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Platz für ein eigenes Arbeitszimmer haben die wenigsten, die zu Hause arbeiten.
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Platz für ein eigenes Arbeitszimmer haben die wenigsten, die zu Hause arbeiten.

Corona – was kommt, was bleibt?

Mein Leben in der Krise:Seit 15 Monaten im Homeoffice

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Viele Arbeitnerhmerinnen und Arbeitnehmer haben ihr Büro seit mehr als einem Jahr nicht gesehen. Ein Betroffener erzählt.

Mario S. ist 39, wohnt in Dietzenbach und arbeitet bei einem Frankfurter Dienstleistungsunternehmen. Das heißt, eigentlich arbeitet er zu Hause, und das seit März vergangenen Jahres mit nur wenigen Unterbrechungen. Sein Arbeitgeber ist der Ansicht, das sei sicherer so. Jedenfalls ist das die offizielle Begründung. Mario S. (der anders heißt) glaubt, dass es auch noch andere Motive gibt. Damit er frei darüber sprechen kann, hat er gebeten, seine Identität nicht preiszugeben. Also erzählt er:

„Homeoffice ist eigentlich gar nicht so schlecht, schließlich spare ich mir morgens den Weg zur Arbeit. Statt wie meistens im Stau zu stehen, gehe ich einfach an den Esstisch und mache den Computer an. Und Abends bin ich auch früher zu Hause.

Das heißt, zu Hause bin ich natürlich die ganze Zeit. Seit März. Wir haben ein Baby, der Kleine ist jetzt sechs Monate alt und damit ja fast so was wie ein Corona-Baby. Meine Frau ist zu Hause, sie will wieder arbeiten gehen, wenn der Kleine in die Kinderkrippe kommt, also wahrscheinlich nächstes Frühjahr.

Die Serie

Wie verändern sich Arbeitswelt und Mobilität durch die Krise? Wie werden unsere Kinder künftig unterrichtet, wie verändern sich die Innenstädte? Diese Fragen beleuchten wir in der FR-Serie „Corona – was kommt, was bleibt?“. Zur Übersicht über die Serie.

Bislang klappt das mit dem Arbeiten zu Hause ganz gut, von mir aus kann das auch noch so weiter gehen. Natürlich weiß ich nicht, wie das in ein oder zwei Jahren aussieht. Wenn ich dann immer noch zu Hause sitze, fühle ich mich wahrscheinlich abgehängt. Das geht mir jetzt auch manchmal schon so. Wir sind sieben Kollegen in der Abteilung, nur zwei sind regelmäßig im Büro. Das sind auch die einzigen, die ich zwischenzeitlich mal in echt gesehen habe. Ansonsten schalten wir uns regelmäßig in Videokonferenzen zusammen. Aber das ist irgendwie etwas anderes. Wenn man sich nur so selten sieht, kann man nicht so reden wie sonst.

Früher haben wir auch mal einfach so in der Teeküche zusammen gestanden, mal über den Chef gemeckert oder vom Urlaub erzählt. Das geht in den Konferenzen natürlich nicht. Da ist dann alles gleich so offiziell.

Außerdem weiß ich nicht was wird, wenn meine Frau wieder arbeiten geht. Sie kann kein Homeoffice machen, dann sitze ich ganz alleine in der Wohnung, muss mir selbst Essen machen oder das Geschirr abräumen und so. Ich bin ja nicht faul, aber im Büro ist das schon bequemer. Und wenn in ein paar Jahren die Schule anfängt, dann kommt der Kleine ja mittags nach Hause. Das könnte schon stressig werden. Und so viel Platz, dass ich ein eigenes Arbeitszimmer einrichten könnte, haben wir auch nicht.

Es heißt, wir sollten zu Hause bleiben, weil wir uns dann nicht anstecken können. Aber bald bin ich ja hoffentlich geimpft und die anderen auch. Ich glaube, die Firma will einfach Geld sparen, schließlich braucht sie ja nicht so viele Büros, wenn viele zu Hause sitzen. Außerdem sollen wir wohl bald umziehen, heißt es. Und deshalb denke ich auch, dass es nicht so schnell heißen wird, dass wir alle wiederkommen sollen.

Am liebsten wäre mir, bald wieder ein oder zwei Tage die Woche zur Arbeit zu fahren. Ich weiß auch nicht, ob ich zu Hause alles mitbekomme, was für die Firma oder mich wichtig ist. Ganz ohne Homeoffice aber kann ich es mir auch nicht mehr vorstellen. Zu Hause in Ruhe frühstücken und nach dem Abschalten des Rechners raus auf die Terrasse zu gehen, das hat schon was.

Aufgezeichnet von Peter Hanack

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