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Mit dem Finger wandern

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Künstler arbeitet an großem Relief des Taunus

HOCHTAUNUS - Ein Relief ist ein „aus dem Untergrund herausragendes Bildhauerwerk“ und geht auf das lateinische Wort relevare zurück, wie „erhöhen, in die Höhe heben“. Da geht es schon los, denn das Relief, um das es hier geht, ist zwar in der Tat „herausragend“ zu nennen, mit seinen gut 500 Kilo aber doch etwas zu schwer, um es mal eben in die Höhe zu heben. Und doch muss es bald auf einen Laster gehoben werden, denn es steht für die nächsten Wochen ein Umzug an - von der Montagehalle des Kelkheimer Modellbaubetriebs IFA zum Taunus-Informationszentrum (TIZ) an der Hohemark.

Im TIZ stehen größere Umbauarbeiten an und als man sich beim Naturpark Taunus über die Einzelheiten beriet, wurde auch die Idee geboren, vom hohen Taunus, der sich Zehntausenden Besuchern unter anderem von der Hohemark aus als Wanderparadies erschließt, ein Relief anfertigen zu lassen - als erste Orientierung, nicht als Wanderkartenersatz.

Das Relief, leicht schräg auf einem Stahlgestell montiert, soll nahe der Kletterwand auf der Rückseite des TIZ „eingenordet“ aufgestellt werden. Dort sei, so der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks, Malte Gurke, auch durch die Gäste des Restaurants Waldtraud genug „Betrieb“ und Kontrolle, so dass man zunächst auf eine Sicherung des Reliefs verzichten möchte. Solche Landschaftsmodelle laden die Betrachter oft dazu ein, schon einmal mit dem Finger spazieren zu gehen, um sich so einen taktilen Eindruck von den auf den Wanderfreund zukommenden Strapazen zu verschaffen. Beim Taunus-Relief müssen es aber schon die Augen sein, so lange Arme und Finger, dass es vom Rand bis zum Feldberg reicht, hat der normale Mitteleuropäer nicht. Das im Maßstab 1 : 10 000 angefertigte, grün eingefärbte Relief ist nämlich dreieinhalb Meter breit und zweieinhalb Meter tief. Es entspricht demnach einer Fläche von rund 750 Quadratkilometern und umfasst, im Uhrzeigersinn gesehen, den Naturpark zwischen Frankfurt, Waldems, Weilrod, Usingen und Rosbach.

Ganze Halle für Produktion freigeräumt

Bei IFA in Kelkheim, wo man seit 35 Jahren „aus groß klein“ und aus „klein groß“ macht, je nachdem, ob es ein Funktions-, Landschafts-, oder Architekturmodell werden soll, hat man für den Auftrag, der die Ausmaße bisheriger Landschaftsmodelle doch etwas sprengte, eine komplette Halle freigeräumt. „So ein riesiges Puzzle braucht Platz, viel Platz“, sagt IFA-Chef Frank Meyer, der mit Robert Scheu, Patrick Nauheimer und Viktoria Wiedehagen drei Spezialisten aus seinem neunköpfigen Team für etwa neun Wochen nur für diesen Job abgestellt hat. Auf das riesige Rolltor projizierte man zur Orientierung eine Taunus-Landkarte im XXL-Format. „Das Bauen selbst war gar nicht so schlimm, tausende Einzelteile zwar, aber das eigentliche Problem war die Beschaffung der Geo-Daten und deren Aufbereitung für unseren Zweck, gar nicht so einfach“, erzählt Gerrit Herr, einer der Techniker im Haus. Ohne diese Daten ging es nicht, denn „ungefähr“ ist Frank Meyer und seinem Team bei weitem nicht genau genug. Das heißt: So wie sich das landschaftliche Auf und Ab im Modell zeigt, ist es auch draußen in der Natur. Das einzige, was nicht so ganz maßstabsgerecht ist, sind die Straßen: Die Autobahnen in Rot und die Bundes- und Landesstraßen in Gelb. „Damit man sie erkennt, mussten wir sie etwas breiter als in natura darstellen, ansonsten aber passt der Rest“, so Meyer.

Die Höhen- und Tiefenentwicklung wird im Modell stufig dargestellt. Dazu frästen die Modellbauer auf der Grundlage der aufbereiteten Geo-Daten aus zwei Millimeter dicken Polystyrol-Kunststoffplatten die einzelnen Ebenen, die vom tiefsten Punkt bis hinauf zum Feldbergplateau natürlich immer kleiner wurden. Die unterste, größte Scheibe ist rund sieben Quadratmeter groß und musste in mehreren Portionen durch den Plotter geschickt und dann als Basis auf der Unterkonstruktion verklebt werden. Die oberste Schicht, kaum größer als zwei Zeigefinger, ist die Nummer 44. Da jede der miteinander verklebten, exakt positionierten Scheiben 20 Metern Höhe entspricht, kommt man mit Etage 44 auf 880 Meter. Feldbergniveau.

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