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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (links) spricht in Niedernhausen mit Anwohnern.

Stromtrasse

Minister werben für Ultranet in Hessen

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sehen Vorteile der Stromautobahn Ultranet. 

Gegen den Bau einer Hochspannungsleitung in Hessens Westen regt sich Protest. Bürger befürchten Gefahren für ihre Gesundheit durch die Stromautobahn Ultranet.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fuhr am Freitag mit seinem hessischen Amtskollegen Tarek Al-Wazir (Grüne) nach Niedernhausen, um sich der Diskussion zu stellen. Altmaier zeigte sich zuversichtlich, die Befürchtungen entkräften zu können, und verwies auf das Bundesamt für Strahlenschutz, das mögliche Gefahren regelmäßig überprüfe.

Hessens Wirtschaftsminister Al-Wazir geht sogar davon aus, dass Ultranet Vorteile für die Anwohnerinnen und Anwohner haben könnte. Das Projekt bringe die Möglichkeit mit sich, „die Bevölkerung zu entlasten“, sagte er. Der Grund: Ultranet wird auf einer bereits bestehenden Stromtrasse geplant. Die Hochspannungsleitung, die Wechselstrom transportiert, soll um Kabel für Gleichstrom erweitert werden.

Al-Wazir hofft nun, dass die Trasse auf Teilstücken „verschwenkt“ werden könnte und man „da, wo es geht, von der Wohnbebauung abrücken“ kann. Derzeit verlaufe die Trasse „teilweise sehr nah an den Orten oder sogar in den Orten“.

Ehrgeiziges Ausbauziel 2025

Wenn das Projekt zügig vorankommt, sollen die Genehmigungen bis Ende 2021 erteilt sein, erläuterte Altmaiers neuer Staatssekretär Andreas Feicht. Dann könnten die Leitungen 2025 fertiggestellt sein. Dieses Ziel sei aber „sehr, sehr anspruchsvoll“, fügte Feicht hinzu.

Die Politiker betonten, dass der Leitungsbau durch den Kohleausstieg noch dringlicher werde. Vertreter von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Umweltgruppen hatten sich darauf verständigt, die Kohleverstromung in Deutschland bis 2038 zu beenden. „Wer A wie Atomausstieg und K wie Kohleausstieg sagt, der muss auch L wie Leitungsausbau sagen“, formulierte Al-Wazir. Altmaier sagte, er habe den Netzausbau zur Chefsache erklärt, weil das Gelingen der Energiewende davon abhänge. „Hessen ist ein Schlüsselland der Energiewende“, fügte er hinzu.

Die Minister versprachen, die Bevölkerung mitzunehmen. „Egal, ob es um Straßentunnel geht, ob es um Bahntrassen geht oder um neue Stromleitungen: Ich diskutiere nicht nur mit den Leuten, ich nehme ihre Anregungen auch auf“, versicherte der Grüne Al-Wazir.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) warnte davor, nur den Ausbau der Netze in den Blick zu nehmen. Mit der Ertüchtigung der bestehenden Netze und der Nutzung smarter Technologien könnten Stromautobahnen entlastet werden, sagte VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche.

Ultranet im Überblick

Rund 340 Kilometer lang soll die Gleichstromverbindung Ultranet werden. Sie verläuft von Osterath in Nordrhein-Westfalen bis nach Philippsburg in Baden-Württemberg. Dort wird der letzte Block des Atomkraftwerks Ende dieses Jahres abgeschaltet. Der Strom muss ersetzt werden.

In Hessen soll die Trasse nach Angaben der Bundesnetzagentur durch Hünfelden, Wallrabenstein, Idstein, Niedernhausen, Eppstein, Hofheim, Hochheim, Bischofsheim, Groß-Gerau, Riedstadt, Pfungstadt, Alsbach-Hähnlein, Biblis und Bürstadt verlaufen. Betreiber ist das Unternehmen Amprion. pit

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