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Anwerbung und ausländische Fachkräfte sollen helfen, die Lücken zu schließen.

Gesundheit

Mehr Pfleger aus dem Ausland in Hessen

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Die Zahlen steigen. Doch für die Gewerkschaft Verdi ist Anwerbung nicht die Lösung, sie fordert bessere Arbeitsbedingungen.

Hessens Pflegeeinrichtungen suchen händeringend nach Fachpersonal. 1696 offene Stellen verzeichnete die Agentur für Arbeit im Juni alleine in der Altenpflege. Einzig Berufe in der Lagerwirtschaft und im Verkauf sind noch stärker gefragt. Auch in Krankenhäusern herrscht Not. Und das ist erst der Anfang: „Die Nachfrage wächst seit Jahren schneller als die Ausbildungskapazitäten steigen“, heißt es in einer Antwort des hessischen Sozialministeriums auf eine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Yanki Pürsün. Das Land geht davon aus, dass bis zum Jahr 2035 fast 13 000 Altenpfleger benötigt werden. Das bedeute eine Verdoppelung der Vollzeitstellen bis dahin.

Anwerbung und ausländische Fachkräfte sollen helfen, die Lücken zu schließen. Im vergangenen Jahr stellten rund 1990 ausländische Pflegekräfte in Hessen einen Antrag auf Anerkennung ihrer Qualifikation, 660 mehr als 2016. „Die Zahl der Antragsverfahren ist stetig steigend und hat sich in den letzten Jahren insbesondere bei Anträgen aus Drittstaaten deutlich erhöht“, heißt es in der Antwort des Sozialministeriums. Die meisten Antragsteller kamen aus Serbien, gefolgt von Bosnien und Herzegowina sowie den Philippinen, informiert das Regierungspräsidium Darmstadt, das hessenweit für die Anerkennung zuständig ist.

Hilfe aus dem Ausland

Die Zahl der Anträge auf Anerkennung ausländischer Gesundheitsabschlüsse hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Das für ganz Hessen zuständige Regierungspräsidium Darmstadt registrierte im vergangenen Jahr fast 2000 Anträge.

Die meisten Antragsteller kamen aus Serbien (576), gefolgt von Bosnien und Herzegowina (379) und den Philippinen (249), mit denen ein Sonderabkommen besteht.

Alle drei sind Nicht-EU-Länder - sogenannte Drittstaaten, bei denen nach Ministeriumsangaben stets Einzelfallprüfungen stattfinden. „Hier wird die ausländische Ausbildung mit der deutschen Ausbildung auf wesentliche Unterschiede von der zuständigen Landesbehörde (Regierungspräsidium Darmstadt) geprüft“, heißt es in der Antwort. Würden wesentliche Unterschiede festgestellt, die auch Berufserfahrung nicht wettmachen könne, gebe es die Möglichkeit von Lehrgängen oder einer Prüfung.

Die Gewerkschaft Verdi Hessen stellt eine moralische Bedingung für das Anwerben ausländischer Pfleger: Sie dürften dann nicht in ihrem Heimatland fehlen, sagt Gesundheitsexperte Georg Schulze-Ziehaus der FR. Auch zeige die Erfahrung, dass die Anwerbung nicht so einfach seit. Von den Kräften aus Spanien etwa seien viele nur kurz geblieben – weil in ihrem Land Pflege eine universitäre Ausbildung ist und die Tätigkeiten andere sind. „Die kamen mit dem hiesigen System nicht zurecht.“ Auch fehlende Sprachkenntnisse seien ein Hindernis. „Das beschert dem schon vorhandenen Personal noch mehr Arbeit.“ Wobei die Kollegen umgekehrt selbstverständlich für jede weitere Hand dankbar seien.

„Ausländische Kräfte können das Problem nicht lösen“, sagt Schulze-Ziehaus. Er fordert, den Beruf attraktiver zu machen: Mit besserer Bezahlung, speziell bei der Altenpflege, und besseren Arbeitsbedingungen. Derzeit bleibe eine Pflegekraft im Schnitt nach der Ausbildung drei Jahre im Beruf, bevor sie sich einen ganz anderen Job suche. Oder sie wechsele gleich zur Zeitarbeitsfirma, weil die sie nicht aus ihren freien Tagen hole. Der Personalmangel sei längst spürbar: „Viele Kliniken halten ihren Betrieb nur mit dem Einsatz von Leiharbeitern aufrecht.“

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