreifarbenamaranth können, wie bei Spinat, sowohl Blätter als auch Stängel als Gemüse verwertet werden.

Amaranth gehört zu den getreideähnlichen Pflanzen. Von den etwa 60 Arten wachsen die meisten als "Unkraut". Dass Amaranth glutenfrei ist, macht ihn zu einem vollwertigen Nahrungsersatz bei der weit verbreiteten Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Zudem ist der hohe Eisengehalt wertvoll bei Eisenmangelanämie und während der Schwangerschaft.

Die Backeigenschaften des klebearmen Amaranthmehls sind nicht gut. Um Brot herzustellen, müssen daher klebereiche Zusätze von einheimischem Getreidemehl wie zum Beispiel Dinkel beigegeben werden. Beliebt ist gepoppter Amaranth: Dazu wird eine Pfanne mit geschlossenem Deckel ohne Fett stark erhitzt. Dann werden die Körner auf den heißen Boden gegeben, die Pfanne zugedeckt und gleich von der Platte genommen, damit die Körner nicht anbrennen. Etwas hin- und herrühren, und die kleinen Amaranth-Samen beginnen kräftig zu poppen. Es gibt das auch fertig zu kaufen. Erhältlich sind auch Amaranth-Müslis, Riegel als kleine Snacks, Kekse, Brot, Brotaufstrich-Paste, sogar Amaranth-Nudeln.

"Unsterblicher Amaranth, du Blume, die einst im Paradies nahe beim Baum der Erkenntnis zu blühen begann", soviel Ehre wird der Pflanze in Miltons Verlorenem Paradies also aus guten Gründen erwiesen.

Zudem, erzählt Gerhard Heinrich, lässt sich Amaranth wunderbar lagern, "es gehen keine Schädlinge dran". Zudem hat der Quellenhof Apfelsaft, Apfelwein und Holunderblüten-Sirup in Demeter-Qualität.

Quellenhof (Demeter): Gerhard Heinrich und Monika Gruber, Kirchgasse 9, 61449 Steinbach am Taunus, Tel.: 06171-78458, Fax: 983090. Mo-Do von 8-12 u. 17-19, Fr 8-12 u. 15-19, Sa von 8-12.30 Uhr geöffnet.www.demeter-quellenhof.de

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