+
Hans Joachim Mendig, hier mit dem damaligen hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (l.), bei der Bekanntgabe der Nominierungen für den Hessischen Film- und Kinopreis 2018 am 21. September 2018.

Nach Treffen mit AfD-Chef

Mendig muss Hessenfilm verlassen

  • schließen
  • Jutta Rippegather
    Jutta Rippegather
    schließen
  • Kathrin Rosendorff
    Kathrin Rosendorff
    schließen

Der Aufsichtsrat der Hessenfilm und Medien GmbH beendet die Zusammenarbeit mit dem Chef der Filmförderung. Im Gremium ging es um den „Imageschaden“ nach einem Treffen Mendigs mit AfD-Chef Meuthen.

Der Geschäftsführer der Hessischen Filmförderung, Hans Joachim Mendig, ist nach seinem umstrittenen Treffen mit AfD-Chef Jörg Meuthen raus aus dem hessischen Filmgeschäft. In einer mehrstündigen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der Hessenfilm und Medien GmbH beschloss das Gremium am Dienstag einstimmig die Zusammenarbeit mit Mendig zu beenden. Das teilte das Ministerium für Kunst und Wissenschaft in Wiesbaden mit.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Grüne), die dem Aufsichtsrat der Hessischen Filmförderung vorsitzt, hatte zu der Sitzung eingeladen, nachdem es seit Wochen Proteste von mehr als 300 Filmschaffenden gab.

Jurymitglieder hätten Rücktritte angekündigt, und zudem sei der Imageschaden für das Land und Hessenfilm ein wichtiges Thema gewesen, teilte das Ministerium mit. Filmschaffende hatten über eine länger andauernde Entfremdung im Verhältnis zu Mendig berichtet. Forderungen nach seinem Rücktritt wurden dann laut, nachdem ein Treffen Mendigs mit AfD-Chef Jörg Meuthen bekanntgeworden war. Ende Juli hatte Meuthen auf Instagram ein Foto gepostet, auf dem er selbst, Mendig und der Frankfurter PR-Manager Moritz Hunzinger in einem Gespräch zu sehen sind. Die drei lächeln in die Kamera. Meuthen hatte geschrieben, es habe ein „angeregter und konstruktiver politischer Gedankenaustausch“ stattgefunden. Mendig selbst gab nur an, dass es sich um privates Treffen gehandelt habe. Auf eine FR-Anfrage am Dienstag reagierte er nicht.

Jörg Meuthen, Hans Joachim Mendig und Moritz Hunzinger beim Plausch - dieses Foto ist Mendig jetzt zum Verhängnis geworden.  

Kunst- und Kulturministerin Dorn sagte der FR: „Mit der Abberufung kann Mendig seine Tätigkeit nicht fortsetzen.“ Ungeklärt ist aber zunächst, wie sein Vertragsverhältnis rechtlich beendet wird, das noch zwei Jahre dauern würde. Denkbar sind etwa eine Kündigung oder ein Auflösungsvertrag. Ob und wie viel Geld Mendig noch bekommt, hängt von möglichen juristischen Entscheidungen oder Verhandlungen ab.

Hannes Karnick, Mitglied der Initiative Hessenfilm, sagte der FR: „Dass die Zusammenarbeit mit Mendig beendet ist, ist zunächst einmal eine konsequente Entscheidung, aber ich fände es bedenklich, wenn er weiter Geld vom Land bekommt.“ Karnick betonte zudem, es sei wichtig, so schnell wie möglich Mendigs Position mit einer „vertrauensvollen Person“ neu zu besetzen, um einen weiteren Imageschaden abzuwenden. Denn gerade in der Filmbranche seien die Arbeitsbeziehungen auf Vertrauen aufgebaut. Mendig habe seines gerade dadurch verspielt, weil er es nach seinem AfD-Treffen nicht einmal für nötig gehalten habe, dazu Stellung zu beziehen.

Die Fraktionschefin der hessischen Linken, Janine Wissler, sprach von einem „guten und richtigen Schritt“. Der Aufschrei der Künstler habe Gehör gefunden, sagte sie. „Jemand, der mit der AfD sympathisiert“, sei in der Filmförderung fehl am Platz. Mendig habe sich auch nie von den Rechtspopulisten distanziert.

Frank Grobe, AfD-Obmann im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst, warf Ministerin Dorn vor, sich dem Druck der Künstler gebeugt zu haben, statt sich vor Mendig zu stellen. In einer demokratischen Gesellschaft müsse es möglich sein, Privatgespräche zu führen, ohne seinen Arbeitsplatz zu gefährden. „Was für eine Gesellschaft sind wir geworden, wenn niemand mehr mit der parlamentarischen Opposition reden darf?“

Stefan Naas von der FDP forderte Angela Dorn auf, die Obleute über die Gründe der Entlassung zu informieren. Der SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Grumbach sagte zur Entscheidung vom Dienstag, sich von Mendig zu trennen: „Mit einem neuen Geschäftsführer, der das Vertrauen der Filmschaffenden genießt, ist ein guter Neustart möglich.“

Von Pitt von Bebenburg, Jutta Rippegather und Kathrin Rosendorff

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare