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Menschen mit Rückgrat geehrt

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Bürgermeisterin Antje Runge (r.) mit Annette Andernacht. jp
Bürgermeisterin Antje Runge (r.) mit Annette Andernacht. jp © jp

Auszeichnungen bei Bürgerempfang

Oberursel - Weit mehr als den aufrechten Gang bedeutet Haltung die innere Verfassung eines Menschen, seine Einstellungen, sein Wertegerüst. Handlung fußt auf Haltung, auf einer sittlich guten Grundeinstellung. Auf diesen Kern ließen sich die Redebeiträge während des Bürgerempfangs zurückführen. Haltung zeige sich im Einsatz für Freiheit, Demokratie, Frieden und Toleranz, so Bürgermeisterin Antje Runge (SPD).

Haltung spiegele sich gleichermaßen wider in der Bereitschaft, gemeinsam mit anderen Verantwortung zu übernehmen, „Expertise einzubringen und gemeinsam zu handeln“, unterstrich Stadtparlamentschef Lothar Köhler (CDU). Ihnen sei es ein Herzensanliegen, Mitbürger für ihre vorbildliche Haltung und ihr beispielhaftes Handeln auszuzeichnen, sagten beide. Daher stehe der Bürgerempfang im Rushmoorpark erstmals unter einem Leitgedanken „Oberursel zeigt Haltung“.

Für ihr Engagement, den Opfern des Nationalsozialismus ein Denkmal zu setzen, wurde Annette Andernacht mit der Bürgermedaille ausgezeichnet. Den Jugendehrenamtspreis der Stadt und des Rotary Clubs erhielten Ajay Brar und Dennis Vogt, beide Schüler der Feldbergschule und Initiatoren von „Schule mit Courage, Schule ohne Rassismus“.

„Hartnäckig und mit echter Leidenschaft“ habe sich Andernacht dafür engagiert, „die Opfer des Nationalsozialismus aus ihrer Namenlosigkeit herauszuholen und eine Kultur der Erinnerung an die Schrecken der Diktatur zu bewahren“, würdigte Runge. „Manche Bedenken, manche Widerstände“ hätten dabei ausgeräumt werden müssen. Es gelte, die Botschaft „Nie wieder 1933!“ weiterzutragen, so Runge.

Sie strich heraus, dass es gelungen sei „Kritiker zu Beteiligten zu machen, Ansichten zu verändern“ und Vorbehalte auszuräumen. Spürbar bewegt dankte Andernacht für die Ehre, „diese Medaille zu erhalten“. Sie habe über all die Jahre „Hilfe und Solidarität erfahren, mitunter von Menschen, von denen sie das nicht erwartet“ habe. Umgekehrt habe es auch Kritik und Angriffe gegeben. „In der Öffentlichkeit zu stehen und zu agieren, macht angreifbar“, sagte Andernacht. Vor einigen Jahren sah sie sich „Telefonterror und Karten mit Drohungen“ ausgesetzt, als sie ebenso hartnäckig Schmierereien mit rechtsextremistischem Inhalt entfernte.

Wie rassistisch und diskriminierend vermeintliche Witze und lockere Sprüche sein können, dafür sensibilisieren Ajay Brar und Dennis Vogt ihre Mitschüler an der Feldbergschule. Dafür zeichneten sie Cornelia Andriof, Präsidentin des Oberurseler Rotary Clubs, und die Bürgermeisterin mit dem Jugend-Ehrenamtspreis aus.

„Wir haben uns mit der Schülervertretung zusammengesetzt, um den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung besser in den Schulalltag einzubauen“, skizzierte Brar das Projekt. Dabei gehe es besonders darum, aufzuzeigen und zu lernen, was einzelne Aussagen bedeuten und warum sie keinen Platz im Miteinander der Schulgemeinschaft haben, ergänzte Vogt. Dafür haben die Schüler einen Film produziert und auf der Internetseite der Feldbergschule eingestellt.

„Das Projekt ist noch nicht gegessen, wir haben uns verpflichtet, weiter mit anderen zu reden“, unterstrichen Schulsprecher Brar und Abiturient Vogt.

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