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Touch-a touch-a touch-a touch me. In der „Rocky Horror Show“ geht man auf Tuchfühlung.

Alte Oper

Mitmachkultur in der Zeitschleife

Seit mehr als vierzig Jahren ist die „Rocky Horror Show“ ein Dauerbrenner. Jetzt kommen Brad, Janet, Frank N. Furter und all die anderen schrillen Gestalten in die Alte Oper Frankfurt.

Von Katinka Fischer

Mitmachen ist nicht nur erwünscht, sondern eine rituelle Pflicht. Zur „Rocky Horror Show“ in der Frankfurter Alten Oper sind Reis, Feuerzeuge oder Wunderkerzen zwar tabu – man spielt eben nicht mit Lebensmitteln, und in einem Theater ist offenes Feuer selbst auf kleiner Flamme immer noch gefährlich. Weißes Konfetti und Knicklichter, die die Veranstalter als Alternativen empfehlen, dürften ihren Zweck aber ebenso gut erfüllen.

Nach wie vor ist es also Bestandteil der weltweit bekannten Show, dass die Zuschauer aus Wasserpistolen schießen und ihre Köpfe zum Schutz mit Zeitungen bedecken, während Brad und Janet durch eine verregnete Gewitternacht irren (und schließlich in Frank’n‚Furters Spukschloss landen). Dass sie Leuchten schwenken, wenn sich das bieder-brave Protagonisten-Pärchen – „There’s a light“ – Mut ansingt, oder schließlich mit Spielkarten werfen, wenn Frank’n‚Furter zum Abschied „I‘m Going Home“ anstimmt und die Zeile „cards for sorrow, cards for pain“ erklingt. Zu den interaktiven Vorstellungen erscheinen Hardcore-Fans gern auch als Transvestiten verkleidet.

Wieder einmal wird also die Geschichte der beiden frisch Verlobten Brad und Janet erzählt, die aus ihrem Umfeld im bürgerlichen Amerika der fünfziger Jahre herauskatapultiert werden und unversehens in einen orgiastischen Strudel geraten, der ihr puritanisches Weltbild komplett durcheinanderwirbelt. Touch-a, touch-a, touch-a, touch me: Halb geschockt, halb fasziniert erliegen sie der Verführungskraft von „Sweet Transvestite“ Frank’n‚Furter nebst seinem aus trashig schrägen Exzentrikern bestehenden Hofstaat.

Ihre sexuelle Orientierung verlieren sie trotzdem nur vorübergehend. Denn irgendwie siegt zu guter Letzt doch die Moral. Nach Frank’n‚Furters selbst gebasteltem Homunculus stirbt auch der Schlossherr selbst, während Brad und Janet – um einige existenzielle Erfahrungen reicher – gerade noch einmal entkommen können.

Das legendäre Musical, für das Richard O’Brien Buch, Musik und auch die Liedtexte schrieb, wurde 1973 am Londoner Royal Court Theatre uraufgeführt. Spätestens, seit die Film-Version mit Tim Curry, Susan Sarandon sowie Barry Bostwick in den Hauptrollen zwei Jahre danach auch in die Kinos kam, ist „The Rocky Horror Show“ Kult. Jeder einzelne der 20 Songs wurde zum Allzeit-Hit, und Millionen Menschen kennen inzwischen nicht nur sämtliche Liedtexte, sondern können auch die Dialoge auswendig mitsprechen. Nicht zu reden davon, dass sie die Schlüsselszenen im Chor kommentieren. Let’s do the Time Warp Again: Seit mehr als vier Jahrzehnten bewegen sich Fans mehrerer Generationen in dieser Zeitschleife.

Stars in der Rolle des Erzählers

Seit Oktober ist die „Rocky Horror Show“ erneut auf Tour. Auf dem Weg durch den deutschsprachigen Raum und einen Teil Italiens macht das bunte und bisweilen auch recht grausame Spektakel für insgesamt 16 Vorstellungen jetzt also auch in Frankfurt Station. Das Schauspiel-Ensemble wird begleitet von einer aus sechs Mitgliedern bestehenden Band. Prominent besetzt ist die Rolle des Erzählers: Erst gibt Sky du Mont dem schrillen Bühnengeschehen den seriösen Rahmen. Am 8. April wird er dann von Martin Semmelrogge abgelöst. Unterdessen ist der Mitmachkult heutzutage professionell durchorganisiert: Gutscheine für „Fanbags“, die mit Konfetti, Wasserpistolen und anderen einschlägigen Requisiten gefüllt sind, kann man über www.rocky-horror-show.de bestellen. Dort finden sich auch Handlungsanweisungen, wann und wie sie richtig zum Einsatz kommen.

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