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Mehr Bauland gefordert

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Von: Gregor Haschnik

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Freie Flächen, so wie hier im Nordwesten von Frankfurt, sind im Ballungsraum begehrt. Monika Müller
Freie Flächen, so wie hier im Nordwesten von Frankfurt, sind im Ballungsraum begehrt. Monika Müller © Monika Müller

Die Wohnungswirtschaft appelliert an das Land und die Kommunen, den Bau von Wohnungen besser zu fördern. Hessen kündigt derweil ein „Klimabonus“-Programm an.

Bis 2040 braucht Hessen mindestens 367 000 zusätzliche Wohnungen: Das geht aus einer 2020 aktualisierten Prognose des Darmstädter Instituts Wohnen und Umwelt hervor. Auf dem Weg dorthin wurde 2021 laut Statistischem Landesamts mit 23 000 fertiggestellten Wohnungen ein Höchstwert erreicht. Doch es deutet sich ein Rückgang an. So wurden im Februar 2021 Baugenehmigungen für 1830 Wohnungen erteilt, ein Jahr später waren es 1290. Und an gefördertem Wohnraum mangelt es ohnehin schon lange: 2020 waren 46 000 suchende Haushalte registriert.

Damit sich die Situation infolge des Ukraine-Kriegs und der Inflation nicht noch stärker zuspitzt, fordern Wohnungsbaufirmen und der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main, dass Kommunen mehr Bauland bereitstellen – und vom Land bei den Investitionen in neuen Vierteln, etwa für Kitas und Nahverkehr, besser unterstützt werden. Kurzfristig könnten dadurch in der Region Tausende neue Wohnungen errichtet werden. Die Städte und Gemeinden hätten zuletzt mehr Flächen ausgewiesen, könnten die Infrastrukturkosten aber oft nicht stemmen, sagte Regionalverbandsdirektor Thomas Horn (CDU) kürzlich beim Kongress „FrankfurtRheinMain baut!“. Die Mittel dafür aus der Landesinitiative „Großer Frankfurter Bogen“ – für Kommunen, von denen aus der Frankfurter Hauptbahnhof in 30 Minuten zu erreichen ist – seien ein wichtiger Baustein, reichten aber nicht aus.

Kosten explodieren

Keine Lösung sei es, die Unternehmen die Infrastruktur bezahlen zu lassen, meint Michael Henninger, Vizevorsitzender des BFW Landesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland. Die Firmen handelten derzeit besonders vorsichtig. Die „Kostenexplosion für Baumaterial“ und eine steigende Regelungsdichte hätten dazu geführt, dass „der Neubau massiv einbricht“, so Henninger, der weniger Bürokratie verlangt. Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, kritisiert die Entscheidung im Bund, die KfW-Förderung einzustellen. Gerade sozial orientierte Wohnungsunternehmen hätten die Zuschüsse fest einkalkuliert und Projekte bereits begonnen. „Die Landesregierung muss hier dringend gegensteuern.“

Eva-Maria Winckelmann, Geschäftsführerin des Landesverbands Hessen des Deutschen Mieterbunds, fordert, den Fokus auf bezahlbaren Wohnraum zu legen und für Unternehmen, die welchen bauen, attraktivere Förderbedingungen zu schaffen, auch für Klimaschutz-Investitionen. Hier seien vor allem Bund und Land in der Pflicht. Die Kommunen sollten für die Infrastruktur mehr Zuschüsse erhalten – aber ihre Flächen nicht ohne Bedingungen meistbietend verkaufen, was oft geschehen sei und Spekulation befördert habe, sondern sie zum Beispiel per Erbbaurecht günstig zur Verfügung stellen.

Das hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen teilt auf FR-Anfrage mit, das Land habe seine Fördermittel für sozialen Wohnungsbau deutlich aufgestockt und 2021 338,4 Millionen Euro für den Neubau von 1753 Sozialwohnungen bereitgestellt. Aufgrund der aktuellen Zinswende gewinne zudem das zinslose Förderdarlehen des Landes erheblich an Wert. Darüber hinaus stelle das Ministerium bald das „Sonderprogramm Klimabonus in der sozialen Wohnraumförderung“ vor: Für den Neubau von besonders energieeffizienten Sozialwohnungen werde zusätzlich zur bestehenden Landesförderung ein Zuschuss von bis zu 450 Euro je Quadratmeter gewährt. Auch für den Neubau im KfW-55-Standard erhalten die Wohnungsunternehmen einen Klimabonus in Höhe von 200 Euro je Quadratmeter. Das Programm kompensiere somit jene Lücke, die durch die Einstellung der Bundesförderung entstand.

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