Wohnenn in Darmstadt

Mieter dürfen selbst entscheiden

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Die Initiative Rhönring-Fighter und der Bauverein haben einen Kompromiss zum Rückbau der Loggien gefunden. Weitere Gespräche zur Sanierung des Buxbaum-Ensembles sind geplant.

Die Darmstädter Mieterinitiative Rhönring-Fighter hat mit ihrem anhaltenden Protest einen Sieg verbucht: Bei einem Treffen mit der Bauverein AG konnten die Bewohner der Mietshäuser an Rhönring und Spessartring – dem sogenannten Buxbaum-Ensemble – durchsetzen, dass ihre verglasten Loggien nicht zwingend geöffnet werden. Man werde mit jedem einzelnen Mieter sprechen, sagte Pressesprecherin Maren Cornils der FR. Man wolle versuchen sie zu überzeugen, aber „wenn ein Mieter dagegen ist, darf er sie behalten“, so Cornils. Allerdings müsse man dies noch mit der Denkmalschutzbehörde klären.

Für Bernd Münk, Sprecher der Initiative, ist damit „erstmal die aggressive Haltung draußen“. Das sagte er nach dem Treffen. Denn der Streit um die Loggien, die wegen Denkmalschutzauflagen rückgebaut werden sollten, obwohl viele Mieter sie auf eigene Kosten verglast hatten, um zusätzlichen Wohnraum zu erhalten, war ihm sehr wichtig. „Fenster, die erst mal draußen sind, baut man nicht so schnell wieder ein.“ Immerhin 180 der 900 betroffenen Wohnungen verfügen über solche geschlossenen Loggien. „Wir unterschätzten das Loggienthema“, räumte Cornils ein.

Auf dem Treffen vor Weihnachten äußerten die Mieter auch Kritik am Vorgehen des Bauvereins, der bei seinem Großprojekt gar nicht an die Menschen gedacht habe. Dafür habe man sich laut Münk sogar entschuldigt. „Das Gespräch zielte in die richtige Richtung“, sagte Paul Musielak, Administrator der Facebookseite der Initiative. Jedoch müsse der Bauverein einiges tun, um das Vertrauen der Mieter zu gewinnen. Er rief dazu auf, trotz des Kompromisses schriftlich Widerspruch gegen die Öffnung der Loggien einzureichen. Nur so hätten die Mieter später eine Handhabe, falls der Denkmalschutz doch nicht zustimme.

Trotz des gut verlaufenen Dialogs gibt es weitere Streitthemen. Etwa die befürchtete Mieterhöhung oder der geplante Fernwärmeanschluss. Doch das könne man später klären, findet Münk. Laut Cornils soll nun alle vier Wochen ein Treffen von Mietern und Vermieter stattfinden, um die Großsanierung von rund 50 Gebäuden zu begleiten.

Ein weiteres Konfliktthema ist eine durch die Sanierung anstehende Mieterhöhung. Der Bauverein könne nach der Modernisierung die Miete um bis zu elf Prozent erhöhen, sagte Cornils. Natürlich gebe es hierbei Härtefallreglungen. Die Rhönring-Fighter verlangen indes zunächst eine Aufstellung, die zeigt, welche Arbeiten unter Modernisierung und welche unter Instandsetzung fallen, erläuterte Münk. Denn Instandsetzungen könnten nicht auf den Mieter umgelegt werden. Und in den Gebäuden sei seit bald 40 Jahren nichts mehr gemacht worden.

Zudem verlangten die Mieter bei dem Treffen eine Auskunft darüber, seit wann die bald 100 Jahre alten Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Denn Mieter, die vor diesem Datum eingezogen seien, könnten die Sanierung anfechten, so Münk.

Am 22. Januar sollen die nächsten Häuser im Rhönring eingerüstet werden, sagte Münk. Davor habe der Bauverein versprochen, mit den Betroffenen zu sprechen. Ihm lägen vor allem ältere Mieter am Herzen, die sich nicht wehren könnten, sich aber keine Mieterhöhungen leisten könnten.

Die Bauverein AG will bis 2021 insgesamt 50 Millionen Euro in die Sanierung der von Stadtbaurat August Buxbaum geplanten und zwischen 1921 und 1928 entstandenen Mietshäuser investieren. Die städtische Tochter besitzt in Darmstadt knapp 12 000 Wohnungen.

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