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Marathon Frankfurt: Lauf in die Freiheit

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Von: Oliver Teutsch

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Am Mainufer gewinnt Lukas Abstand vom Alltag. Foto: Fleckenbühler.
Am Mainufer gewinnt Lukas Abstand vom Alltag. Foto: Fleckenbühler. © Fleckenbühler.

Für die Staffel der Suchthilfeorganisation Fleckenbühler hat der Marathon fast therapeutische Wirkung. Laufen als Mittel zur Suchtprävention.

Wenn Lukas läuft, wird sein Kopf frei. Die frische Luft am Mainufer oder im Stadtwald ist für ihn eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Lukas ist bei den Fleckenbühlern, einer gemeinnützigen Organisation, die sich darum kümmert, Drogensüchtigen wieder auf die Beine zu helfen. Vor zwei Jahren kam Lukas aus Oberhausen ins Frankfurter Stadthaus der Fleckenbühler. „Der Richter war gnädig mit mir, hat mir aber als Auflage eine Therapie verordnet“, erinnert sich der heute 24-Jährige. Das erste halbe Jahr dürfen die Neuankömmlinge das Suchthilfezentrum in Niederrad nicht verlassen. Diese Phase hat Lukas zum Glück hinter sich, und mittlerweile arbeitet er im Umzugsunternehmen der Fleckenbühler. Aber manchmal wird ihm das Leben in der Gemeinschaft auch ein bisschen viel. „Wenn man den ganzen Tag so rumhängt, hat man irgendwann keine Lust mehr auf Gesichter“, bekennt Lukas und findet: „Das Laufen bringt so ein bisschen Schwung ins Leben.“

Wenn es möglich ist, läuft er zwei- bis dreimal in der Woche. Einige Halbmarathons hat er schon absolviert, am Sonntag wollte er seinen ersten Marathon in Angriff nehmen. Doch da die Fleckenbühler beim Frankfurt-Marathon traditionell eine Staffel stellen und diesmal ein wenig personelle Probleme haben, ist Lukas nun der Schlussläufer der Staffel. So darf er nach 13,5 Kilometern in der Festhalle einlaufen, worauf er sich schon ziemlich freut. Das Laufen ist bei den Fleckenbühlern ein wichtiger Baustein, wie Alex Schlotzer erklärt: „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, haben sportliche Aktivitäten durch ihre Suchtproblematik stark vernachlässigt. Laufen und andere Ausdauersportarten sind sehr gut, um den Kopf freizubekommen, was gerade am Anfang enorm wichtig ist.“

Veranstaltungen wie der Frankfurt-Marathon eignen sich zudem bestens, um soziale Kontakte zu knüpfen, die nichts mit Drogen zu tun haben. „Sport verbindet einfach und gehört für viele ganz klar zu einem nüchternen Leben“, betont Schlotzer, der sich bei den Frankfurter Fleckenbühlern um Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Lukas wird seiner Niederräder Gemeinschaft noch eine Weile treu bleiben, bis er sich wieder ganz ins freie Leben wagt. Einen Einlauf in der Festhalle vor mehreren Tausend Zuschauer:innen hätte er sich vor zwei Jahren aber wohl nicht träumen lassen.

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