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Hessen

Corona-Krise in Hessen: Impfpflicht für Masern als Blaupause im Kampf gegen das Virus

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Bei Masern ist für eine bestimmte Gruppe die Immunisierung Pflicht. Das ist einmalig in Deutschland und wird in der Debatte um eine Corona-Impfpflicht gerne zitiert.

  • Das Masernschutzgesetz gilt seit dem 1. März 2020.
  • Eine Impfpflicht soll zu einer Herdenimmunität führen.
  • Auch eine Impfpflicht gegen das Coronavirus für Pflegende steht zur Debatte.

Frankfurt - Der Volksmund spricht von Impfpflicht. In Behördendeutsch heißt sie „Nachweispflicht einer Immunität“. Festgeschrieben ist sie im Masernschutzgesetz. Es versperrt Ungeimpften den Zugang zu bestimmten Berufen. Dafür gibt es kein weiteres Beispiel. In der aktuellen Debatte um eine Corona-Impfpflicht für Pflegende wird es gern herangezogen.

Die Regeln „zum Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention“ traten am 1. März 2020 bundesweit in Kraft. Sie betreffen Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder Schulen, deren Personal sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen. Es gibt eine Übergangszeit mit Bestandsschutz, die zum 31. Juli endet. Dann müssen alle nach 1970 geborenen Beschäftigten von Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen nachgewiesen haben, dass sie gegen Masern geschützt sind. Auch die Altgedienten.

Ob Corona oder Masern: Das Ziel der Impfungen ist Herdenimmunität

Das Gesetz hat eine lange Vorgeschichte. Es ist eine Reaktion auf gefährliche Masernausbrüche und darauf, dass sämtliche Appelle zur Steigerung der Impfquoten nicht fruchteten. Das Ziel: die Herdenimmunität.

Das Gesetz

Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr müssen beim Eintritt in den Kindergarten, die Kindertagespflege oder in die Schule die von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen.

Nach 1970 geborene Beschäftigte in Gemeinschafts- oder medizinischen Einrichtungen ebenfalls. Etwa Erzieher, Lehrer, Tagespflegepersonen und medizinisches Personal. jur www.masernschutz.de

Die Frage nach einer Corona-Impfpflicht stellt sich für den Infektiologen Udo Götsch vom Frankfurter Gesundheitsamt aktuell nicht: „So lange wir nicht genug Impfstoff haben, müssen wir nicht darüber diskutieren.“ Die Corona-Immunisierung habe gerade erst begonnen. Die Impfbereitschaft werde mit der Zeit sicherlich wachsen. Götsch kann auch nicht bestätigen, dass das Personal in den Pflegeheimen grundsätzlich abgeneigt ist.

Nur eines habe er beobachtet: „Die Skepsis ist größer als beim Klinikpersonal.“ Außerdem gebe es ja jetzt schon Privilegien für Geimpfte, ergänzt der Infektiologe. Etwa die Befreiung von der Quarantäne bei Einreise aus einem Risikogebiet. Oder bei der Fluggesellschaft Quantas, die auf einen Immunitätsnachweis besteht. Grundsätzlich begrüßt der Arzt Anreize wie diese. „Impfung ist ein Akt der Solidarität. Deshalb ist es gut, das allgemeine Interesse zu fördern.“

Impfung als Akt der Solidarität: Masern werden importiert

Auch dazu soll das Masernschutzgesetz beitragen. Ob es wirkt, ist nach Angaben des Infektiologen nicht zu sagen. Die Zahlen schwanken seit Jahren. Acht Masernfälle registrierte das Frankfurter Gesundheitsamt im vergangenen Jahr. Zwei der Betroffenen waren unter einem Jahr alt. Ein Jahr zuvor waren es 15 gewesen. In ganz Hessen wurden laut Sozialministerium 28 Fälle gemeldet. „Es handelte sich überwiegend um importierte Fälle mit Auslandsanamnese aus Thailand, Pakistan und Rumänien.“

Inwieweit zum jetzigen Zeitpunkt die Masern-Impfpflicht erfüllt ist, vermag Götsch nicht zu sagen. „Im Moment haben wir drängende Probleme“, räumt er mit Hinweis auf die Sieben-Tage-Wochen im Kampf gegen Corona ein. „Wir kontrollieren keine Impfausweise. Dazu haben wir keine Zeit.“ Er geht davon aus, dass die Leitungen der Schulen und Kindertagesstätten diese Aufgabe übernehmen.

Eine Impfpflicht gegen Masern besteht unter anderem für Kindergartenkinder und medizinisches Personal. Ein Vorbild für Corona? (Symbolbild)

Impfpflicht gegen Masern: Schulbesuch darf nicht verwehrt werden

„Nach unserem Kenntnisstand wird das Masernschutzgesetz in der Bevölkerung akzeptiert und entsprechend umgesetzt“, lautet die Auskunft aus dem Ministerium, das keine Angaben zur Impfquote beim Personal liefern kann. Wohl aber die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen. Demnach liegt die Quote bei den Vier- bis Siebenjährigen bei 97,9 Prozent für die erste Impfung und bei 93,92 Prozent für die zweite Impfung.

Das Masernschutzgesetz räumt übrigens der Schulpflicht einen höheren Rang ein als der „Nachweispflicht“. Nicht geimpften Kindern darf demnach der Schulbesuch nicht verwehrt werden. Gegen die Eltern kann allerdings ein Bußgeld in Höhe bis zu 2500 Euro verhängt werden. Wie oft dies bisher geschah, entzieht sich ihren Angaben nach der Kenntnis des Infektiologen und des Ministeriums. (Jutta Rippegather)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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