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Die Abgeordneten nehmen im hessischen Landtag Platz.

Wissenschaft

Folgen der Uni-Klinik-Privatisierung in Hessen ungewiss

Die neue Wissenschaftsministerin Angela Dorn will die Folgen der Privatisierung der Uniklinik Gießen-Marburg derzeit nicht überprüfen.

Die neue Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) hat aktuell nicht vor, die Folgen der Privatisierung des Uniklinik Gießen-Marburg für Forschung und Lehre zu überprüfen. Sie schließt diesen Schritt aber auch nicht aus: Die Konsolidierung sei auf einem guten Weg. „Wir wollen diesen konstruktiven Entwicklungsprozess und die Kooperation der beteiligten Fachbereiche und Universitäten zunächst weiter aktiv fördern“, sagte sie am Dienstag im Landtag. Es gebe Gespräche, wie das Land die Hochschulmedizin unterstützen kann – gegebenenfalls unter Einbeziehung des Wissenschaftsrates.

Jan Schalauske von der Linksfraktion hatte die Anfrage gestellt, wann die Landesregierung endlich den Wissenschaftsrat mit der Überprüfung beauftragt. Der Rat hatte vor zehn Jahren eine Prüfung für das Jahr 2014 empfohlen.

Wie die FR berichtete, hat der Fachbereich Medizin an der Universität Gießen wegen schlechter Leistungen seiner Studierenden einen externen Dienstleister engagiert. Er soll die Studierenden fit für die Prüfungen machen. Seit der Privatisierung der Uniklinik hatten Studierende und Ärzte immer wieder über Zeitmangel für Forschung und Lehre geklagt.

Ein Zusammenhang zwischen den Gießener Prüfungsergebnisse und der Privatisierung sei „mindestens fragwürdig“ und entbehre „der empirischen Grundlage“, teilt Ministeriumssprecher Christoph Schlein auf FR-Anfrage mit. In Marburg seien die Ergebnisse ja auch besser. Und in den Frühjahrsprüfungen hätten die Gießener schon besser abgeschnitten. Zudem bedienten sich auch andere medizinischen Fakultäten dieser Dienstleistung.

Darauf wies auch die Universität hin. Und betonte, das Medizinstudium in Gießen lege großen Wert auf „Empathie, Interesse an den Patienten, Kommunikationsfähigkeit und kritisches Denken“. Diese Eigenschaften ließen sich nicht durch die Ankreuztests im ersten und zweiten Staatsexamen überprüfen. Bis zu 15 Prozent der Studienplätze würden zudem an Bewerber mit abgeschlossener Berufsausbildung vergeben. Ihnen fehle das „frische Oberstufenwissen“, das beim ersten Staatsexamen von Vorteil sei.

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