1. Startseite
  2. Rhein-Main

Mit großer Freude Sprachen lernen

Erstellt:

Kommentare

Einheimische zusammenzubringen, das ist Ziel des interkulturellen Theaterprojekts „Zusammenspiel“, das der Internationale Bund (IB) seit Mai in Friedberg anbietet. Seit 1. Juli leitet Alan Twitchell das Projekt. Der Dramaturg, der unter anderem am Schauspielhaus Bochum und an der Volksbühne Berlin tätig gewesen ist, hat die Ausrichtung des Projekts jedoch geändert.

So wird das Angebot „Darstellendes Spiel“ ergänzt durch die Kurse „Kreatives Schreiben“, „Textilwerkstatt“ und „Soziale Medien/Veranstaltungstechnik“. Geblieben ist die Zielrichtung des Projekts: Begegnungen zwischen zugewanderten Menschen und deutschen Muttersprachlern sowie das Fördern des Spracherwerbs. Um die 40 Teilnehmende aus der Ukraine, dem Iran, Afghanistan, Syrien, der Türkei, aus afrikanischen Ländern und Deutschland sind es derzeit. Die jüngste Teilnehmerin ist 19, die älteste 72. Mittwochs finden zwei der vier Kurse in den Räumen des IB in der Bismarckstraße 2 statt, wie die Nähwerkstatt unter der Leitung von Gabriella Stricker, die in ihrer ungarischen Heimat das Schneidern und Nähen gelernt hat.

Unter den Teilnehmern ist mit Sänol Sirmali auch ein Mann. „Meine Mutter hat immer genäht, das wollte ich auch machen, und es macht Spaß“, erzählt der 35-Jährige, der vor sechs Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist und gut Deutsch spricht.

Während Sirmali Anfänger ist, hat Meneske Sahan Celik schon in der Türkei genäht. „Deutsch lernen ist so wichtig“, sagt die 35-Jährige in fast schon fließendem Deutsch. Dem stimmt die Albanerin Tusha Luljeta zu. Seit sieben Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Bad Nauheim; das Nähen hatte sie in ihrer albanischen Heimat gelernt.

Ernster geht es in der Schreibwerkstatt zu. „Wir sind in den letzten Wochen über den Begriff altmodisch zu den Märchen gekommen“, erklärt Alan Twitchell den beiden Neulingen Mansuri Mir Wais (19) und Jamiulahmadi Jaber (20), die im vergangenen Jahr aus Afghanistan nach Deutschland geflohen sind. „Wir reden über Texte, die die Teilnehmer zu Hause schreiben“, erläutert Twitchell. Amineh Shehada hat ein Märchen mit dem Titel „Freiheit“ geschrieben - auf Deutsch. Seit drei Jahren lebt die junge Syrerin in Friedberg. Ihr Märchen entpuppt sich als die Geschichte einer Frau, die sich „wie in einem Gefängnis eingesperrt fühlt“ und nach Freiheit sehnt. „Das war alles in meinem Kopf“, sagt die 23-Jährige. Immer wieder erläutert sie ihre Gedanken beim Schreiben, was zu Diskussionen und Fragen der anderen Teilnehmer führt. „In Afghanistan gibt es keine Freiheit“, sagt Wais und erntet für diese Aussage viel Zustimmung.

Das „aHa“ ist Kooperationspartner des Projekts ebenso wie das Stadttheater Friedberg, in dem später verschiedene ganztägige Intensiv-Workshops stattfinden sollen. Auch jetzt können Interessierte noch in die Kurse einsteigen. „Wir planen, eventuell eine zweite Schreibwerkstatt anzubieten“. har

Auch interessant

Kommentare