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Peter Lindbergh: Die Schauspielerin Uma Thurman, New York 2016. Peter Lindbergh Foundation, Paris
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Peter Lindbergh: Die Schauspielerin Uma Thurman, New York 2016. Peter Lindbergh Foundation, Paris

Fotografie-Ausstellungen im Rhein-Main-Gebiet

Schwarz-Weiß-Fotografie in Frankfurt, Darmstadt und Rüsselsheim

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Peter Lindbergh in Darmstadt, Lee Miller in Rüsselsheim, Torben Eskerod in Frankfurt: An gleich mehreren Orten des Rhein-Main-Gebiets sind 2021 herausragende Fotografie-Ausstellungen zu sehen - wenn denn die Museen wieder öffnen dürfen.

Drei hochbezahlte, glamouröse Supermodels, fotografiert wie einfache Bäuerinnen – das ist ein in seiner Schlichtheit geradezu paradoxes, ja unverschämtes Bild, aber doch eines, das zum Fotografen Peter Lindbergh passt. Lindbergh, wohl genauso berühmt wie seine drei Modelle und einer der Erfinder des Konzepts „Supermodel“, dürfte auch ähnlich üppige Honorare erhalten haben.

Dabei muss er, der eigentlich Peter Brodbeck hieß und sich von Flugpionier Charles Lindbergh zu seinem Künstlernamen inspirieren ließ, stets ein freundlicher, zugänglicher Mann geblieben sein, der in einfachen Verhältnissen als Flüchtlingskind im Ruhrgebiet aufgewachsen war und dem der Ruhm nie zu Kopf stieg. In den 1980er Jahren wurde er immer bekannter, schließlich selbst zur Marke.

Peter Lindberghs Kunst in Darmstadt

Im wahrsten Wortsinne ganz einfach nur schön – das scheint so selbstverständlich, ist aber eine große Kunst. Das zeigen Peter Lindberghs faszinierende, tatsächlich auch ausnehmend schöne Fotos, die oft am Rande von Modeshootings für Vogue, Rolling Stone oder Vanity Fair entstanden.

Als erstes Haus im Rhein-Main-Gebiet will das Hessische Landesmuseum in Darmstadt nun eine umfassende Retrospektive von Lindberghs Werk zeigen, sobald die Museen wieder öffnen dürfen. Die Ausstellung „Untold Stories“ hänge längst und habe im Dezember den Abschluss des Jubiläumsjahres zum 200-jährigen Bestehen des Museums bilden sollen, berichtet Museumsdirektor Martin Faass. Ob sie über das geplante Schließungsdatum 18. April hinaus verlängert werden kann, ist noch offen und hängt auch von der nächsten geplanten Station in Neapel ab. „Im Moment ist alles in Bewegung.“

Darmstadt: Die Auswahl der Fotos hat Peter Lindbergh kurz vor seinem Tod noch selbst getroffen

Bis zu drei Meter breit sind die größten Abzüge. „Es sieht super aus. Das Einzige, was fehlt, sind die Besucher“, sagt Mechthild Haas von der Graphischen Sammlung, die auch eine kleine Anzahl an Fotografien enthält. In der riesigen Universalsammlung des Landesmuseums, die vom Fossil bis zur Beuys-Zeichnung reicht, spielte dieses Medium bisher aber eine eher untergeordnete Rolle.

Die Ausstellungen

Peter Lindbergh im Hessischen Landesmuseum Darmstadt am Friedensplatz: Die Ausstellung, die der Fotograf kurz vor seinem Tod noch selbst konzipiert hatte, ist fertig und hängt bereits. Zu sehen ist „Untold Stories“, sobald die Museen wieder öffnen dürfen, bis voraussichtlich zum 18. April. Museumsdirektor Martin Faass hat sich mit der Stylistin Julia von Boehm über Lindberghs Bilder und den Menschen dahinter unterhalten, das Gespräch ist online zu finden unter www.hlmd.de.

Torben Eskerod , einen der bekanntesten dänischen Fotografen der Gegenwart, stellt das Fotografie-Forum Frankfurt, Braubachstraße 30–32, vor. Auch die Ausstellung „Findings“ hängt und soll eröffnen, sobald das möglich ist. Zu sehen sein wird sie bis zum 9. Mai.

Neu Sehen heißt eine Ausstellung des Frankfurter Städel-Museums, Schaumainkai 63, die einen Überblick über die aufsehenerregende Fotografie der 20er und 30er Jahre hauptsächlich aus der eigenen, rund 5000 Arbeiten umfassenden Fotosammlung zeigt. Geplant ist die Ausstellung für die Zeit vom 30. Juni bis zum 24. Oktober.

Nini und Carry Hess, zwei herausragende Fotografinnen der Weimarer Republik, entdeckt das Museum Giersch am Frankfurter Museumsufer, Schaumainkai 83, mit einem umfassenden Forschungsprojekt wieder. Daraus soll eine Ausstellung werden, die sich vom 22. August bis zum 5. Dezember erstmals ausführlich dem Werk der Schwestern widmet. Der Großteil ihrer Arbeiten wurde von den Nationalsozialisten zerstört, Nini ermordet.

Lee Miller , die legendären US-Fotografin, und ihre Kriegsbilder zeigen die Opelvillen Rüsselsheim, Ludwig-Dörfler-Allee 9. Auch diese Ausstellung hängt und könnte sofort öffnen. Zu sehen sein soll sie bis zum 25. Juli.

Die internationale Triennale RAY-Fotografieprojekte schließlich präsentiert vom 3. Juni bis 12. September zwischen Darmstadt und Eschborn einen Überblick über die zeitgenössische Fotografie. aph

Lindbergh selbst hatte die Bilder für seine Ausstellung unter Tausenden Aufnahmen ausgesucht. Und er wäre wohl auch zur Eröffnung nach Darmstadt gereist, selbst ohne einen biografischen Bezug zu der Stadt. Doch wenige Tage vor einem ersten Besichtigungstermin der Ausstellungsräume im Landesmuseum Anfang September 2019 starb der Fotograf mit 74 Jahren ganz überraschend. „Er hat aber die Auswahl noch kurz vor seinem Tod abschließen können“, sagt Faas. „Er war selbst der Kurator, wir sehen die Ausstellung mit seinem eigenen Blick.“ Auch die Hängung habe Lindbergh noch bestimmt, betont Kuratorin Haas. „Das ergibt einen Dialog der Bilder untereinander, der mich sehr beeindruckt.“

Torben Eskerods Bilder im Fotografie-Forum Frankfurt

2021 wird im Rhein-Main-Gebiet ein Jahr der Fotografie. Das mag ein Zufall sein, zeigt vielleicht aber auch die zunehmende Wertschätzung für das Medium. Dem Fotografie-Forum Frankfurt geht es dabei ganz ähnlich wie dem Hessischen Landesmuseum: Die umfassende Ausstellung „Findings“ über den dänischen Fotografen Torben Eskerod, Jahrgang 1960, der Königin Margarethe II. für eine Briefmarke ebenso fotografiert hat wie Landschaften, Totenmasken oder berauschend schöne Stillleben, ist eigens für Frankfurt kuratiert worden und gibt einen Überblick über fast 30 Jahre seines Schaffens. Doch zu Gesicht bekommt auch sie bisher niemand. „Sobald die Türen auch in der Kultur wieder geöffnet werden können, sind wir startbereit“, sagt Sabine Königs vom Fotografie-Forum.

Lee-Miller-Schau in den Opelvillen Rüsselsheim

Einen weiteren großen Namen präsentieren die Opelvillen in Rüsselsheim im Frühjahr/Sommer: Sie zeigen das Werk der Fotografin und Künstlerin Lee Miller, die als Begleiterin der US-Streitkräfte ikonische Kriegsfotografien aufnahm, etwa sich selbst in Hitlers Badewanne, kurz nach einem Besuch im eben befreiten Konzentrationslager Sachsenhausen. „Hautnah“ ist der passende Titel der Ausstellung, die baldmöglichst eröffnen soll.

Die Lee-Miller-Retrospektive ist Teil der internationalen Triennale RAY, für die vom 3. Juni bis 12. September elf Museen und Ausstellungshäuser im Rhein-Main-Gebiet zusammenarbeiten, darunter die Fotosammlung der Deutschen Börse, die Sammlung der DZ-Bank, das Fotografie-Forum, das Museum Angewandte Kunst und das MMK. Gemeinsame Klammer ist das Thema „Ideologien“.

In das Programm der Triennale ist das Frankfurter Museum Giersch ebenfalls aufgenommen worden, wo Susanne Wartenberg und der Fotografieexperte Eckhardt Köhn seit Jahren über Leben und Werk der beiden Frankfurter Fotografinnen Nini und Carry Hess forschen. Die jüdischen Schwestern, heute fast vergessen, waren in den 1920er Jahren die Porträtistinnen von Stars und Sternchen, ebenso berühmt wie Thomas Mann oder Max Beckmann, die ihnen Modell saßen. Das Bild der „Goldenen Zwanziger Jahre“, das wir heute haben, ist ganz maßgeblich auch von ihren glamourösen Fotos geprägt, die in zahlreichen Zeitschriften der Epoche veröffentlicht wurden.

Foto-Kunst aus der Zeit von Nini und Carry Hess in Frankfurt

Dass die Hess-Schwestern heute trotzdem fast unbekannt sind, ist kaum nachvollziehbar, liegt aber an den furchtbaren Umständen der Zeit. Nini, eigentlich Stefanie, geboren 1884, und ihre Mutter wurden in einem NS-Vernichtungslager ermordet, Cornelia, geboren 1889, die stets Carry genannt wurde, gelang zwar 1933 die Flucht nach Frankreich, doch überlebte sie die deutsche Besatzung nur knapp. Ihr Atelier und das Fotoarchiv hatten die Nazis schon in der Pogromnacht 1938 zerstört.

Foto-Begeisterten gibt das Frankfurter Städel direkt neben dem Haus Giersch die Gelegenheit zum Vergleich. Es war 1845 das erste Kunstmuseum weltweit, das Fotografien ausstellte. Gerade einmal sechs Jahre zuvor war die neue Technik überhaupt erst erfunden worden.

Das Haus besitzt eine große, hochkarätige Fotosammlung und zeigt daraus vom 30. Juni bis zum 24. Oktober eine Auswahl an Fotografien der 1920er und 1930er Jahre, ergänzt um wichtige Leihgaben. Zu sehen sind Werke von Zeitgenoss:innen der Hess-Schwestern, unter anderem Lotte Jacobi, Albert Renger-Patzsch oder Umbo, die mit ihrem Werk bis heute die Ästhetik international prägen.

Hans Finsler: Tasse, Untertasse und Teller, 1931.
Nini & Carry Hess: Frauenporträt („Astrologin“).

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