Altstadt-Entwicklung

Im Widerspruch zu Frankfurt

  • schließen

90 Architekten und Künstler werden wegen der beschlossenen Altstadt-Pläne im Römer vorstellig.

Frankfurter Architekten und Künstler sehen die im Römer beschlossenen Pläne für ein neues Altstadt-Ensemble am Dom "mit großer Sorge". Ein sieben Seiten umfassender "Offener Brief" ist im OB-Büro, bei Magistrat und Stadtverordneten eingegangen. Die historisierende Bebauung am Platz des zum Abbruch bestimmten Technischen Rathauses in der Braubachstraße lehnen die 90 Unterzeichner ab. Sie sehen sich in dem Vorstoß durch die große Bürger-Resonanz auf Veranstaltungen zum Thema ermutigt.

Für diese Mitglieder des Deutschen Werkbundes und des Bunds Deutscher Architekten (BDA), steht die Absicht, dem Quartier "die Anmutung eines spätmittelalterlichen Stadtkerns zu verleihen", im Widerspruch zu Frankfurt als "Stadt mit einer zukunftsorientierten Baukultur". Die Rekonstruktion einzelner im Zweiten Weltkrieg zerstörter Gebäude sei das Gegenteil von "Bewahrung der vergangenen Stadtgeschichte", heißt es im Brief. Man verdränge ja "die Erinnerung an die dramatischsten geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts".

Eine neue Altstadt im alten Stil habe keinen Anspruch auf Wahrhaftigkeit, derartige "bauliche Kopien" zeugten von der "Unfähigkeit, die heutige Architektur als zeitgemäße kulturelle Leistung anzuerkennen". Es drücke sich auch eine Geringschätzung gegenüber der Architektur der 60er und 70er Jahre aus: "Diese wertvollen Gebäude dürfen nicht wie Abfall behandelt werden."

Die Unterzeichner, darunter Jochem Jourdan, Fritz Novotny, Hans-Ulrich von Mende, Michael Peterek, Ernst-Ulrich Scheffler und Michael Schumacher, betonen zuletzt das "für Frankfurt nicht vertretbare finanzielle Risiko" des Entwicklungsprojektes. Und "nur sehr finanzstarke Bauherren" könnten sich Rekonstruktionen leisten - "eine völlig unverständliche Auswahl in einer demokratisch verfassten Gesellschaft".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare