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Gut gebrüllt

Im Maschinenraum der Politik

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Eine Vorausschau auf 2000 Jahre Landtag. Und mehr Sensationen.Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Es wäre spannend zu lesen, wie es wirklich zugegangen ist, wenn in Hessen große politische Entscheidungen im Hinterkämmerchen getroffen wurden. Wie Koalitionen geschmiedet und gebrochen wurden, Abtrünnige beim politischen Gegner aufgestachelt und Skandälchen der Öffentlichkeit verheimlicht.

Wie laut kracht es hinter den Türen wirklich, wenn Christdemokraten und Grüne ihre Koalitionsrunden austragen? Wie heftig baggern Finanzminister Thomas Schäfer und seine Getreuen (bisher erfolglos), dass Volker Bouffier den Staffelstab an seinen designierten Nachfolger übergibt?

So ein Blick in den „Maschinenraum der Politik“ wäre hochinteressant. Nun ist tatsächlich ein Sachbuch über „Beobachtungen aus dem Maschinenraum der Politik“ erschienen, das in Hessen spielt und den prägnanten Titel „Landtag“ trägt, so dass diese Kolumne gar nicht umhinkommt, sich damit zu beschäftigen. Nur leider hat es niemand geschrieben, der sich im Maschinenraum allzu dreckig gemacht hat.

Autor ist vielmehr der Kurzzeit-Pressesprecher der FDP, André Uzulis, der sich nach anderthalb Jahren in der hessischen Landespolitik wieder vom Acker gemacht hat. Der freundliche Glatzkopf mit der markanten Brille kann bestenfalls davon berichten, wie der FDP-Fraktionsvorsitzende René Rock seine Qualitäten als Redner verbessert hat (natürlich dank Uzulis’ Unterstützung). Der Ex-Pressesprecher zitiert mit Begeisterung „eines der besten Porträts über René Rock“, das er in einer Zeitung gelesen hat. Darin wird ein Auftritt des FDP-Frontmanns mit den Worten geschildert, Rock wirke „wie ein hessischer Steve Jobs“, der legendäre Mitbegründer von Apple. Nun ja.

Zum geflügelten Wort im Landtag geworden

Das ist eigentlich nicht das, was wir immer schon aus dem Maschinenraum der Politik erfahren wollten. Eines aber hat Uzulis geschafft: Der „Maschinenraum der Politik“ ist in dieser Woche zum geflügelten Wort im Landtag geworden – als Synonym für ein Raunen von Bedeutsamkeit. Selbst Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) konnte sich den Schlenker am Freitag beim Richtfest für den Dachausbau im Wiesbadener Landtagsschloss nicht verkneifen. „Dieses Schloss ist ein Maschinenraum der Politik, und dabei soll es auch bleiben“, sagte er – man hörte das Augenzwinkern quasi dazu.

Günstiger gibt es im gleichen Verlag, in dem das Buch von Uzulis erschienen ist, übrigens ein Werk mit ungleich höherem Anspruch: „Eine Vorausschau für die nächsten zweitausend Jahre!“ Das verkündet der Untertitel eines Bandes namens „Die Geburt des Wassermann-Zeitalters“. Wir hätten uns auch mit einer Vorausschau auf die nächsten 2000 Jahre Landtag begnügt.

Immerhin, eine amüsante Anekdote haben wir dem Buch des Ex-Pressesprechers entnommen. Uzulis berichtet, wie sich FDP-Abgeordnete für den Wahlkampf mit einer inszenierten Elefantenrunde vorbereiteten. Nur Rock durfte sich selbst spielen.

Leider verschweigt Uzulis, welcher FDPler die heiklen Rollen übernommen hat. Wir wären gerne dabei gewesen, wenn ein FDP-Mann die Linken-Spitzenkandidatin Janine Wissler oder die Grüne Priska Hinz gegeben hat. Immerhin erfahren wir, dass Ex-FDP-Fraktionschef Wolfgang Greilich die Imitation von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) beherrscht, mit einem ohne Unterlass gebrummelten Mantra „Den Hessen geht es gut“. Aber davon haben wir nichts mehr. Wolfgang Greilich ist leider aus dem Landtag ausgeschieden.

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