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Mit bunten Würfeln erklärte Bundesministerin Franziska Giffey am Mittwoch das „Gute-Kita-Gesetz“.

Landespolitik

Mehr Zeit für den Nachwuchs in Hessens Kitas

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Das Land bekommt in den nächsten zwei Jahren 412,6 Millionen Euro vom Bund. Die investiert es in einen besseren Betreuungsschlüssel. Problem ist der Fachkräftemangel.

Hessens Kindertagesstätten sollen mehr Personal bekommen und die Leitungen mehr Zeit: Das sind die hessischen Schwerpunkte bei der Umsetzung des „Gute-Kita-Gesetzes“. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) setzten am Mittwoch in Wiesbaden ihre Unterschriften unter den Vertrag. Demnach wird der Bund in den nächsten beiden Jahren 412,6 Millionen Euro nach Wiesbaden überweisen, um die Qualität der Kinderbetreuung zu sichern und weiterzuentwickeln.

Gute-Kita-Gesetz
Hessenist das letzte Bundesland, das den Vertrag mit dem Bund unterzeichnet. Jetzt kann das Geld fließen.Bis zum Jahr 2022 erhält das Land rund 412 Millionen Euro für die Kinderbetreuung.

Bundesweitstehen 5,5 Milliarden Euro bis 2022 bereit, um die Kinderbetreuung zu verbessern. Die Länder können haben zehn Varianten, in die sie investieren können.jur

Erstmals würden in Hessen Träger verpflichtet, der Kita-Leitung ein festes Zeitkontingent von 20 Prozent für administrative Aufgaben oder Elterngespräche einzuräumen. Das, sagte Klose, sei ein „Paradigmentwechsel“. Der Mindestpersonalbedarf werde so erhöht, dass mehr Zeit für die Kinder bleibe. Das Land selbst lege aus seinem „Gute-Heimat-Gesetz“ noch eine Schippe drauf: Die Träger erhalten aus dem Topf bis 2024 insgesamt 720 Millionen Euro für Betriebskosten, pädagogische Arbeit und zusätzliche Fachkräfte. Ergänzend zu den Aktivitäten des Bundes fördert Wiesbaden mindestens 200 zusätzliche praxisintegrierte, vergütete Ausbildungsplätze. Kostenfreie Ausbildung und gute Arbeitsbedingungen seien der Schlüssel, um das Problem des Fachkräftemangels zu lösen, sagte Giffey. Nach Angaben den Sozialministeriums studierten im vergangenen Jahr 5754 angehende Erzieherinnen und Erzieher an öffentlichen Schulen, die kostenfrei sind. 2418 an Schulen freier Träger.

Wie die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl anmerkte, fehlen in Hessen rund 8000 Fachkräfte. Daher seien die angekündigten zusätzlichen 200 Ausbildungsplätze nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bedauerlich sei, dass die Landesregierung keine Mittel des Bundes für eine vollständige Gebührenfreiheit nutzen will. „Damit bleibt die Teilhabe ein Problem“, sagte Gnadl. FDP-Fraktionschef René Rock forderte eine Ausbildungsvergütung für alle sowie eine Ausweitung der praxisintegrierten Ausbildung: „Ohne ausreichend qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher sind sämtliche Pläne nicht zu realisieren.“ Christiane Böhm von der Linksfraktion begrüßte die Verbesserungen bei der frühkindlichen Bildung, kritisierte aber die Kofinanzierung über das „Starke-Heimat-Hessen“-Paket: „Es ist zum Fremdschämen, dass die Landesregierung die Kommunen zur Kasse bittet, statt originäre Landesmittel einzusetzen.“

Wie der Sozialminister ergänzte, sollen die vorgestellten neuen Standards bis 1. August nächsten Jahres umgesetzt sein. Wer das nicht schaffe, könne eine „Duldungsfrist“ bis 31. Juli 2022 nutzen. Giffey zeigte sich optimistisch, dass das Geld aus Berlin auch nach 2022 fließen wird, obwohl Kinderbetreuung Aufgabe der Länder ist. Dies habe sie in der „Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse“ angeregt, und die Bundesregierung habe bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst.

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