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Früher ein Mahnmal gegen den Flughafen: der Wasserturm.

Bürgermeisterwahl

Mörfelden-Walldorf: Wahlkampf mit Aufregerthemen

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Heinz-Peter Becker (SPD) strebt eine dritte Amtszeit an. Die Gegenkandidaten werfen ihm Misswirtschaft vor.

Seit der Zusammenlegung von Mörfelden und Walldorf im Jahr 1977 zur Doppelstadt, die damit zur zweitgrößten Stadt des Kreises Groß-Gerau wurde, sitzt ein SPD-Mann auf dem Chefsessel im Rathaus. Heinz-Peter Becker löste 2007 Bernhard Brehl nach dessen 30-jähriger Amtszeit ab. Jetzt strebt Becker bei der Bürgermeisterwahl am 24. März seine dritte Amtszeit an. „Ich mache meine Arbeit gerne“, sagte der 61-Jährige kürzlich im vollbesetzten Bürgersaal in Mörfelden, wohin der Freitags-Anzeiger für eine Podiumsdebatte zur Wahl geladen hatte. Drei Herausforderer aus der Opposition treten gegen Becker an: der Unternehmensberater Karsten Groß (CDU) sowie die beiden Stadträte Thomas Winkler (Grüne) und Alfred J. Arndt (DKP/Linke Liste). Die Koalitionspartner der SPD – Freie Wähler und FDP – unterstützen Beckers Kandidatur.

Während Groß eine „gewisse Unzufriedenheit“ in der Bürgerschaft beobachtet und auf mehr Bürgerbeteiligung setzen will, sieht auch Winkler nach Unterschriftensammlungen und Protestkundgebungen die Zeit reif, um die Politik auf einen Kurs zu mehr Bürgernähe zu bringen.

Indes betonte Bürgermeister Becker, er verfüge über die Energie, die begonnenen Projekte umzusetzen. Dass an einem dieser Vorhaben, der Sanierung der Kläranlage, derzeit eine Kampagne gegen ihn hochgezogen werde, treibe ihn erst recht an, sagte er der FR. „Das ist gerade der Punkt, nicht klein beizugeben.“ Nach der Kostensteigerung von 26 auf 38 Millionen Euro und anonymen Briefen, in denen der Stadtverwaltung Misswirtschaft vorgeworfen wird, wurde jetzt ein Akteneinsichtsausschuss beauftragt. Dessen Ergebnisse werden zwar erst nach der Bürgermeisterwahl erwartet, dennoch sieht der Amtsinhaber darin Stimmungsmache zum Wahlkampf. Das wiederum weisen die Herausforderer von sich, lassen aber kaum eine Gelegenheit aus, auf die angebliche Misswirtschaft hinzuweisen. Die Grünen forderten unlängst gar ein Gutachten zur Kläranlagensanierung. Denn nach jetzigem Stand werden die Abwassergebühren wegen des Ausbaus drastisch steigen. Winkler verspricht, dies zu verhindern.

Ein anderes strittiges Thema ist die seit den 60er Jahren diskutierte Südumgehung. Hier tut sich zwar planerisch so gut wie nichts. Während Becker und Groß aber weiterhin die Umfahrung für wichtig halten, um Mörfelden vom Verkehr zu entlasten, sprechen sich Winkler und Arndt dagegen aus, weil ansonsten acht bis zehn Hektar Wald fallen müssten. „Das können wir uns nicht erlauben“, sagt Arndt. Auch das Thema Flughafen und Fluglärm ist ein Dauerbrenner, liegt doch der Frankfurter Flughafen zum Teil auf Stadtgebiet.

Arndt hielt die Pressekonferenz zu seiner Kandidatur nicht ohne Grund im Wasserturm Mörfelden ab, der lange als Protestmahnmal galt. Bis 2016 hatten dort jahrelang Transparente gegen den Flughafenausbau geprangt. Als eine der ersten Amtshandlungen ließ die damals neue bürgerliche Koalition die Schilder abnehmen. Den Flughafen sieht Arndt nicht als guten Nachbarn an, der Arbeitsplätze bringe, wie dies Becker und Groß tun. Arndt verspricht: „Wenn ich Bürgermeister werde, werden die Transparente wieder aufgehängt.“

Weitere wichtige Themen sind die Belebung der Innenstädte, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, ohne dass die Stadt dafür viele potenzielle Flächen hätte, und die Generierung von Einnahmen, um Großprojekte wie etwa die Sanierung der beiden Feuerwehrgerätehäuser voranzubringen. Deren Erhalt an den Standorten hatte im Dezember ein Bürgerentscheid durchgesetzt.

Die Kandidaten:

Heinz-Peter Becker (SPD): Bürgermeister Heinz-Peter Becker, geboren 1957 in Walldorf, lebt mit seiner Familie in Mörfelden. In der Kommunalpolitik ist der studierte Volkswirt seit 1985 als Stadtverordneter, ab 2002 als hauptamtlicher Erster Stadtrat und seit 2007 als Bürgermeister aktiv. Besonders wichtig ist ihm, dass die Bürger bei ihm immer ein offenes Ohr für ihre Probleme finden. Auch in der Flughafendebatte setzt er auf Dialog. Zwar war ihm ein erfolgreiches Streiten für das Nachtflugverbot wichtig. Gleichzeitig legt er Wert darauf, Gesprächsebenen zur Fraport aufrechtzuerhalten.

Karsten Groß (CDU): Karsten Groß, geboren 1970 in Frankfurt, lebt mit seiner Familie in Mörfelden-Walldorf. Seit 1984 ist er in der Kommunalpolitik aktiv, seit 2018 Fraktionsvorsitzender. Der studierte Publizist und PR-Spezialist ist bei einer internationalen Unternehmensberatung in Frankfurt tätig. Er will unter anderem die Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen und Mörfelden-Walldorf aus der wirtschaftspolitischen Isolation herausholen. Er setzt sich für den Bau der Südumgehung ein und will die Betreuungszeiten in den Kindertagesstätten erweitern.

Alfred J. Arndt (DKP/LL): Alfred J. Arndt, geboren 1949 in Mörfelden, lebt in Mörfelden-Walldorf. Er ist seit 1971 Mitglied der DKP und seit 2006 ehrenamtlicher Stadtrat. Er ist selbstständiger Berater für Qualitätsmanagement bei internationalen Firmenumzügen. „Nicht alles gefallen lassen“, lautet seine Devise. Deswegen will er die Einwohner mobilisieren, um für ihre Rechte und gegen das Großkapital einzutreten. Seine Themen sind unter anderem die ärztliche Versorgung und die Barrierefreiheit, der Schutz des Gebiets zwischen beiden Stadtteilen und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums.

Thomas Winkler (Grüne): Thomas Winkler, 61, lebt seit 1961 in Mörfelden-Walldorf und betreibt dort mit seiner Frau das Kino Lichtblicke. Außerdem sitzt er im Aufsichtsrat einer Firma für Regenwasserfilter. Seit den 80er Jahren ist er bei den Grünen und seit fast 30 Jahren ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat. Seine Motivation ist, „die Stadt den Bürgern wieder zurückzugeben“. Proteste und Unterschriftensammlungen dürften nicht ignoriert werden, Entscheidungen müssten im Dialog getroffen werden. Politische Schwerpunkte sind Finanzen, Bau- und Stadtplanung, Soziales und Verkehr.

Die Wahl:

Am Sonntag, 24. März, wird in Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) ein neuer Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre bestimmt. Die 14 Wahllokale in den 25 Wahlbezirken sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Ergebnisse werden ab 18 Uhr aufwww.moerfelden-walldorf.de sowie im Rathaus Walldorf präsentiert.

25 720 Bürger sind wahlberechtigt und können beim Urnengang ihre Stimme abgeben. Briefwahlunterlagen können bis 21. März beantragt werden.

Termin für eine mögliche Stichwahl ist Sonntag, 7. April. Dann treten nur noch die beiden Kandidaten gegeneinander an, die am 24. März die meisten Stimmen bekommen haben.

Die Jugendförderung hat den Kandidaten auf den Zahn gefühlt. Unter jufoe-mw.de/events/check-da-kandidat-buergermeisterwahl-2019 sind die Kurzclips zu sehen.

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