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Die liebevoll gepflegten Oldtimer sind beliebte Fotomotive am Samstag.

Darmstadt

Träume aus Blech und Chrom

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Über 200 Autos sind beim Mercedes-Oldtimer-Treffen auf dem Karolinenplatz in Darmstadt zu bewundern.

Es sind Schätze besonderer Art, die am Samstag auf dem Karolinenplatz vor dem ehemaligen Theater in mehreren Reihen stehen: Über 200 Oldtimer des Autoherstellers Mercedes-Benz ziehen die Blicke der Besucher und Passanten auf sich.

Die zumeist liebevoll gepflegten Oldtimer glänzen im Sonnenlicht, viele Besucher zücken Kamera oder Smartphone, um Fotos zu machen. „So einen hatte mein Patenonkel“, sagt eine Besucherin zu ihrem Begleiter und deutet auf einen hellblauen Mercedes 180. „Den hat er nur zu besonderen Gelegenheiten aus der Garage geholt, das war sein ganzer Stolz“, erinnert sie sich. „Solche Geschichten hören wir hier oft“, sagt Matthias Monien von der Mercedes-Benz Interessengemeinschaft (MBIG) Darmstadt. Die MBIG hat, wie in den Jahren zuvor, zu der Freiluft-Ausstellung eingeladen. „Oldtimer sind mit Geschichten und Emotionen verbunden“, sagt Monien, „man kommt schnell in Kontakt mit anderen Leuten und fast jeder hat eine eigene Geschichte zu erzählen. Mit einem Neuwagen passiert einem das nicht.“

Aus dem ganzen Bundesgebiet sind Oldtimer-Freunde nach Darmstadt gekommen. Die Kennzeichen verraten, dass Mercedes-Besitzer etwa aus Hamburg, Böblingen oder Solingen ihren Weg zum Karolinenplatz gefunden haben. „Manche sind nur kurz da und fahren weiter zu anderen Treffen“, sagt Jörg Herrmann, einer der Organisatoren des Treffens. Eine Darmstädter Besonderheit ist, dass die Teilnahme kostenfrei ist. „Wer kommt, kann seinen Wagen hier ausstellen“, sagt Herrmann.

Ob Limousine, Krankenwagen oder Bestattungsfahrzeug, zu sehen gibt es einiges. Auch Farb- oder Materialkombinationen, die für heutige Augen gewöhnungsbedürftig sind. Zartgrün gefärbte Lederpolster oder an Gardinenstoff erinnernde Innenraumverkleidung. „So einen Pelz hatte mein Vater in seinem Mercedes, der hat immer gekratzt“, sagt ein Besucher beim Blick auf ein mit Fell bespannten Innenraum.

„Ich war mit meinem Wagen bei einem Oldtimer-Treffen in Stuttgart und bekam einen Zettel mit dem Termin hier in die Hand gedrückt, sagt der Darmstädter Christian Lindemer. 50 Jahre ist sein Fahrzeug alt, erst 2016 hat er ihn gekauft. „Ich habe drei Jahre gesucht, um genau dieses Modell in dem Zustand zu bekommen“, sagt er. Ein Satz, der häufig fällt an diesem Nachmittag. „Das richtige Modell in der richtigen Farbe wird oft über Jahre gesucht“, sagt auch Karl Angele aus Riedstadt. Fünf Jahre habe er gebraucht, bis er sein Lieblingsmodell fand. Die Heckflosse Baujahr 1964 in „Havannabraun“ zieht die Blicke auf sich. „Der hat gerade einmal 142 000 Kilometer drauf“, sagt Angele.

Zwar würden die Wagen oft nicht überteuert angeboten, doch für die Wartung entstünden schnell hohe Kosten, sagt Walter Barthelmes. „Eine Originaldichtung kann schnell 140 Euro kosten“, sagt er. Wie Angele pflegt auch er seinen Mercedes-Oldtimer mit viel Sorgfalt: Für die Nummernschilder werden nur verchromte Edelstahlhalterungen genutzt, Plastik ist verpönt. „Es soll ja original sein“, sagt er. Tatsächlich sehen einige der ausgestellten Wagen aus, als seien sie eben erst aus der Fabrik geliefert worden.

„Leider schwächelt Mercedes in letzter Zeit etwas“, sagt Barthelmes. Früher hätte das Unternehmen sich gerühmt, Originalteile über Jahre hinweg anzubieten, inzwischen seien manche Ersatzteile nur noch schwer zu bekommen. „Also muss man auf Messen die Augen aufhalten – oder auch mal auf dem Schrottplatz“, sagt Angele. Außerdem sei die Mitgliedschaft in einem Oldtimerclub hilfreich. „Man muss kein Technikexperte sein, um Oldtimer zu fahren“, sagt Barthelmes, „die Mitglieder der Clubs helfen sich mit Tipps gegenseitig.“

Drei Preise wurden beim Treffen verliehen: Da der Hamburger Besucher schon weggefahren war, erhielt Ralph Pieper aus Solingen, als ältestes /8-Modell wurde das von 1968 von Jürgen Gregor aus Worfelden prämiert. Den Jurypreis für das Auto im besten Erhaltungszustand erhielten Ildiko und Manfred Hegenbart aus Friedrichsdorf.

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