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Nur ein Beispiel für die boomende Wirtschaft in der Rhein-Main-Region: Baustelle in Frankfurt.

Arbeitsmarkt in Hessen

Wirtschaft in Rhein-Main auf Rekordkurs

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Die Wirtschaftskammern in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main rechnen mit weiter steigender Beschäftigtenzahl.

Trotz zunehmender weltweiter politischer Unsicherheiten rechnen die Wirtschaftskammern in der Region damit, dass die Zahl der Beschäftigten in Frankfurt/Rhein-Main auf den neunten Rekordwert in Folge steigt. Nach einer am Donnerstag vorgestellten Prognose arbeiten Ende kommenden Jahres gut 2,46 Millionen Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs in der Metropolregion.

Allerdings schwächt sich der Beschäftigungszuwachs etwas ab. Nachdem die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im vergangenen Jahr um 61 000 Stellen wuchs – so stark wie nie seit Beginn der Statistik –, wird sie dieses Jahr nach Prognose der Kammern um 49 000 steigen. Und damit stärker als im Vorjahr geschätzt.

Für das kommende Jahr rechnen die acht Industrie- und Handelskammern sowie die vier Handwerkskammern in der Region auf Grundlage ihrer Konjunkturumfrage unter 8000 Unternehmen mit einem Plus von 40 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Auch aus demografischen Gründen werde das Jobwachstum aber nicht in diesem Tempo weitergehen, sagte der Präsident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer, Mathias Müller, bei der Vorstellung der Zahlen in Frankfurt. Erst für das Jahr 2030 rechnen die Kammern denn auch mit mehr als 2,5 Millionen Beschäftigten in der Region, die von Fulda und Aschaffenburg bis Rheinhessen und von Gießen bis zur Bergstraße reicht. 

Wachstum sinkt etwas

Auch das Gesamtwachstum schwächt sich der Prognose nach etwas ab. Für das laufende Jahr rechnen die Kammern mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in der Region um 1,7 Prozent, für das kommende Jahr um 1,6 Prozent. Die Wirtschaft in Frankfurt/Rhein-Main bleibe, obwohl den Unternehmen etwa der Handelsstreit zwischen den USA und China, die Handelssanktionen gegen den Iran und der Brexit Sorge bereiteten, auf Kurs. Die Region profitiere davon, dass sie breit aufgestellt und nicht zu stark von einzelnen Branchen dominiert sei.

Größter Bremsklotz für die Wirtschaft in der Metropolregion bleibt der Konjunktur- und Beschäftigungsumfrage nach der Fachkräftemangel. 56 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass dieser ein Risiko für ihre Entwicklung sei. Das sind 22 Prozent mehr als im Jahr 2014. Schon jetzt fehlen nach einer Untersuchung der Kammern 163.000 Fachkräfte, davon 139.000 mit beruflicher Qualifikation, also etwa Facharbeiter. Besonders gesucht sind Beschäftigte in der Baubranche. Bis 2030 könne die Lücke gar auf 250.000 wachsen, hieß es.

Nach Jahren des Wachstums und stark steigenden Beschäftigtenzahlen ist die Reserve auf dem Arbeitsmarkt stark geschrumpft. In den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg und Fulda liegt die Arbeitslosigkeit bei gut 2,5 Prozent, in neun weiteren Kreisen unter vier Prozent. Die Folge ist, wie Müller sagte, dass Unternehmen, die einstellen wollen, zum großen Teil auf Menschen zurückgreifen müssen, die in die Region ziehen oder einpendeln. Auch deshalb wachse die Bevölkerungszahl im Rhein-Main-Gebiet weiter. Der Arbeitsmarkt in Frankfurt und Region wirke wie ein Magnet.

Umso wichtiger sei es, das durchaus noch vorhandene Wohnbauland endlich zu entwickeln und das Schienennetz auszubauen, sagte Müller. Entlastung für die jetzt schon sehr angespannte Verkehrssituation in der Region bringe etwa der Bau der Regionaltangente West, die der erste Abschnitt eines Schienenrings rund um Frankfurt sein könne, der Ausbau der nordmainischen S-Bahn und der S6 nach Friedberg sowie die Verlängerung der S5 nach Usingen.

Matthias Müller lobte den Vorschlag des Bundes für einen Fernbahntunnel durch Frankfurt. Dieser komme nur viel zu spät.

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