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Auf Expansionskurs: Blick auf das Portalhaus (links) und die neue Halle 11 der Messe Frankfurt.

Manager greifen in die Kriegskasse

Messe will mit Zukäufen wachsen

Den neuen Chef der Frankfurter Messe erwartet ein schwerer Start: Nach Jahren der Rekorde werden in diesem Jahr Umsatz und Gewinn deutlich zurückgehen. Nicht nur, dass die Zahl der Aussteller gesunken ist. Von Peter Dietz

Von Peter Dietz

Den neuen Chef der Frankfurter Messe erwartet ein schwerer Start. Denn mit voller Wucht bekommt nun auch der bisher erfolgsverwöhnte Konzern die Krise zu spüren. Nach Jahren der Rekorde werden in diesem Jahr sowohl Umsatz wie Gewinn deutlich zurückgehen. Das kündigte der im März scheidende Geschäftsführer Michael von Zitzewitz am Montag an.

Die Firmen sparen beim Marketing, schicken weniger Leute zu Messen. Durch Pleiten und Fusionen ist zudem die Zahl potenzieller Aussteller gesunken. Das hat der drittgrößte Messeveranstalter der Welt sowohl im Inland wie Ausland zu spüren bekommen.

Zwar werde der Konzern zum vierten Mal in Folge deutlich mehr als 400 Millionen Euro einnehmen. Einen drastischen Einbruch indes gibt es beim Ertrag. Vor Steuern bleibt ein Gewinn von rund 30 Millionen Euro - das sind 42 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Der Schwund sei global, erklärte von Zitzewitz. In diesem Jahr könnten Rückgänge in der Heimat nicht durch Zuwächse im Ausland ausgeglichen werden. Sorge bereiten vor allem die Konsumgütermessen.

Auch die beiden kommenden Jahre würden schwierig, sagte von Zitzewitz voraus. Er aber wird die Geschicke der Frankfurter Messe dann nicht mehr lenken. Aus Altersgründen - so die offizielle Begründung der Gesellschafter - muss der selbstbewusste Messemacher nach elf Jahren den Vorsitz der Geschäftsführung abgeben. Das tut von Zitzewitz schweren Herzens; gerne hätte er weiter gemacht.

Nachfolger Wolfgang Marzin, zuletzt Messe-Chef in Leipzig, übernimmt im April das Ruder am Main. Er übergebe ein Unternehmen, das fit sei für den internationalen Wettbewerb, sagte von Zitzewitz gestern. Trotz des Schwunds hat Frankfurt die einzige deutsche Messe-Gesellschaft in öffentlicher Hand, die schwarze Zahlen schreibt. Auch sei man bisher ohne Entlassungen durch die Krise gekommen, sagte von Zitzewitz. "Und dabei soll es auch bleiben." Der Konzern beschäftigt weltweit 1600 Leute.

Um wieder wachsen zu können, wollen die Frankfurter ihrer Konkurrenz verstärkt Messen abkaufen. Das wirtschaftliche Umfeld sei dafür jetzt günstig, sagte von Zitzewitz. Not leidende Veranstalter seien in der Krise eher bereit oder gezwungen, Messen abzugeben. Frankfurt habe die Finanzmittel, um zu investieren.

Die Manager wollen tiefer in die Kriegskasse greifen: Statt wie bisher 8 sollen künftig 15 Millionen Euro pro Jahr in den Kauf neuer Ausstellungen gesteckt werden - wenn nötig, auch deutlich mehr. Zudem solle es in der Messegesellschaft eigene Bereiche für Übernahmen und Beteiligungen geben. Die Frankfurter waren zuletzt bei dem Versuch gescheitert, die Leitmesse für die Boom-Branche Computerspiele zu übernehmen. Im Buhlen um die Schau unterlag Frankfurt der Konkurrenz aus Köln.

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