Inklusion

Mehr Behinderte sollen in hessischen Betrieben arbeiten können

  • schließen

Kampagne des Sozialministeriums und des Landeswohlfahrtsverbandes wirbt für Inklusion in der Wirtschaft. Die Unternehmen tun sich damit offenbar etwas schwer.

Mehr Menschen mit Behinderungen sollen in hessischen Betrieben eine Arbeit finden. So lautet das erklärte Ziel einer Kampagne, die am Donnerstag gestartet ist. Innerhalb von zwei Jahren soll die Zahl der Schwerbehinderten in Inklusionsbetrieben von heute rund 850 auf mehr als 1000 steigen.

In Inklusionsbetrieben arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen gleichberechtigt zusammen. Mindestens 30 Prozent der Mitarbeiter sind schwerbehindert. 55 solcher Betriebe gibt es zurzeit in Hessen. Im Unterschied zu den geschützten Werkstätten für Menschen mit Behinderungen ist in einem Inklusionsbetrieb mindestens die Hälfte der Belegschaft nicht behindert.

„Unsere Kampagne zeigt Unternehmen, in denen die Zusammenarbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung hervorragend funktioniert“, sagte Martin Berg, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen in Hessen. „Wir wollen damit weitere hessische Betriebe motivieren, selbst ein Inklusionsbetrieb zu werden oder eine Inklusionsabteilung zu gründen.“

Mit Plakaten, einer Broschüre und aufstellbaren Bannern will die Kampagne, die den Namen „Ein Team!“ trägt, auf die Vorteile von Inklusion auch in der Wirtschaft aufmerksam machen. Dazu gehören laut Berg loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein gesteigertes Ansehen des Betriebs in der Gesellschaft und ein gutes Arbeitsklima. Inklusionsbetriebe erhalten außerdem eine kostenlose Beratung. Zudem gibt es vom Staat einen finanziellen Ausgleich für eventuelle Minderleistungen der behinderten Mitarbeiter.

Beispiele für solche Betriebe finden sich in zahlreichen Branchen, etwa in Gelnhausen der „Heinzelmännchen“-Wäscheservice, die Garten- und Landschaftsbauer „Grün & Grün“ in Linsengericht oder das Tagungshotel „Hoffmanns Höfe“ in Frankfurt.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) zeigte sich zum Kampagnenauftakt in Frankfurt optimistisch, dass das soziale Unternehmertum in der Wirtschaft und bei Konsumenten an Bedeutung gewinne. Ziel müsse es sein, weitere Firmen für die Inklusion zu gewinnen. „Gemeinsam zu arbeiten ist ein wesentliches Merkmal einer inklusiven Gesellschaft, wie wir sie wollen“, sagte Klose. Noch gebe es in Hessen Regionen ohne Inklusionsbetriebe. Gerade dort sei es wichtig, Neugründungen oder Umwandlungen zu fördern.

Eine Übersicht des LWV zeigt eine Häufung in Südhessen und rund um Kassel. In Mittel- und Osthessen sind die Betriebe spärlicher gesät. Einen großen Anteil machen dabei Gastronomie, Handel sowie die Dienstleistungen für Industrie und Immobilien aus.

Laut Berg ist es nicht immer einfach, die Unternehmen oder auch die Kammern und Arbeitgeberverbände vom Nutzen der Inklusion zu überzeugen. Da sei „noch mehr als ein Brett zu bohren“, sagte er. In jüngster Zeit habe die Entwicklung stagniert, die Kampagne solle nun einen neuen Anstoß geben. „Wir müssen diese Barriere überwinden und zeigen, dass man inklusiv und wirtschaftlich arbeiten kann.“

Getragen wird die Kampagne vom Sozialministerium, dem Landeswohlfahrtsverband und der Landesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen.

Auf ein-team-inklusive.degibt es weitere Informationen zur Kampagne und den Fördermöglichkeiten für Betriebe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare