1. Startseite
  2. Rhein-Main

Der Mann mit der Kamera

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hanning Voigts

Kommentare

"Wenn ihr Muslime seid, kommt hier runter." Sabri Ben Abda in einem Youtube-Video.
"Wenn ihr Muslime seid, kommt hier runter." Sabri Ben Abda in einem Youtube-Video. © Screenshot Youtube

Sabri Ben Abda ist seit Jahren ein bekannter Propagandist der deutschen Salafistenszene. Der Deutsch-Tunesier aus Köln ist mit vielen der salafistischen Predigern bestens vernetzt. Kürzlich forderte er deutsche Muslime auf, ins Bürgerkriegsland Syren zu reisen.

Sabri Ben Abda ist seit Jahren ein bekannter Propagandist der deutschen Salafistenszene. Der Deutsch-Tunesier aus Köln ist mit vielen der salafistischen Predigern bestens vernetzt. Kürzlich forderte er deutsche Muslime auf, ins Bürgerkriegsland Syren zu reisen.

Die Weicheier, sagt der Mann mit der Flecktarnjacke, sollten am besten gleich zu Hause bleiben. Hier in Syrien sei Krieg, es werde geschossen „das ist hier kein Disneyland-Urlaub oder so was“. Und dann richtet er seinen Blick ernst in die Kamera. „Wenn ihr Männer seid, kommt hier runter“, sagt er. „Wenn ihr eure Geschwister liebt, wenn ihr den Islam liebt, wenn ihr Muslime seid, kommt hier runter.“

Markante, helle Stimme

Der Mann mit der Flecktarnjacke und der markanten, hellen Stimme, der über das Onlineportal Youtube deutsche Muslime auffordert, ins Bürgerkriegsland Syrien zu reisen, heißt Sabri Ben Abda – und er ist in der Salafistenszene kein Unbekannter. Der Deutsch-Tunesier aus Köln, nach eigener Aussage Ex-Bundeswehrsoldat und gelernter Bürokaufmann, hat sich seit 2010 mit selbst produzierten Propaganda-Videos einen Namen gemacht. Inzwischen ist der Enddreißiger mit vielen wichtigen salafistischen Predigern vernetzt – und versucht, mit der Organisation fragwürdiger „Benefizgalas“ für radikale islamistische Gruppen in Syrien ein eigenständiger Akteur in der Szene zu werden.

Die breite Öffentlichkeit wurde erstmals 2011 auf Ben Abda aufmerksam, als er in einem Youtube-Video zwei kritische Journalisten als „Affen und Schweine“ bezeichnete, die „unter einem seriösen Deckmantel Hetze gegen unseren Glauben“ betrieben. Das Video enthielt Fotos von einem Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau, der zu dieser Zeit intensiv über die Frankfurter Salafistenszene berichtete. Ihm drohte Ben Abda, er werde seine Handynummer und seine Adresse im Internet veröffentlichen, sollte er weiter seine „Salafistenmärchen“ verbreiten.

Hass auf Journalisten

Überhaupt sind die Medien die Lieblingsfeinde von Ben Abda. Seit Beginn seiner Karriere als Propaganda-Filmer, als er vor allem salafistische Demonstrationen oder die Infostände der Koran-Verteilaktion des radikalen Predigers Ibrahim Abou-Nagie dokumentierte, wettert er immer wieder gegen Journalisten, die aus seiner Sicht nur „Hetze“ und „Lügen“ gegen „den Islam“ verbreiten. Den Begriff Salafisten, mit dem radikale Islamisten bezeichnet werden, die sich am Islamverständnis des 7. Jahrhunderts orientieren und teilweise auch Gewalt gegen „Ungläubige“ befürworten, lehnt Ben Abda ab. „Ich bin ein Muslim. Ende, Aus, Mickymaus“, sagte er einmal mit der für ihn typischen rheinischen Schnauze.

In der direkten Konfrontation mit Reportern, die er gerne in voller Länge auf Youtube hochlädt, verliert der aufbrausende Ben Abda schnell die Beherrschung. Obwohl er sich ansonsten stets bemüht, einen seriösen und gelassenen Eindruck zu machen, schreit er bei solchen Gelegenheiten mit sich überschlagender Stimme seinen Hass auf die Medien und die Kuffar – die „Ungläubigen“ – heraus.

Kontakte nach Syrien

Nicht nur in solchen Situationen lässt Ben Abda auch seinen Hang zu antisemitischen Verschwörungstheorien durchblicken: „Deine Chefs sind Zionisten, die bestimmen, was in den Medien ausgestrahlt wird“, hat er einmal einem SWR-Reporter ins Gesicht gebrüllt. „Ob es die Merkel ist, ob es der Steinmeier ist, die sind alle mit einer bestimmten Lobby unterwegs, und die führen einen verdeckten Krieg gegen uns.“ Bei der Tageszeitung „Die Welt“, so sagte Ben Abda einmal, sehe man ja schon am blau-weißen Logo, dass sie in jüdisch-israelischer Hand“ sei.

Wenn er auf Gewalttaten durch Salafisten angesprochen wird, lehnt Ben Abda diese als „unislamisch“ ab. Glaubwürdig sind diese Distanzierungen nicht: Einem unliebsamen Journalisten hat er in einem seiner Videos per Animation den Kopf platzen lassen, über die islamistischen Gruppen, die in Syrien gegen Machthaber Baschar al-Assad kämpfen, sagt er, das seien Leute, die „das Volk unterstützen gegen diese Vergewaltiger und Mörder“. Und auch er selbst sei „im Notfall bereit, Geschwister dort zu verteidigen“.

In letzter Zeit hat Ben Abda, wie viele Salafisten, sich vor allem mit Syrien befasst. Als Mitorganisator von Spenden-Sammelaktionen war er auch im Rhein-Main-Gebiet unterwegs, im Sommer reiste er selbst ins Bürgerkriegsland, um dort nach eigenen Angaben humanitäre Hilfe zu leisten. Recherchen des ARD-Magazins „Report Mainz“ zufolge soll Ben Abda mit dem Verein „Helfen in Not“ vernetzt sein, der laut Beobachtern salafistische Propaganda in Syrien verbreitet – unter dem Deckmantel von Hilfsaktionen.

Alberne Cowboy-Allüren

Auf seinen verschiedenen Websites wirbt Ben Abda immer wieder für den Verein. „Report Mainz“ brachte Ben Abda sogar mit der Entführung deutscher Entwicklungshelfer vom Verein „Grünhelme“ in Verbindung, die im Mai tagelang von Salafisten gefangengehalten und verhört worden waren.

In seinen letzten Videos äußerte Ben Abda Enttäuschung darüber, dass so wenige Muslime sich seinen Aktionen in Sachen Syrien anschlössen. Das deutet auch darauf hin, dass er innerhalb der Szene nach wie nicht der große Player ist, der er gerne wäre. Gerade den Salafisten, die auf ein seriöses Äußeres setzen, dürften Ben Abdas Cowboy-Allüren und seine exzentrischen Ausfälle schlichtweg zu albern sein.

Auch interessant

Kommentare