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Mehr Platz nur in großen Häusern

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Von: Andreas Hartmann, Meike Kolodziejczyk

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Für kleine Theater ändert die neue Corona-Verordnung nichts

Der Chef des English Theatre Frankfurt, Daniel Nicolai, klopft auf Holz, kreuzt die Finger und tut, was sonst noch so alles Glück bringt. Denn bisher hat das Theater mit seiner aufwendigen Musical-Eigenproduktion „Young Frankenstein“ trotz nie dagewesener Corona-Zahlen noch keine einzige Vorstellung absagen müssen, wie er am Montag berichtet. „It’s a miracle – es ist ein Wunder“, meint er lachend. Soeben hat das Theater wegen des großen Publikumsinteresses beschlossen, das Musical bis zum 3. April zu verlängern – da heißt es also weiterhin Daumendrücken.

Die Besetzung, das sind zwölf Profis aus Großbritannien, die singend und tanzend an sechs Tagen der Woche auf der Bühne stehen, begleitet von sechs Musikern, dazu arbeiten hinter den Kulissen nochmals zehn Leute. „Und das ist noch ohne unsere Techniker und die studentischen Aushilfen gerechnet“, sagt Nicolai. Dass im Ensemble noch kein Corona-Fall aufgetreten ist, erklärt er sich mit der großen Sorgfalt der Schauspieler:innen. Das Ensemble wohnt während der Zeit in Frankfurt, „und sie geben sehr darauf Acht, Ansteckungen zu vermeiden“. Außerdem werde täglich getestet.

„Volles Haus“ bedeutet im English Theatre, dass maximal 150 der 301 Plätze besetzt werden dürfen. „Wir machen jeden Nachmittag einen aktuellen Sitzplan mit Abstand im Schachbrettmuster. Wenn viele einzelne Leute kommen, blockiert das aber mehr Platz als eine Familie aus einem Haushalt, die nebeneinander sitzen dürfen“, sagt er. Deshalb werde die maximal mögliche Besucherzahl auch nur selten erreicht. „Für uns wird sich mit der Neuregelung nichts am Belegungsplan ändern. Davon profitieren nur größere Häuser“, sagt Nicolai.

Auch die Frankfurter Komödie neben dem Opernhaus, wo seit Anfang Februar Eric Assous’ „Ein Satz zu viel!“ läuft, hat bisher großes Glück gehabt, wie Katrin Laier vom Theater berichten kann. „Man hört von Kollegen in anderen Städten, dass sie Vorstellungen wegen Corona-Fällen absagen müssen. Aber das ist uns Gott sei Dank bisher noch nicht passiert.“

Die Stücke sind nicht doppelt besetzt, bei Erkrankungen müsste kurzfristig abgesagt werden. Die Komödie biete den Mitarbeitenden freiwillige Tests an. Auch hier werde sich mit der neuen Verordnung wohl nichts ändern. „2G+, Maskenpflicht und ein Schachbrettplan – das ist inzwischen ja nichts Neues mehr.“ Es sei allerdings schwierig, die ständig wechselnden Verordnungen umzusetzen, da klare Ansagen der Politik fehlten. Das verunsichere auch das Publikum.

Mit Blick auf dieses müssten Kulturinstitutionen zunächst fragen, „was verantwortungsvoll ist“, betont Matthias Pees, Intendant des Frankfurter Mousonturms. „Es geht uns schließlich nicht darum, alles bis zum Anschlag vollzustopfen“, sondern darum, „ein gutes Gefühl und Sicherheit zu vermitteln.“ Das Personal sowie die auftretenden Ensembles würden täglich getestet, „wir müssen tagesaktuell entscheiden, ob gespielt werden kann oder nicht“. Der Saal des Mousonturms fasst knapp 200 Plätze, die neue Regel, die für Veranstaltungsorte mit mehr als 250 Plätzen gilt und für diese fortan eine Auslastung von bis zu 30 Prozent vorsieht, ändere somit nichts. Überhaupt habe es das Künstlerhaus bislang „nicht so hart getroffen“, sagt Pees.

Anders als manch größere Bühne. Die Alte Oper Frankfurt etwa musste etliche Gastspiele und Shows wegen der Pandemie komplett absagen. Die neue Verordnung weise „in die richtige Richtung“, meint Intendant Markus Fein. „Ich hoffe nun sehr, dass in der nächsten Runde eine weitere Lockerung beschlossen wird, und zwar hin zum ‚Schachbrett‘.“ Erst dann würde sich der Spielbetrieb in der Alten Oper allmählich normalisieren. Die damit verbundene Belegung von 50 Prozent, statt der jetzt möglichen 30 Prozent, garantiere Sicherheit und balanciere „die Interessen auf vernünftige Weise aus“.

Die Neuerungen seien zwar gut für die Frankfurter Jahrhunderthalle, die nun weit mehr Gäste einlassen kann, „sie kommen aber zu spät“, sagt Geschäftsführer Moritz Jaeschke. Für Februar seien ohnehin schon fast alle Veranstaltungen abgesagt, bis vorerst Anfang März gelten die neuen Regeln. „Wir brauchen Planungssicherheit und einen viel längeren Vorlauf.“ Zudem liege die „Crux im Detail“. So sei etwa nicht klar, auf welche Maximalauslastung sich die Kapazität von 30 Prozent beziehe. Der bestuhlte Kuppelsaal fasse etwa 2700 Plätze, Stehplätze gäbe es aber 4800.

Für Ralf Scheffler, Chef der Frankfurter Batschkapp, sind die „vermeintlichen Lockerungen“ im Veranstaltungsbereich „wieder mal Mogelpackungen“. Bei genauerem Hinsehen müsse man feststellen, „dass sich die Lage für uns tatsächlich nicht verbessert hat“. Ein großer Bereich der Branche sei bereits jetzt nachhaltig geschädigt. „Und das wird mit Fortdauer der Situation nicht besser.“

Ein weiteres großes Haus in Hessen, das von den Änderungen betroffen ist, ist das Staatstheater Darmstadt mit den Sparten Musik, Oper, Tanz und Schauspiel. Am Montag seien dort die nun gültigen Verordnungen in der finalen Form eingetroffen, berichtet Pressesprecherin Judith Kissel. „Wir gehen umgehend an die Umsetzung.“ Für das Große Haus bedeutet das fast eine Verdoppelung der Plätze von 250 auf 460 Zuschauer:innen. In den Kammerspielen bleibt die Platzanzahl mit 130 bis 140 aber unverändert.

Alle an Proben oder Vorstellungen beteiligten Darsteller:innen und Musiker:innen würden täglich getestet, sagt Kissel. „Alle sind darin inzwischen sehr routiniert.“ Deshalb und wegen der Doppelbesetzung wichtiger Partien sei das Staatstheater von krankheits- und coronabedingten Vorstellungsausfällen mehrheitlich verschont geblieben.

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