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Corona

Marburg: Psychologie-Studierende bieten Hilfe in der Pandemie

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Studierende der Psychologie in Marburg bieten Beratung bei psychischer Belastung an.

Für alle, die sich in Pandemiezeiten überfordert fühlen oder über Gebühr belastet, haben zwei Marburger Psychologie-Studentinnen etwas ersonnen. Die studentische Beratung, kurz Stube. Sie erfolgt über Videochat.

Seit Ende März betreiben Louisa Venhoff (22) und Emilia Reichmann (24) ihre Stube. Wohlgemerkt, einen Therapie-Ersatz bieten die jungen Frauen nicht an. Das dürfen sie gar nicht. Sie kümmern sich um Menschen, denen womöglich schon ein gutes Gespräch mit einer unabhängigen Sachverständigen helfen kann. Die sich einfach die Zeit nimmt und zuhört und vielleicht ein paar hilfreiche Vorschläge macht.

Angesprochen sind Menschen ab 18 Jahren in Hessen, die das Gefühl haben, keine Tagesstruktur mehr zu haben. Die vielleicht einsam sind, Motivationsprobleme haben, an zwischenmenschlichen Konflikten knabbern, sich mit Schuldgefühlen plagen. Es müssen keine Studierenden sein, alle sind willkommen. Nur wenn ein klinischer Befund vorliegt, eine diagnostizierte psychische Störung, wird die Beratung abgelehnt. Der Betroffene kann aber an andere Stellen vermittelt werden. „Wir lassen das nicht ins Leere laufen“, sagt Louisa Venhoff. Denn sie wollen helfen, so sind sie auf die Idee gekommen. „Wir haben schon so viel gelernt“, haben sie sich gedacht, „auch Praxiserfahrung gesammelt“, sagt Venhoff. Beratungsbedarf sei durchaus da. „Die Therapiepraxen haben extreme Wartezeiten.“

Ihr Angebot ist tatsächlich eingeschlagen. Am Fachbereich in Marburg haben ’zig Kommilitoninnen und Kommilitonen die Gelegenheit ergriffen, sich mit ihrem Wissen einbringen zu können, helfen zu dürfen. 70 eigens geschulte Beraterinnen und Berater stehen nun bereit. Sie verfügen über Erfahrung von mindestens sechs Semestern, Schulungen in Gesprächsführung und Intervention und eine umfangreiche Materialsammlung zu verschiedenen Themen. Und Sprachkenntnisse: Beratung ist möglich auf Deutsch, Türkisch, Russisch, Ukrainisch und Spanisch. 16 Menschen haben sich bislang gemeldet. Sie wenden sich per E-Mail an die Stube. Über einen Fragebogen und ein Telefonat klären die Gesprächspartnerinnen und Partner ab, worum es geht. Dann beginnt die Beratung, drei Wochen, jeweils eine Stunde. „Es sind natürlich Ratschläge, die irgendwie auf der Hand liegen“, sagt Venhoff. Aber mit wissenschaftlichem Hintergrund.

Familien in beengten Verhältnissen raten sie zum Beispiel, viel hinauszugehen. Jedes Familienmitglied sollte auch eine Stunde am Tag für sich ganz alleine haben. Menschen, die zu viel alleine sind, sollen, so gut es geht, Kontakt halten, über Telefon und Internet. Routinen am Morgen und Abend helfen, den Tag zu strukturieren. Sie sollen viel unternehmen, spazieren gehen, Aktivitäten über die Woche verteilen, auf die sie sich freuen können.

Auch die Studierenden haben einen Berater. Marcel Wilhelm übernimmt die Supervision, wissenschaftlicher Mitarbeiter aus der AG Klinische Psychologie am Fachbereich Psychologie der Uni. „Er steckt da viel Zeit ’rein“, sagt Venhoff dankbar, habe auch bei Konzeption und Anträgen geholfen. Wilhelm begleitet das Projekt mit einer Studie. „Hauptsächlich, damit wir sehen, wo wir unsere Beratung noch verbessern können“, sagt Venhoff.

Fragen oder Beratung:

beratung@stube-marburg.de info@stube-marburg.de

www.stube-marburg.de

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