+
Gemeinsam gegen einen neuen Stadtteil.

Wohnen

Menschenkette vor Frankfurt gegen die „Josef-Stadt“

  • schließen

3500 Verteidiger von Heimat und Boden demonstrieren im Feld vor der Frankfurter Skyline. Sie richten sich gegen den neuen geplanten Stadtteil im Nordwesten.

Hand in Hand, überparteilich und interkommunal haben gestern rund 3500 Menschen im Feld gegen Frankfurter Planungen zur Entwicklung eines neuen Stadtteils im Norden und Westen der Metropole demonstriert. Haben mit Blick auf die nahe Frankfurter Skyline eine bunte Menschenkette auf den asphaltierten Wegen durch die Äcker geformt, einig im Ziel, wertvollen Ackerboden und Frischluftschneisen für Frankfurt zu erhalten. Und haben am Ende mit einer gemeinsamen La-Ola-Welle von Oberursel nach Frankfurt und zurück Entschlossenheit demonstriert, Boden und Heimat gegen visionäre Bauplanungen zu verteidigen.

Die sogenannte „Josef-Stadt“ will hier keiner, der Aufmarsch bei Spätsommerhitze ist eine klare Absage an die Visionen des Frankfurter Planungsdezernenten Mike Josef (SPD). „Wir schneiden uns den Ast ab, auf dem wir sitzen“, sagt einer am Wegesrand. Gemeint ist damit neben dem Verlust von Naherholungsflächen im letzten Grüngürtel zwischen Metropole und Taunuskamm auch das Zerstören von Ackerböden für die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln, wie etwa Udo Keil moniert, der aus Kronberg gekommen ist.

Die Begriffe Heimat und Boden haben eine neue Wertigkeit bekommen an der Protestfront, zur Demonstration mit Menschenkette hatte die Bürgerinitiative „Heimatboden Frankfurt“ unter dem Motto „Grün statt grau – kein Klima-GAU“ aufgerufen. Mehr als zwei Dutzend Ortsverbände vor allem der CDU, von FDP und Grünen und Bürgergemeinschaften haben sich dem Aufruf angeschlossen, ebenso Bauernverbände und das Bündnis Bodenschutz mit lokalen Ablegern bis Friedberg und die Wetterau.

Banzer: relativ wahnsinnig

„Hier ein Wohnkomplex, das ist schon relativ wahnsinnig“, sagte bei der Abschlusskundgebung auf dem nahe gelegenen Fasanenhof der CDU-Landtagsabgeordnete Jürgen Banzer aus Oberursel. Die Entscheidung pro oder kontra „Josef-Stadt“ müsse unter regionalplanerischen Gesichtspunkten fallen, er sei „optimistisch“, dass eine Mehrheit gegen die Pläne zustande komme. Entscheidende Kriterien für die Ablehnung einer Bebauung auf beiden Seiten der A5 seien der gute Boden an dieser Stelle und die „Frankfurter Belüftung“. In Steinbach sitzen CDU, FDP und Grüne mit im Protestboot, der Landtagsabgeordnete und frühere Steinbacher Bürgermeister Stefan Naas (FDP) formulierte einen flammenden Appell, die Pläne für eine „Trabantenstadt neben einer zehnspurigen Autobahn“ zu verwerfen, und sieht wie Banzer gute Chancen für die Bewegung Heimatboden und ihre Anhänger.

Unterdessen kommt Kritik aus den Reihen der SPD. Deren Ortsgruppen stehen zu Parteifreund Josef, sie haben den Aufruf zur Menschenkette nicht unterschrieben. Die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen nennt die Kritik an Mike Josef „überzogen, sachlich falsch und stark verzerrt“. Dieser versuche, mit innovativer und vorausschauender Stadtplanung einen „bezahlbaren und umweltfreundlichen Stadtteil zu schaffen“. Die IHK Frankfurt hat am Wochenende einen regionalen Dialog zum geplanten Stadtteil im Frankfurter Norden gefordert. Ohne ausreichenden Wohnraum werde es keine erfolgreiche Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Rhein-Main geben. An der „Aktivierung großflächiger Areale“ führe kein Weg vorbei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare