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Im Vordergrund die Räder, im Hintergrund die Skyline.

Rundfahrt

Mit dem Fahrrad durchs Rhein-Main-Gebiet

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Bei einer Rundfahrt ist unser Autor mit seinem Neffen vier Tage per Pedale unterwegs.Entlang der „roten Kachel“ gibt es viel zu sehen. Auch mal vom Weg abzukommen,haben sie dennoch nicht bereut

Auf den Feldern südlich von Friedrichsdorf können wir die Skyline nicht mehr sehen. Fantastische Ausblicke auf die Bankenmetropole mit ihren Türmen haben wir bis dahin von unseren Rädern aus immer wieder erhascht – den Ginnheimer Spargel wie einen Gradmesser, immer etwas versetzt im Blick.

Durch die Höhenmeter im Vordertaunus – Sulzbach, Eschborn, Bad Homburg – können wir weit ins Land schauen. Später werden wir in den Weinbergen zwischen Hoch- und Flörsheim die Skyline wieder entdecken.

Doch zunächst ist das urbane Panorama am Horizont verschwunden. Luke, der neben mir auf seinem Rad in die Pedale tritt, fragt: „Wo ist Frankfurt?“ Ich entgegne: „Och, mir fehlt’s nicht.“ Noch vor Corona-Zeiten und dem damit verbundenen Trend, in heimischen Regionen zu urlauben, haben mein 13-jähriger Neffe und ich uns entschieden, gemeinsam den Regionalpark zu umrunden. Von Darmstadt aus, wo Luke wohnt, schwingen wir uns auf die Sättel, nach einem kurzen Abstecher bei mir im Frankfurter Stadtteil Gallus über die Sossenheimer Felder erreichen wir die Rundroute des Regionalparks Rhein-Main.

Das spontane Füttern der Rinder mit Grünzeugs war für Luke ein besonderes Erlebnis.

Südlich von Eschborn, am Baumpark „Aboretum“, stoßen wir auf die ersten roten Hinweisschilder. In den folgenden vier Tagen werden sie uns weitestgehend zuverlässig den Weg durch den Regionalpark weisen. Nach ersten Frageversuchen „Wo lang?“ übernimmt auch mein 13-jähriger Begleiter die Verantwortung des Schilderlesens. Zentral für uns, eine rote Kachel.

Daneben gibt es einen Pfeil in Form einer dreigeteilten Pyramide, der jedoch auf weitere der zahlreichen Regionalpark-Strecken verweist, die von der Rundroute abzweigen. Des Öfteren verlockt es uns, diesen Pfeilen zu folgen, entweder, weil sie auf verheißungsvolle Schleifen führen – oder aus Mangel an der roten Kachel.

Die Strecke

Die Rundroute durch den Regionalpark Rhein-Main ist 193 Kilometer lang. Der westlichste Punkt, die Mainspitze bei Ginsheim-Gustavsburg, ist offizieller Startpunkt. Durch Weinberge von Kriftel geht es gen Norden. Über die Hohe Straße östlich bergab nach Hanau-Kesselstadt, von dort weiter nach Maintal-Bischofsheim Richtung Offenbach. Von dort aus folgen Heusenstamm, Egelsbach und Mörfelden. Nauheim und Trebur sind weitere Stationen. Ende ist bei Mainz.

In vier Tagesetappen ist die Rundfahrt gut zu meistern. Wer sich den Attraktionen an der Strecke widmen will sollte mehr einplanen. An der Strecke liegen viele S-Bahnstationen, deswegen eignen sich einzelne Etappen als Tagestouren.

Kostenlose Karten von der Rundroute und weiteren Strecken durch den Regionalpark gibt es auf www.regionalpark-rheinmain.de

Die Befürchtung, es könnte langweilig werden für einen Teenager auf einer Rad-Rundfahrt durch das Rhein-Main-Gebiet, gerät schnell in Vergessenheit. Neben dem Schilder- und Kartenlesen entdecken wir immer wieder Tiere.

Bei einer eindeutig falschen Wegweisung bei Niederdorfelden landen wir an einem Feld, auf dem Getreide abgeerntet wurde, und erspähen sechs oder sieben Störche, die das frisch gemähte Feld nach Nahrung absuchen. Ziemlich nah schieben wir unsere Räder daran vorbei. Auch Greifvögel, Hasen, Eichhörnchen und ein Reh sehen wir. Und von einer Eule hören wir zumindest ihr sanftes Geheul.

Galloway-Rinder und ihre Kälber zeigt uns Doris Metzger auf dem Röderhof in Trebur. Zwar hat der dazugehörige Hofladen an jenem Morgen geschlossen. Dafür nimmt uns die Landwirtin spontan auf ihre Futterrunde mit. Mit Körnern und Salat darf Luke Hühner sowie Kaninchen versorgen. Einmal am Main bei Hanau, entdeckt er im Vorbeifahren einen Fischotter, der sich von Anglern leichte Beute reichen lässt. Wir selbst naschen immer wieder Obst am Wegesrand oder kaufen Frisches in Hofläden. Sie sind in der Broschüre „Hofstationen“ verzeichnet, die es auch auf der Website des Regionalpark zum Herunterladen gibt.

193 Kilometer lang ist der Rundweg durch den Regionalpark Rhein-Main, hier in Rot eingezeichnet.

Regen kann uns kaum bremsen. An einem Tag schüttet es stundenlang. Mit Regenkleidung strampeln wir weiter. Wir radeln am Offenbacher Wetterpark vorbei, aber unser Wunsch nach fahrradfreundlichen Witterungsbedingungen verklingt zunächst ungehört. Allerdings entschädigt der Folgetag mit sehr sommerlichen Temperaturen.

Zwei Seen an der Strecke – wie der eintrittfreie Hegbachsee bei Nauheim – bringen uns Abkühlung und Ausgleichssport. Als angenehmer Zufall erweist sich, dass wir an diesem heißen Tag meist auf flachen Kieswegen durch kühlere Wälder radeln. Vorbei am sehenswerten Jagdschloss Mönchbruch mit öffentlichen Hochsitz, von dem aus mit Glück Wild beobachtet werden kann.

Neben eindrucksvollen Ausblicken auf Natur und Stadt gibt es auch Kunstwerke an der Strecke. Ein Beispiel ist der „Schiefe Wald“ vor Steinbach, der an eine Fehde vor Jahrhunderten zwischen Kronberger Rittern und Frankfurter Bürgern erinnert. Weil die nicht besonders gut für die Frankfurter ausgegangen ist, gibt es an dieser Stelle keine weitere Ausführung zu dieser alten Geschichte.

Insgesamt 35 Kommunen werden auf der Regionalpark-Rundroute meist nur am Ortsrand gestreift. Vor 20 Jahren wurde der Regionalpark eingerichtet, um Bürgern ihre Umgebung näher zu bringen mit dem Ziel einer höheren Wertschätzung. Das trifft für uns voll zu. Inspirationen für weitere Touren haben wir unterwegs daneben mehr als genug gesammelt.

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