Fundstück in der Baugrube des Westend-Campus.
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Fundstück in der Baugrube des Westend-Campus.

Und mittendrin das Mittelalter

  • vonClaudia Michels
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Kaum gefunden, ist die Warte Affenstein in einem Uni-Neubau verschwunden

Nicht lange hatte er Gelegenheit, die seit seiner Errichtung im Mittelalter doch sehr veränderte Umgebung zu überblicken. Inzwischen ist der Wartturm namens Affenstein, dessen Fund nahe der Frankfurter Hansaallee 2008 in der Goethe-Universität zum Aufregerthema geworden war, wieder aus dem Blickfeld verschwunden.

Denn was außen war, ist jetzt innen: Um trotz seiner Existenz den Neubau für die Gesellschaftswissenschaften hochzuziehen, musste der unter Denkmalschutz gestellte Turm unterfangen werden. Man hat ihn "mit Beton unterspritzt", schildert die Prozedur das Architekturbüro Müller und Reimann aus Berlin. So dass sich darunter "ein Klumpen bildete", auf dem der bald 700 Jahre alte Affenstein in Zukunft seinen festen Stand hat. Alles neu auf dem Westend-Campus, aber im Zentrum dieses Rohbaus eines sechsgeschossigen Hauses steht die alte Warte der Landwehr, von der aus die Stadt beschützt wurde. Vom ersten Untergeschoss ragt ihr Schaft hoch in das Erdgeschoss. Drumherum bleibt Raum frei, so dass Studenten und Besucher das Denkmal künftig von unten nach oben und von oben nach unten in ganzer Höhe betrachten können.

Ein paar Wände verrückt

Für die Architekten war es direkt "eine Fügung", dass der Bruchsteinturm auf dem Baugrundstück genau da gefunden worden ist, wo sie ohnehin die Bibliothek eingeplant hatten. Ihr Entwurf für den Universitäts-Neubau, in dem neben mehreren Fakultäten auch ein Service-Center und eine Cafeteria Platz haben sollen, war ja zum Zeitpunkt der Ausgrabung längst fertig. Nach dem ersten Schreck wurde klar: "Wir mussten nur ein paar Wände anders stellen; es fügt sich gut zusammen", übermitteln die Berliner. Frankfurts Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel lobt das Büro: "Die legen sich mordsmäßig ins Zeug." Im Gegensatz zu den Archäologen der Universität nämlich, die in dem Fund unter einem zugewachsenen Hügel nur einen Kühlturm des 19. Jahrhunderts erkannten, bestand die Expertin von Anfang an darauf, "ein hochrangiges Kulturdenkmal" entdeckt zu haben.

"Punktgenau und topografisch perfekt" fügt sich das Gemäuer nach ihrer Erkenntnis in den Kranz der Warttürme ein, die die Frankfurter Landwehr bildeten. Auch der Landesarchäologe Egon Schallmeyer gab zu Protokoll, dass da "ein Relikt aus einer Zeit, die für Frankfurt eine große Rolle gespielt hat", gefunden wurde.

Dass "der Affenstein jetzt im Haus ist", erfüllt Andrea Hampel also mit stiller Freude: "Ich bin sehr zufrieden." Noch ist der Turm eingerüstet. "Das Grünzeug muss raus", das sich all die Jahre in die Fugen gesetzt hat. Die Architekten bauen ihm dann einen Sockel, "eine Fassung wird gebraucht". Zum Plan der Universität, einen Teppichboden um den steinernen Zeugen zu legen, sei das letzte Wort nicht gesprochen.

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