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Mehr Zeit fürs Abitur

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Von: Peter Hanack

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Frankfurt am Main | 08 October 2015
Frankfurt am Main | 08 October 2015 © peter-juelich.com

An Hessens Schulen gibt es Erleichterungen bei den Abschlussprüfungen auch an der Hauptschule und der Realschule. Die GEW sagt, die Situation der Prüflinge sei „dramatisch“.

Die Abschlussprüfungen in der Haupt- und Realschule und für das Abitur stehen bevor. Wieder war es ein Schuljahr, das aufgrund von Corona mit deutlichen Einschränkungen beim Unterricht verbunden war. Die Prüflinge werden deshalb - wie schon 2021 - einige Erleichterungen erhalten.

So bekommen die Schulen für jedes Prüfungsfach im Abitur einen zusätzlichen Aufgabenvorschlag. Die Lehrkräfte sollen so besser auswählen können, welche der Aufgaben dem jeweiligen Kenntnisstand ihrer Schülerschaft entsprechen. Außerdem gibt es wieder eine längere Bearbeitungszeit, unter anderem, um die Nachteile durch das Maskentragen ausgleichen und mehr Pausen einlegen zu können. Im Grundkurs sind das 25, im Leistungskurs 30 Minuten.

Regeln wie 2021

Im Haupt- und Realschulbildungsgang sollen nach Auskunft des Kultusministeriums voraussichtlich ebenfalls die gleichen Regeln wie im Vorjahr gelten. Eine endgültige Entscheidung dazu stehe aber noch aus. Die Termine wurden bereits - wie auch 2021 - drei Wochen nach hinten geschoben. Außerdem gab es damals zusätzliche Wahlaufgaben in allen Prüfungsfächern.

„Die Situation der Abschlussklassen ist dramatisch“, sagt dazu Thilo Hartmann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen. Die Schüler:innen, die jetzt vor dem Abschluss ständen, hätten am meisten unter der Pandemie zu leiden gehabt. Aufgrund vieler Corona-Fälle seien die individuellen Unterschiede so groß wie nie zuvor. Insbesondere Schüler:innen, die besondere Unterstützung benötigten, würden stark benachteiligt. Hartmann fordert, deshalb die schriftlichen Prüfungen für Haupt- und Realschüler:innen auszusetzen. Wie bis 2005 in Hessen üblich, solle statt dessen die Zeugnisnote als Abschlussnote übernommen werden. Beim Abitur solle eines der fünf Prüfungsfächer wegfallen können.

Keine Zweitkorrektur?

Reinhard Schwab, Vorsitzender des Hessischen Philologenverbands, erhofft sich ein Abitur „ohne große Aufregungen und ohne Niveauverluste“. Günstig sei, dass die Abiturprüfungen wie auch 2021 erst nach den Osterferien begännen. Nötig sei aber, den Lehrkräften parallel zum laufenden Schulbetrieb ausreichend Zeit für die Korrektur der Klausuren einzuräumen. Hartmann fordert in diesem Zusammenhang, die Zweitkorrektur zu streichen.

Auch nach Einschätzung von Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), sind die jetzigen Abschlussjahrgänge massiv vom monatelangen Distanzlernen im ersten Jahr der Pandemie betroffen. Je nach Schule habe es Unterricht nach festem Onlinestundenplan oder einen bloßen Austausch analoger Arbeitsergebnisse gegeben. Darüber hinaus seien einzelne Kinder und Jugendliche quarantänebedingt vom Präsenzunterricht ausgeschlossen gewesen. „Die Lücken sind also äußerst individuell“, so Wesselmann. Um dem zu begegnen, seien mehr Auswahlmöglichkeiten bei den Aufgaben richtig.

Kinder sind Hauptleidtragende

„Die Bedingungen sind inzwischen so unterschiedlich, dass sich darauf nicht pauschal antworten lässt“, sagt auch Volkmar Heitmann, Vorsitzender des Landeselternbeirats. Die vergangenen zwei Jahre wirkten sich natürlich auf die Abschlussprüfungen aus. Wichtig sei, dass den Schülerinnen und Schülern dadurch keine Nachteile entstünden. Abgeprüft werden dürfe nur der Stoff, der auch tatsächlich unterrichtet worden sei.

„Unsere Kinder zählen zu den Hauptleidtragenden der Pandemie“, sagt Heitmann. Ausbildende Betriebe, Berufsschulen und Hochschulen sollten berücksichtigen, dass die Schülerinnen und Schüler noch „suboptimalere“ Lernbedingungen gehabt hätten als das ohnehin der Fall sei.

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