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Die kleine Bubu (Sandra Kiefer) im Stück „Die Zauberlampe“ erlebt Abenteuer im Reich der Dunkelheit.

Velvets in Wiesbaden

Keine Angst vorm Dunkeln

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Vor 45 Jahren kamen die Velvets nach Wiesbaden, um Schwarzes Theater zu spielen – mit Erfolg. Die neue Version der „Zauberlampe“, ein Stück für Kinder ab vier Jahren, reißt nicht nur die Kleinen von ihren Sitzen.

Scheinbar völlig schwerelos zieht die Krake im Meer ihre Kreise. Sie lässt die Arme schwingen; ihr spärliches Haupthaar tanzt im Wasser. Hinter der Krake stecken vier Menschen, die Schwarzes Theater spielen. Sie nennen sich Velvets, die Samtenen, weil sie in schwarzen Samt gekleidet vor schwarzem Samt agieren. Dabei müssen sie sich sehr präzise bewegen, denn die Lichtgasse der Guckkastenbühne ist schmal. Eine falsche Bewegung und die Magie geht flöten.

Die Theatergruppe Velvets verzaubert ihre Zuschauer schon seit 1967. In diesem Jahr gründete das Ehepaar Bedrich Hány? und Dana Bufková, beide Absolventen der Akademie der Musischen Künste in Prag, das Ensemble. 1968, als der „Prager Frühling“ von den Truppen des Warschauer Paktes brutal niedergeschlagen worden war, verließen die Velvets ihre Heimat und fanden schließlich in Wiesbaden ihr neues Zuhause – vor 45 Jahren. Heute führt die Tochter des Gründerpaares, Barbara Naughton, das Velvets Theater in Wiesbaden. Das Stück „Die Zauberlampe“, in dem die Krake schwimmt, hat Dana Bufková selbst geschrieben. Es ist für Kinder ab vier Jahren geeignet. Darin unternimmt die kleine Bubu (Sandra Kiefer) und ihr noch kleinerer Kobold-Freund Dodo (gespielt von Violetta Sliwinski) eine aufregende Reise zur Herrscherin der Dunkelheit. Die hat Bubus Zauberlampe geklaut, obwohl Bubu doch solche Angst vor der Dunkelheit hat. „Nur wenn du den Mut hast, mein Reich zu betreten, bekommst du die Lampe wieder“, so die Herrscherin.

Also machen sich Bubu und Dodo auf den Weg, treffen einen kitzeligen Frosch, eine fleischfressende Pflanze, eben jene Krake, einen sprechenden Tisch und schließlich eine Blume, die ihnen ein großes Geheimnis verrät. Und am Ende der Geschichte, die ohne viele Worte auskommt, hat Bubu ihre Angst vor der Dunkelheit verloren.

Die Version des Stücks von 1979, die noch ganz ohne Worte auskam, hat Dana Bufková vor Kurzem überarbeitet. „Heute brauchen die Kinder mehr Sprache, sie sind schneller im Denken und auch in ihren Bewegungen“, sagt sie. Manchmal allerdings werde ihr die heutige Forschheit der Kinder auch zuviel, vor allem bei jenen, die ständig alles lautstark hinterfragten, andere Kinder daran hinderten, in die magische Welt des Schwarzen Theaters einzutauchen.

Die neue Version der „Zauberlampe“ jedenfalls kommt gut an bei den Kindern, auch an diesem Nachmittag. So gut, dass Bufková einige neugierige kleine Besucher, die es nicht mehr auf ihren Plätzen gehalten hat, einen halben Meter vor der Bühne einsammeln muss. Doch die meisten Kinder hat das Schwarze Theater voll in seinen Bann gezogen. Sie applaudieren, als Bubu es endlich schafft, einen Turm zu bauen. Die Größeren helfen Bubu lautstark beim Rechnen. „Die Kinder machen sehr schnell mit“, sagt Bedrich Hány?. Überhaupt sei das Schwarze Theater sehr kindgerecht, es könne etwa Gegenstände erscheinen und wieder verschwinden lassen.

Diese magische Guckkastenwelt lässt aber auch Erwachsene alles andere als kalt. Wer lieber ohne Kinder guckt: Die Velvets spielen auch Stücke nur für die Großen.

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