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Bernd Arnold ist geschäftsführender Vorstand der Hochtaunusbau.
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Bernd Arnold ist geschäftsführender Vorstand der Hochtaunusbau.

Bad Homburg

„Man konnte einfach Äcker bebauen“

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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Hochtaunusbau-Vorstand Bernd Arnold spricht im FR-Interview über bezahlbare Wohnungen sowie Vergangenheit und Zukunft der 70 Jahre alten Genossenschaft.

Bernd Arnold (66) ist seit 2003 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Hochtaunusbau. In der Wohnungswirtschaft ist der Diplom-Kaufmann seit insgesamt 50 Jahren tätig. Vor seinem Wechsel nach Bad Homburg war er 17 Jahre lang Geschäftsführer der Siedlungsgesellschaft für Wohnungs- und Städtebau (GSG) in Frankfurt.

Die Hochtaunusbau ist ein Kind der Nachkriegszeit. Bis 1957 konnte die neue Genossenschaft mehr als hundert Eigenheime und gut 800 Wohnungen hochziehen. Würden Sie sich ein solches Tempo heute wieder wünschen?
Das wäre heute gar nicht mehr möglich. Damals waren viel mehr Bauflächen vorhanden. Man konnte einfach Äcker bebauen, ohne dass jemand sich beschwert hätte. Auch wir haben unsere größten Bestände dort, wo früher einmal Streuobstwiesen waren. Stellen Sie sich vor, wir würden heute versuchen, das Kirdorfer Feld zu bebauen!

Im vergangenen Jahr haben Sie immerhin 38 neue Wohnungen fertiggestellt. Bis 2019 sollen weitere 36 hinzukommen. Andere Genossenschaften tun sich noch erheblich schwerer, Neubauten zu errichten. Wie schaffen Sie das ausgerechnet im teuren Bad Homburg?
Das geht nur, weil wir das auf eigenen Grundstücken machen. So haben wir im Kronberger Carrée die Dachgeschosse ausgebaut. Außerdem haben wir einen Neubau in der Mitte der Siedlung errichtet, wo früher ein Spielplatz war. Die Bewohner sind inzwischen älter, so dass dieser nicht mehr genutzt worden ist. In den kommenden Jahren werden wir an der Jacobistraße mit dem Ausbau von Dachgeschossen und im Reinerzer Weg mit Neubauten weitermachen.

Gibt es da nicht Proteste der vorhandenen Mieter?
Das gefällt natürlich nicht allen. Bisher haben wir das aber insgesamt gut hinbekommen. Bei jedem Projekt machen wir vorher Veranstaltungen mit den Mietern vor Ort und erklären ihnen, warum wir ausbauen und in welchen Abschnitten.

Nach welchen Kriterien vergeben Sie dann die neuen Wohnungen?
Grundvoraussetzung ist, dass die Mieter Mitglieder der Genossenschaft sind. Bei der konkreten Vergabe geht es dann darum, wie lange jemand schon auf eine Wohnung bei uns wartet und wie hoch die Anteile sind, die er gezeichnet hat.

Wie hoch ist die Miete?
Im Gesamtbestand haben wir eine Durchschnittsmiete von 6,74 Euro. Die neuen Wohnungen kosten aber mehr: Elf Euro pro Quadratmeter für die Dachgeschoss-Wohnungen, die anderen kosten zwölf Euro. Das ist aber immer noch deutlich günstiger als am freien Markt. Da zahlen Sie in Bad Homburg derzeit rund 14 Euro, in Frankfurt geht es sogar schon in Richtung 20 Euro.

Warum gelingt es nicht, neue Wohnungen mit günstigeren Mieten zu schaffen?
Das liegt in erster Linie an den Grundstückspreisen. Wir liegen in Bad Homburg im Schnitt bei 700 Euro pro Quadratmeter und in Frankfurt schon über 1000 Euro. Wenn wir ein Grundstück kaufen würden, um darauf zu bauen, müssten wir Mieten nehmen, die überhaupt nicht mehr zu bezahlen sind. Hinzu kommt, dass die Baukosten erheblich gestiegen sind.

Woran liegt das?
Vor allem an den Vorschriften, ob es um die Energieeinsparverordnung, den Brandschutz oder die Stellplätze geht. Im Kronberger Carrée mussten wir eine Tiefgarage mit 29 Plätzen bauen, das schlägt sich dann natürlich auf die Mieten nieder.

Bisher ist die Hochtaunusbau ausschließlich im Vordertaunus aktiv. Wäre es eine Option für Sie, ins Usinger Land auszuweichen, wo die Grundstücke noch günstiger sind?
Das wäre dann interessant, wenn wir beispielsweise in Neu-Anspach schon Bestände hätten. Doch dort neu anzufangen, halte ich nicht für sinnvoll. Wenn die Standorte zu weit auseinanderliegen, wird es sehr kompliziert, sie zu verwalten.

Welchen Beitrag können Genossenschaften grundsätzlich leisten, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?
Einen wichtigen. Alle Genossenschaften liegen mit ihren Angeboten unter den Marktmieten. Hinzu kommt die Nachhaltigkeit. Uns gibt es seit 70 Jahren, die Oberurseler Wohnungsgenossenschaft sogar seit mehr als 100 Jahren. Wir bauen Wohnungen, um sie zu behalten und nicht, um sie zu verkaufen und damit Geld zu scheffeln. Unsere Mieter wissen, dass sie auch in zehn Jahren noch den gleichen Vermieter haben.

Sie haben einen Jahresüberschuss von 1,1 Millionen Euro erwirtschaftet, Ihre Genossen dürfen sich über eine Dividende von drei Prozent freuen. Bleibt da noch genug übrig, um zu investieren?
Ja. Wir haben insgesamt 375 000 Euro ausgeschüttet und das halte ich auch für richtig. Das ist zu den günstigeren Mieten ein weiteres Bonbon für unsere Mitglieder. Was die Investitionen angeht: Zusätzlich zu unseren Eigenmitteln nehmen wir natürlich auch Geld auf. Das ist bei den derzeit günstigen Zinsen sehr attraktiv.

Nicht weit von Ihrem Büro entfernt befindet sich das Areal des alten Kreiskrankenhauses. Die Stadt will es dem Kreis abkaufen, um dort Wohnungen errichten zu lassen. Sehen Sie Chancen, dort mit einzusteigen?
Zunächst müsste die Stadt beim Kauf zum Zuge kommen. Es gibt wohl noch andere Bieter. Aber ich könnte mir vorstellen, einen Teil des Geländes gemeinsam mit der Stadt in Angriff zu nehmen. Da müsste man dann noch über eine öffentliche Förderung und Belegrechte sprechen. Das Areal komplett zu bebauen, würde uns aber überfordern.

Ex-Landrat Jürgen Banzer ist Vorsitzender des Aufsichtsrates, Oberbürgermeister Alexander Hetjes und seine Vorvorgängerin Ursula Jungherr sind Mitglieder des Gremiums. Wie groß ist der Einfluss der Politik auf Ihre Arbeit?
Wir sind als Genossenschaft keine Tochtergesellschaft der Stadt, sondern unabhängig. Aber es gibt natürlich eine Zusammenarbeit. So sind die Bad Homburger Oberbürgermeister von Anfang an Mitglieder im Aufsichtsrat gewesen. Gleichzeitig sind wir bei Grundstücksgeschäften oder Bebauungsplänen auf die Politik angewiesen. Ohne eine Änderung des entsprechenden Bebauungsplans hätten wir beispielsweise unseren Neubau im Kronberger Carrée nicht errichten können. Die Einflussmöglichkeiten sind aber gegenseitig. Ich sehe das durchaus positiv. So gibt es derzeit auch Gespräche über das Gebiet am Hühnerberg und die dort geplanten Geschosswohnungen.

Wäre es sinnvoll, wenn die Stadt eine eigene Wohnungsbaugesellschaft hätte?
Um eine neue Gesellschaft ins Laufen zu bringen, bräuchte die Stadt viel Zeit. Außerdem würde es einen erheblichen Verwaltungsaufwand bedeuten. Wenn, dann hätte man damit in den 50er Jahren anfangen müssen.

Interview: Torsten Weigelt

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