Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hessen

Mit Bewaffnetem eingeschlossen: Polizei weist Schuld zurück

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
    schließen

In Kriftel wurden S-Bahn-Fahrgäste mit einem bewaffneten Mann eingeschlossen. Hessens Innenminister Beuth sagt: Das wurde nicht von der Polizei angeordnet.

Die Polizei war nach eigenen Angaben nicht dafür verantwortlich, dass die Fahrgäste einer S-Bahn im vergangenen Dezember fast 20 Minuten lang mit einem bewaffneten Mann im Waggon eingeschlossen blieben. Das Polizeipräsidium Westhessen habe „nicht angeordnet“, dass die S-Bahn-Türen geschlossen geblieben seien, teilte Innenminister Peter Beuth (CDU) jetzt mit.

Das Präsidium habe nur veranlasst, dass der Zug am Bahnhof Kriftel stehen geblieben sei, bis er umstellt werden konnte. Dann seien die Türen geöffnet und der Täter festgenommen worden.

Am frühen Abend des ersten Weihnachtstags 2020 hatte der Bewaffnete, ein 36-Jähriger, zunächst Menschen am Bahnhof Hofheim belästigt, beleidigt und damit gedroht, sie zu erschießen. Bei einem Mann hatte er mit seinem Revolver auf die Stirn gezielt und zweimal abgedrückt. Es handelte sich jedoch zum Glück um eine Schreckschusswaffe. Danach fuhr der Täter mit der S-Bahn bis Lorsbach, stieg dort aber aus und in eine Bahn in Richtung Frankfurt ein. In Kriftel wurde der Zug angehalten. Die Fahrgäste blieben mit dem bewaffneten Mann eingeschlossen.

Polizei-Strategie

Bei unklaren Bedrohungslagen , Geiselnahmen, Amoktaten und Anschlägen soll die Polizei sofort einschreiten zur „Gefahrenneutralisierung und Schadensbegrenzung“, wie Hessens Innenminister Peter Beuth mitteilt.

Je vier Streifenwagenbesatzungen stünden dafür in allen 26 Flächen-Polizeidirektionen zur Verfügung.

Seit 2016 habe die Polizei ihre Strategie bundesweit angepasst. In jenem Jahr hatten islamistisch motivierte Anschläge in Brüssel, Nizza und am Berliner Breitscheidplatz die Welt aufgeschreckt. pit

Zufällig fuhr eine FR-Redakteurin mit dem Zug und erlebte die schreckliche Situation mit. „Uns ist ein großer Mann mit Glatze aufgefallen, der gestikulierte und laut war“, berichtete sie. „Erst dann ist uns die Waffe aufgefallen.“ Der erste Impuls sei gewesen: „Raus hier!“ Doch die Türen seien geschlossen geblieben. Es habe eine Durchsage gegeben, dass ein technischer Defekt vorliege, erzählt die Augenzeugin. Dann habe sie die Polizei angerufen, aber nur gehört: „Wir wissen Bescheid.“ Als die FR-Redakteurin auf die verschlossenen Türen hinwies, habe eine Polizistin geantwortet: „Im Moment macht er doch nichts, oder?“

Nachdem die Frankfurter Rundschau über den Vorfall berichtet hatte, fragte der AfD-Landtagsabgeordnete Rainer Rahn nach. Nun liegt die Antwort von Innenminister Beuth vor. Darin bestätigt er die Schilderungen im Wesentlichen, ohne auf die Bemerkung der Polizistin zu den verschlossenen Türen einzugehen.

Er teilte allerdings mit, dass die Polizei nicht angeordnet habe, die Türen geschlossen zu halten. Auch die „legendierte Lautsprecherdurchsage des S-Bahnführers oder Zugbegleiters“, der eine technische Panne als Grund für den Halt angegeben habe, sei „ohne Abstimmung mit dem Polizeiführer“ erfolgt.

Nach Beuths Angaben war die Polizei um 17.42 Uhr alarmiert worden. Um 17.51 habe die Bahn in Kriftel gehalten. Die Beamtinnen und Beamten in Schutzhelmen und -westen hätten den Zug um 18.04 Uhr umstellt, bewaffnet mit Maschinenpistolen. Fünf Minuten später seien der Bahnfahrer kontaktiert und die Türen geöffnet worden. Die Festnahme des Täters sei weitere drei Minuten später gelungen.

Einen Tag später sei der 36-Jährige dem Haftrichter vorgeführt worden. Der habe seine Unterbringung im Maßregelvollzug angeordnet. Dort werden psychisch kranke oder drogensüchtige Täter untergebracht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare